• The Wall Street Journal

Syrien lässt im Tausch tausende Gefangene frei

Syrien hat am Mittwoch mehr als 2000 Gefangene im Tausch gegen 48 Iraner, die von syrischen Rebellen festgehalten wurden, freigelassen. Katar und die Türkei hatten den größten Deal seit Beginn des Konflikts vor zwei Jahren ausgehandelt.

Reuters

Von syrischen Rebellen freigelassene Iraner vor einem Hotel in Damaskus.

Einige der 2130 Gefangenen – fast alle Syrer - waren durch das Regime schon freigelassen worden, andere würden im Laufe des Tages folgen, hieß es am Mittwoch von Seiten der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur und der türkischen Hilfsorganisation IHH. Die hatte den Austausch in verschiedenen syrischen Städten begleitet.

Das türkische Außenministerium sagte, dass keine offiziellen Regierungsvertreter auf syrischem Boden gewesen seien, betonte jedoch, dass man den Austausch von Ankara aus sehr genau beobachte. „Es scheint so, als habe man mit diesem Prozess begonnen", sagte ein Sprecher, der nicht namentlich genannt werden möchte.

Laut der iranischen Nachrichtenagentur Fars hat die iranische Botschaft in Damaskus bestätigt, dass die 48 von Rebellen festgehaltenen iranischen Geiseln am Mittwochmorgen freigelassen worden waren und auf dem Weg zurück in den Iran sind.

Die syrische Rebellenbrigade al-Baraa hatte die Iraner im vergangenen August gefangen genommen und behauptet, es seien Mitglieder der iranischen Revolutionsarmee gewesen. Die seien geschickt worden, um die Revolte der Opposition niederzuschlagen und hätten ihnen sogar mit dem Tod gedroht. Teheran bestritt, dass Iraner dem Regime helfen würden und sagte, es habe sich um Pilger gehandelt, die die heiligen Stätten der Schiiten in Syrien hätten besuchen wollen.

Gefangene tanzten vor Freude

Die Gefangenen seien nach einer intensiven 24-Stunden-Befragung und mit Hilfe der syrischen Regierung freigelassen worden, zitierte die Nachrichtenagentur Fars - ein halbamtlicher Nachrichtenkanal, der sich der Revolutionsarmee angeschlossen hat - einen langjährigen iranischen Diplomaten aus Damaskus.

Bulent Yildrim, der Vorsitzende der Hilfsorganisation IHH, sagte in einem Telefoninterview aus Damaskus, dass die Iraner in einen Bus verfrachtet und nach Damaskus gebracht worden seien, nachdem sie in Douma freigelassen worden waren. „Sie freuten sich wahnsinnig und haben gesungen, nachdem der Papierkram erledigt war", sagte Yildrim, der die Freilassung beobachtet hatte.

Yildrim sagte, dass die überwältigten syrischen Gefangenen in verschiedenen Teilen des Landes, darunter Damaskus, Aleppo, Hama, Homs und Idlib freigelassen werden würden. IHH, die als regierungsnahe Organisation gesehen wird, fügte hinzu, dass alle bis auf vier der Gefangenen Syrer waren, darunter 73 Frauen.

Falls bestätigt, dann wäre es der größte Gefangenenaustausch seit Beginn von Syriens blutiger Revolte im Februar 2011. Präsident Bashar al-Assad hat laut Human Rights Watch mindestens sechs Begnadigungserlasse ausgesprochen. Sicherheitsmächte halten die friedlichen Aktivisten jedoch in Gewahrsam, während „tausende" in Gefangenenlagern festsitzen, so Yildrim.

Die Menschenrechtsorganisation hat das Regime um die Erlaubnis gebeten, unabhängige Beobachter in die Gefängnisse schicken zu dürfen, um zu sehen, wer warum inhaftiert wurde und sich dann um die Begnadigungen zu kümmern.

Syrische Oppositionsführer sagten, die Verhandlungen liefen bereits seit Monaten und beschuldigte Damaskus, die Freiheit einiger Dutzend Gefangener des alliierten Iran über die Freilassung tausender loyaler syrischer Soldaten, die als Rebellen in Haft sind, zu stellen.

„Soweit ich informiert bin, gab es bis Dienstag etwa zwei Monate lang Verhandlungen. Ich bin sehr traurig, dass Syrer mit dem Regime in Damaskus für die Freilassung von syrischen Bürgern im Tausch gegen Iraner verhandeln mussten", sagte Walid al-Bunni, der Sprecher der syrischen Koalition. Die staatliche türkische Anatolische Nachrichtenagentur sagte, dass der Deal durch die Türkei und Katar verhandelt worden sei.

Die Hilfsorganisation IHH, die den Austausch vor Ort begleiteten, wurde im Mai 2010 bekannt. Damals stürmten israelische Marinesoldaten das Mavi Marmara Schiff der IHH, um eine Seeblockade des palästinensisch geführten Gaza-Streifens durchzusetzen. Dabei töteten sie neun Türken in Kämpfen mit Aktivisten an Bord.

Während der letzten Monate half die IHH bei Freilassungsverhandlungen vieler Gefangener, beispielsweise der beiden türkischen Journalisten Adem Ozkose und Hamit Coskun, die in Syrien bis zu ihrer Freilassung im vergangenen Mai festgehalten wurden.

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