• The Wall Street Journal

Plant Tim Cook einen Strategieschwenk bei Apple?

Tim Cook hat am Dienstag eine bemerkenswerte Erklärung abgegeben, die für Apples zunehmend zittrige Anleger Neuigkeiten bereithielt. Apple, der Hersteller von iPhone, iPad und Mac-Computern betrachtet sich selbst demnach nicht als "Hardware-Unternehmen".

Nicht dass Apple darüber nachdächte, sich in näherer Zukunft aus dem Geschäft mit Geräten zurückzuziehen. Cook versuchte vielmehr eine Frage zu beantworten, die dem Konzernchef in diesen Tagen immer wieder gestellt wird. Diese lautet, wie es Apple in einem extrem wettbewerbsintensiven Markt, auf dem immer mehr Konkurrenten versuchen, Apple preislich zu unterbieten, schaffen will, seine enormen Bruttomargen beizubehalten. Diese liegen um Längen über denen, die irgendwer anders in diesem Segment erreichen kann.

Associated Press

Tim Cook hat eine bemerkenswerte Erklärung abgegeben, die für Apples Anleger Neuigkeiten bereithielt. Der Hersteller von iPhone, iPad und Mac-Computern betrachtet sich selbst demnach nicht länger als Hardware-Unternehmen.

"Für uns ist der Verkauf eines Produktes nicht der letzte Teil der Beziehung zu unseren Kunden – er ist der erste", sagte Cook. "Dass wir mehr sind als ein Hardware-Unternehmen gibt uns die Fähigkeit, uns nicht so viel um kurzfristige Dinge sorgen zu müssen. Wir führen Apple langfristig", fügte er hinzu.

Was Cook in seiner Präsentation auf einer Investorenkonferenz von Goldman Sachs verdeutlichen wollte, ist, dass sich Apple als Plattform-Betreiber versteht, der viele Möglichkeiten hat, seine Umsätze zu steigern. Das trifft tatsächlich seit einiger Zeit zu. Trotzdem kann man diejenigen verstehen, die sich fragen, ob Apple einen strategischen Schwenk in seinem Geschäftsmodell plant. Und dass die Aktie nach Cooks Ausführungen in New York zwei Prozent verlor, zeigt, dass dies tatsächlich einige tun.

Ein Blick auf die Zahlen: Apple und die anderen Software- und Dienstleistungsbereiche von Apple erwirtschafteten im Quartal bis Ende September 3,7 Milliarden Dollar – ein Anstieg um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dennoch steht der Bereich nur für etwa 7 Prozent der gesamten Konzernumsätze in dem Quartal. Detaillierte Zahlen für die Profitabilität der einzelnen Geschäftsfelder weist Apple nicht aus. Das Unternehmen hat aber in der Vergangenheit mehrfach erklärt, dass iTunes und der App Store nahe an der Gewinnschwelle liegen. Die Inhalte seien dafür gedacht, die Attraktivität – und damit den Preis – der Apple-Hardware zu steigern.

Mit diesem Ansatz unterscheidet sich Apple fundamental von anderen, Plattform-orientierten Unternehmen. Amazon etwa hat viel Geld in seine Lesegeräte und Tablets der Kindle-Reihe investiert. Das Unternehmen verkauft diese nur knapp über der Gewinnschwelle – in der Hoffnung, so mehr Kunden für seine Inhalte und die Handelsplattform zu gewinnen. Das Gleiche gilt für Google, das mit dem Verkauf seiner Nexus-Tablets aus ähnlichen Gründen nur wenig Geld verdient – in der Hoffnung, so seine führende Position im Geschäft mit mobilen Suchanzeigen auszubauen.

Die Anleger von Amazon und Google sind an diese Margen bereits gewöhnt. Apple-Aktionäre dagegen leben in ständiger Angst, die Gesamt-Bruttomarge könnte für immer unter 40 Prozent fallen. Apple hat bereits eingestanden, dass die Margen des iPad Mini, das sich gegen eine Reihe billiger Konkurrenten behaupten muss, „erheblich unter" dem Unternehmensdurchschnitt liegen. Und ein Großteil der viel gepriesenen Gewinnspannen des iPhone (die die meisten Analysten über 50 Prozent sehen) beruht auf den großzügigen Zuzahlungen von Mobilfunkbetreibern. Diese lassen zurzeit aber kaum eine Gelegenheit aus, lautstark ihren Wunsch nach geringeren Zuzahlungen zu äußern.

Apples Ergebnisse der nächsten vier Quartale werden Hinweise darauf geben, ob es dem Unternehmen gelingt, sein hoch-margiges Modell aufrechtzuhalten. Die Anleger scheinen – zumindest im Moment – skeptisch zu sein.

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