• The Wall Street Journal

Währungskriege treiben den Euro an

Was treibt den Euro im neuen Jahr? Analysten bei CitiFX glauben zu wissen, was es nicht ist – und das ist nicht weniger spannend. Sie glauben, dass zwei starke Einflüsse auf die Einheitswährung an Schwung verloren haben.

dapd

Währungshändler in Tokio. Die Währungskriege gehen in eine neue Runde - und der Euro muss als Ventil herhalten.

Sowohl die Bankaktien der Eurozone als auch die Entwicklung der Spreads zwischen zweijährigen deutschen und US-Anleihen ließen sich 2012 klar mit den Währungsschwankungen zwischen Euro und Dollar in Zusammenhang bringen. Erst im Dezember war das vorbei – bis heute.

Eine mögliche Erklärung ist die unter Investoren so beliebten Praxis, zum Jahresende das eigene Portfolio kräftig umzuräumen. Auch die verbesserten Marktbedingungen, seit die US-Politiker in Washington die Fiskalklippe in letzter Minute umschifft haben, sind eine mögliche Erklärung.

Profitiert der Euro also nur von dem bereits bekannten Trend, der ihn steigen lässt, sobald sich die globalen Investoren angesichts einer erfreulichen Entwicklung im Gesamtmarkt gut fühlen? Möglicherweise. Sollte das der Hauptgrund sein, müssten aber auch die Bankaktien stärker steigen.

Welche Rolle spielt Japan?

Es erscheint daher zumindest plausibel, dass der Euro von der großen Aufmerksamkeit profitiert, die Investoren neuerdings auf Japan richten. Die neue Regierung in Tokio versucht mit aller Macht die eigene Währung Yen zu schwächen, um dem schwachen Export auf die Beine zu helfen. Es erscheint derzeit sehr wahrscheinlich, dass das die Notenbanker in Japan dem Wunsch entsprechen werden. Das würde ein weiteres Gefecht im bisher nicht erklärten Währungskrieg der Nachkrisenzeit auslösen – ein Krieg, in dem der Eurozone ein General fehlt.

Japan hat dagegen mit Premierminister Shinzo Abe gerade einen neuen besonders entschlossenen Oberbefehlshaber im Währungskrieg bekommen. Aber auch in den USA hat US-Notenbankchef Ben Bernanke sich dazu verpflichtet, die den Dollar schwächenden geldpolitischen Maßnahmen fortzusetzen, bis der Arbeitsmarkt sich erholt hat. Und die Bank of England steht Gewehr bei Fuß, die Notenpresse erneut anzuwerfen.

Damit wird der Euro zum „Sicherheitsventil für das globale Finanzsystem", wie es die Bank of New York Mellon nennt. Diese Funktion ist nach Ansicht der Bank hauptverantwortlich für jede Phase der Stärke des Euros seit 2002.

Die Eurozone muss im Währungskrieg mitspielen

Gelegentlich stören sich die Politiker der Eurozone an dieser Ventil-Funktion, insbesondere die in Frankreich. Ex-Präsident Nicolas Sarkozy drängte seine Eurozonen-Partner häufig zu Maßnahmen, wenn der Rest der Welt damit beschäftigt war, die eigene Währung zu schwächen.

Allerdings hatte die Eurozone 2012 ganz andere Probleme. 2013 könnte das anders sein. Früher oder später wird die Eurozone in den Krieg mit einsteigen. Die aktuellen Daten zu Wachstum und Arbeitslosigkeit legen nahe, dass früher für die Eurozone besser wäre als später.

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