• The Wall Street Journal

Großhändler rechnet mit weiteren Pferdefleisch-Funden

Deutsche Verbraucher dürften in weit mehr Fällen ungewollt Pferdefleisch verzehrt haben als bislang bestätigt: Von dem Skandal um mit Pferdefleisch verunreinigte Tiefkühlprodukte ist voraussichtlich auch der dänische Lebensmittelhersteller und -großhändler Tulip Food Company betroffen, wie dessen Deutschland-Geschäftsführer René Olsen dem Wall Street Journal Deutschland sagte.

dapd

Mehrere deutsche Handelskonzerne wurden mit Tiefkühllasagne beliefert, die Pferdefleisch enthielt.

Olsen rechnet nach eigenen Worten damit, dass die von Tulip an mehrere deutsche Handelskonzerne gelieferten Tiefkühlartikel "Lasagne Bolognese" und "Cannelloni Bolognese" Pferdefleisch enthielten, obwohl dies nicht auf der Verpackung dieser No-Name-Produkte verzeichnet war. "Wir glauben, dass wir das Problem haben", sagte er.

Die Tulip Food Company ist Lieferant der Rewe Group, wie diese zuvor auf Anfrage mitgeteilt hatte. Nach Worten von Olsen haben aber auch andere Supermarkt-Ketten die Fertiggerichte von Tulip verkauft. Rewe sei nicht der größte Abnehmer der beiden verdächtigen Produkte, berichtete Olsen, ohne Namen weiterer Kunden zu nennen. Tulip habe bislang jährlich rund 100 Tonnen der nun zurückgerufenen Nudelgerichte vertrieben. Rewe nahm die Produkte aus den Regalen. In diesen seien zwar bislang keine Pferdefleisch-Spuren nachgewiesen worden, erklärte ein Sprecher des Unternehmens. Rewe wolle aber "eine Irreführung" der eigenen Kunden ausschließen.

Auch im Fall Tulip führt die Spur zum französischen Lebensmittelunternehmen Comigel, dessen Artikel zuvor schon unter Pferdefleisch-Verdacht geraten waren. Comigel sei der Hersteller der fraglichen Nudel-Produkte, sagte Olsen. Seit rund "vier bis fünf Jahren" erwerbe die Deutschland-Tochter von Tulip die beiden Tiefkühlgerichte bei dem Unternehmen. Es lohne sich nicht, die Artikel selbst herzustellen. "Die Menge ist zu gering." Supermärkte außerhalb Deutschlands habe Tulip nicht mit den verdächtigen Artikeln beliefert, sagte Olsen. Comigel reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage.

Tulip hat seine ohne Markenangabe verkauften Artikel "Lasagne Bolognese" und "Cannelloni Bolognese" nach den Worten von Geschäftsführer Olsen am Dienstag zurückgerufen. Das Unternehmen habe zuvor den Beteuerungen des Lieferanten vertraut, denen zufolge Tulip nicht von dem sogenannten Pferdefleisch-Skandal hätte betroffen sein dürfen. Am Montagnachmittag aber habe Comigel eingeräumt, dass es "ein Problem mit zusätzlichen Paletten geben könnte". Tulip habe daraufhin das Vertrauen verloren und die Lieferantenbeziehung einstweilen "gestoppt". "Aller Wahrscheinlichkeit nach" werde sie das Unternehmen nicht wieder aufnehmen.

Gewissheit, ob Tulip-Artikel Pferdefleisch enthielten, sollen Tests verschaffen: Am Montag habe die Firma Proben zur Untersuchung geschickt. Deren Ergebnisse stünden noch aus, sagte Olsen.

Pferdefleisch in Tiefkühlgerichten war zunächst in Großbritannien aufgefallen. In den vergangenen Tagen nahmen aber auch deutsche Lebensmittelhändler Produkte aus den Regalen, weil sie befürchteten, dass diese Pferdefleisch enthalten könnten. Bei der Supermarkt-Kette Real bestätigte sich ein Verdacht: Es seien in einzelnen von einer Lasagne genommenen Stichproben "Anteile von Pferdefleisch" gefunden worden, teilte das Unternehmen mit. Auch Kaiser's Tengelmann gab nach eigenen Angaben Prüfungen einer Tiefkühl-Lasagne in Auftrag. Ergebnisse lägen aber noch nicht vor, sagte eine Sprecherin. Der Tiefkühl-Lieferdienst Eismann wartet nach eigenen Angaben ebenfalls noch auf Befunde.

Kontakt zum Autor: hendrik.varnholt@dowjones.com

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