• The Wall Street Journal

Hedgefonds-Schlacht um Herbalife spitzt sich zu

Im Ringen um Herbalife, einen amerikanischen Händler von Nahrungsergänzungsmitteln, haben die Bullen an der Wall Street seit Donnerstagabend wieder Oberwasser. Der Hedgefonds-Manager Carl Icahn hält inzwischen 12,98 Prozent der Anteile an Herbalife und will mit dem Unternehmen über strategische Alternativen sprechen, wie aus einer Pflichtmitteilung von Icahn an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht.

Im nachbörslichen Handel an der Wall Street sprangen Herbalife-Aktien daraufhin um mehr als 18 Prozent hoch auf 45,25 Dollar.

Herbalife ist seit Monaten eine der heißesten Aktien an der US-Börse. Der Hedgefonds-Manager William Ackman wettet im großen Stil auf einen Kursverfall und hat öffentlich das Geschäftsmodell des Unternehmens in Zweifel gezogen.

Reuters

Das Herbalife-Logo auf einem Monitor an der New Yorker Börse. Das Papier ist zurzeit die heißeste Aktie der Wall Street.

In den vergangenen zwölf Monaten hat die Herbalife-Aktie 36 Prozent an Wert verloren. Zwischenzeitlich waren die Verluste aber noch viel höher, im Tief sank der Kurs bis auf 26 Dollar, die Rechnung Ackmans schien aufzugehen. Erst als Icahn und andere prominente Investoren in den Kampf um Herbalife einstiegen, stoppte die Talfahrt.

Sollte die Aktie jetzt weiter steigen, könnten Investoren, die auf einen Kursverfall gewettet haben, in Not geraten. Nach jüngsten Daten waren mehr als 30 Prozent der Herbalife-Aktien an Spekulanten verliehen, die gegen das Unternehmen wetteten. Diese leihen sich Aktien bei einem Fonds oder anderen Investoren und verkaufen die Papiere anschließend weiter – in der Erwartung, sie später billiger zurückkaufen zu können und so Gewinne zu erzielen.

Laufen die Kurse jedoch in die Gegenrichtung, sind die Investoren früher oder später gezwungen, die Aktien teurer zurückzukaufen. Im Extremfall kann es zu einem so genannten „short squeeze" kommen, bei dem alle gleichzeitig ihre Wetten auflösen wollen und der Preis unkontrolliert nach oben schießt, weil für die hohe Kaufnachfrage einfach nicht genug Aktien da sind.

In den Unterlagen für die SEC erklärt Icahn, Herbalife besitze ein seriöses Geschäftsmodell und gute langfristige Wachstumsaussichten. Ebenfalls heißt es darin, dass Icahn mit dem Herbalife-Management Gespräche über das Geschäft und strategische Alternativen aufnehmen wolle, um den Wert für die Anteilseigner zu steigern. Genannt wird unter anderem eine Rekapitalisierung oder ein Börsenrückzug.

Scheeballsystem oder seriöses Geschäftsmodell?

Seine Gegner sehen Ackman bereits in der Bredouille: „Carl Icahn hat Bill Ackmann einen Valentinstag beschert, den er niemals vergessen wird", schrieb Robert Chapman Junior, ein anderer Investor, der in dem Tauziehen ebenfalls auf Herbalife setzt.

Herbalife liefert sich seit Monaten eine öffentliche Schlacht um sein Geschäftsmodell. Das Unternehmen kämpft gegen die Vorwürfe von Ackman und seiner Hedgefonds-Gesellschaft Pershing Square Capital Management, die den Direktvertrieb von Herbalife für ein Schneeballsystem halten.

Auf einer Konferenz am Mittwoch nahm Ackman mehrfach Bezug auf Icahn. An einer Stelle dankte er ihm und anderen prominenten Investoren, die nach Bekanntwerden von Ackmans Short-Position Anteile an Herbalife gekauft und damit Aufmerksamkeit auf das Unternehmen gezogen hatten.

Reuters

Die Rivalen: Carl Icahn (links) steht auf Seiten von Herbalife, Bill Ackman greift das Unternehmen an.

„Ich wusste nicht, wieviel Aufmerksamkeit wir erregen würden… daher: Vielen Dank, Carl Icahn, danke, Dan Loeb", sagte Ackman auf der Konferenz. Loeb ist Gründer des Hedgefonds Third Point.

Icahn und Ackman hatten sich Ende Januar im Fernsehsender CNBC ein beispielloses Duell über die Feinheiten des Geschäftsmodell von Herbalife geliefert. Vor dieser Episode besaß Icahn 1,6 Millionen Aktien. Seither hat er kräftig weitergekauft und hielt am Donnerstag mehr als 14 Millionen Anteilsscheine.

Eine Sprecherin von Herbalife erklärte: „Wir heißen alle Parteien willkommen, die in Herbalife den gleichen Wert sehen wie wir." Icahn und Ackman antworteten nicht auf Anfragen.

Mitarbeit: Steve Russolillo

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