• The Wall Street Journal

Die Schweizer Notenbank im Nullzins-Wunderland

Für einige Zentralbanken werden die andauernden Nullzinsen zu einem ernsthaften Problem. Die Schweizerische Nationalbank gehört dazu: Aus Angst vor einer Schwächung der heimischen Wirtschaft ist sie nicht fähig, die Zinsen anzuheben. Daher muss die SNB versuchen, die steigenden Immobilienpreise in der Schweiz dadurch zu bremsen, dass sie die Banken nötigt, für Hypotheken mehr Kapital als Sicherheitsleistung zu hinterlegen. Die Ergebnisse dieses Schritts werden auch andernorts genau beobachtet, wo die Entscheidungsträger mit den gleichen Schwierigkeiten kämpfen.

Der Immobilienmarkt bereitet der SNB schon eine Weile Kopfzerbrechen. Die Kaufpreise für selbst genutzte Eigentumswohnungen sind seit 2008 im Schnitt um 5 Prozent jährlich gestiegen, in Zürich ging es mit 6,2 Prozent noch stärker aufwärts, in Genf gar um 8 Prozent. Nach Meinung der UBS, die einen Schweizer Immobilienblasen-Index aufgelegt hat, zeigen Indikatoren, dass die Gefahr einer Blase real ist: Das Preis-Einkommens-Verhältnisse ist von vier im Jahr 2000 auf sechs Ende vergangenen Jahres gestiegen. 22,3 Prozent der Kreditanträge werden für nicht selbst genutzte Immobilien gestellt.

Doch die Schweizer Notenbank kann die Zinsen nicht anheben. 2012 lag die Inflation bei minus 0,7 Prozent und die Wirtschaft wächst nur schleppend. Höhere Zinsen könnten zudem eine Aufwertung des Franken nach sich ziehen, was die SNB zu erneuten und anhaltenden Interventionen zwingen würde. Stattdessen führt die Zentralbank ab September einen antizyklischen Kapitalpuffer für Banken in Höhe von einem Prozent ihres risikogewichteten Hypotheken-Engagements ein. Dieser Puffer kann in der Spitze bis auf 2,5 Prozent der Einlagen angehoben werden.

Diese Männer fluten die Welt mit Geld

Die SNB hofft, dass die Maßnahme eine exzessive Vergabe von Hypothekenkrediten verhindern und den Markt abkühlen wird. Der Schweizer Bankenverband fürchtet dagegen, dass die Banken stattdessen ihre Kreditvergabe an anderen Stellen zurückfahren könnten, beispielsweise bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen. Bemühungen aus dem Juni 2012, die Kreditstandards zu verschärfen, haben den Markt jedenfalls nicht in seinem Anstieg bremsen können. Und die Signalwirkung des jetzigen Schritts der SNB könnte kleiner sein als der einer traditionellen Zinserhöhung. Nach Meinung des Bankenverbands gibt es zudem strukturelle Faktoren, die den Immobilienmarkt nach oben treiben – die hohe Zuwanderung etwa und ein unzureichendes Angebot.

Mit ihrem letzten geldpolitischen Abenteuer – der Obergrenze für den Franken-Kurs zum Euro – hat die Schweizer Zentralbank unmittelbar Erfolg gehabt Der Preis dafür bezahlt sie mit einer massiv aufgeblähten Bilanz. Ob der jüngste Schachzug ein ähnlicher Erfolg wird und was die Kosten hierfür sind, wird sich erst viel später zeigen.

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Immobilienpreise

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