• The Wall Street Journal

Bei J.P. Morgan geht das Stühlerücken weiter

Die größte US-Bank J.P. Morgan Chase wechselt weiter seine Chefs aus: Zwei Manager haben sich neue Jobs gesucht. So verkündete James „Jes" Staley, Chef der Investmentbank-Sparte des New Yorker Finanzunternehmens, dass er zm Hedgefonds Blue Mountain wechsle. Besonders pikant: Das ist der Fonds, der von einem Handel profitierte, der J.P. Morgan wiederum Verluste von sechs Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro) bescherte.

Todd Maclin, der Co-Chef im Privatkundengeschäft war, gab zum 1. Januar seinen Posten auf und trat auch von seinen Pflichten in der obersten Managementriege zurück. Von nun an wird er als Aufsichtsrat eher in den Hintergrund treten.

Der Wechsel von Maclin und der Aufbruch von Staley – der einst als perfekter Nachfolger für Vorstandschef James Dimon galt – sind die neuesten Schritte in einer grundlegenden Neuausrichtung der Chefetage des Hauses.

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Viele der neu eingesetzten Top-Manager sind in ihren 40ern, wie etwa Mike Cavanagh und Daniel Pinto, Co-Chefs der Geschäfts- und Investmentsparte. Auch die Finanzchefin Marianne Lake ist vergleichsweise jung. Cavanagh gilt als einer der Top-Kandidaten für den Chefposten bei der Bank, sagen Eingeweihte.

In weniger als drei Jahren haben zehn Top-Manager die Führungsspitze der Bank unter Chef James Dimon verlassen. Das Komitee hat zwölf Mitglieder, es sind die wichtigsten Entscheider der Firma. In dieser Zeit sind nur sechs neue Köpfe nachgerückt. Acht der zehn Mitglieder wechselten zu anderen Unternehmen oder auf weniger prominente Stellen – wie auch Staley.

James Dimon ist seit Ende 2005 der Chef von J.P. Morgan. Bei keiner der anderen sechs großen US-Banken blieb ein Vorstandschef so lange in dieser Position. Und man erwartet, dass er noch einige weitere Jahre im Amt bleibt. „Wir haben ein tolles Team, und unsere außerordentliche Leistung spricht für sich", sagte ein Sprecher. In der kommenden Woche legt die Bank ihre Zahlen für das vergangene Jahr vor – Beobachter erwarten Rekordgewinne.

Der 56 Jahre alte Staley arbeitete mehr als 34 Jahre lang für J.P. Morgan. Im Jahr 2009 wurde er zum Chef der Investmentbank, nachdem Dimon überraschend die bisherigen Obersten des Steve Black und Bill Winters von ihren Posten verdrängt hatte. Staley rang der Sparte über Jahre hinweg solide Profite ab – von 2009 bis 2011 waren es immer mehr als 6,6 Milliarden US-Dollar.

Allerdings stellten Staleys Mitarbeiter seinen Führungsstil in Frage – sie argumentierten, der Chef verbringe zu wenig Zeit bei der eigenen Abteilung. Staley hatte auf die Kritik hin, sein Büro von der Zentrale zum separaten Gebäude der Investmentbank verlegt.

reuters

Wechselt die Seiten: James "Jes" Staley, Chef der JP Morgan Chase Investmentbank von J.P. Morgan.

Im Juli 2012 trat er dann in den Hintergrund, vom Chef wurde er zum Aufsichtsrat der neuen Sparte, die Geschäftskunden und Investmentbank vereinigt. Zum Wall Street Journal sagte er, dass er und Dimon schon im Sommer begriffen hätten, dass es Zeit ist, für die „nächste Generation" an Führungskräften Platz zu machen.

Eigentlich wollte er zur britischen Großbank Barclays . Die hatte nach einem neuen Chef gesucht, um ihren angeschlagenen Ruf zu retten. Staley aber verlor das Rennen gegen den Barclays-Mann Antony Jenkins. „Die Gespräche mit Barclays halfen mir, zu verstehen, was ich wirklich wollte", sagt Staley rückblickend.

Ihm sei angeboten worden, bei J.P. Morgan zu bleiben, so Staley. Aber die Gelegenheit, etwas „völlig Neues auszuprobieren", reizte ihn, als er mit dem Hedgefonds Blue Mountain Capital Management im Herbst die Gespräche aufnahm. Am Dienstag erklärte der Fonds, dass Staley im Februar als Partner einsteige. Blue Mountain wird von ehemaligen Bankern von J.P. Morgan geführt – darunter auch Vorstandschef Andrew Feldstein. „Ich will nicht, dass meine ganze Karriere über nur ein Unternehmen definiert wird", sagte Staley. „Ich will ein zweites Kapitel."

Blue Mountain hat Anfang 2012 in einem Derivatehandel gegen J.P. Morgan gewettet und damit zwischenzeitlich rund 30 Millionen Dollar verdient, wie Eingeweihte sagen. Später half der Fonds der Bank dabei, manche seiner besonders verlustreichen Positionen loszuwerden.

Von Maclins Rollenwechsel hatte Dimon seinen Angestellten gegenüber bereits im Dezember enthüllt. Maclin sollte eigentlich erst Ende des Jahres in den Aufsichtsrat wechseln. Jetzt sei es wegen „Fortschritten bei der Integration" schneller gegangen, so Dimon vage.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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