• The Wall Street Journal

China will verstärkt in Sonnenstrom investieren

dapd

China will die installierte Solarkapazität in diesem Jahr verdoppeln.

China setzt auf Sonnenenergie: In diesem Jahr soll die installierte Kapazität von Solaranlagen um mehr als die Hälfte steigen. Das Programm könnte den chinesischen Herstellern von Solaranlagen, die tief in der Krise stecken, neues Leben einhauchen.

Die chinesische Regierung plant, die installierte Solarkapazität in diesem Jahr um zehn Gigawatt zu erhöhen. Das kündigte Liu Tienan von der staatlichen Planungs- und Entwicklungskommission in dieser Woche an. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, ließ er allerdings offen. Im Jahr 2012 lag die installierte Leistung von Solaranlagen nach Regierungsangaben bei sieben Gigawatt, 2011 waren es drei Gigawatt.

Wenn China das ehrgeizige Ziel erfüllt, rückt auch die mittelfristige Zielmarke in greifbare Nähe. Bis 2015 soll die installierte Solarkapazität bei 21 Gigawatt liegen. Die angepeilte Leistung könnte sogar noch nach oben korrigiert werden. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete im Dezember, dass hochrangige Regierungsvertreter überlegten, die angestrebten Solarstromkapazitäten bis 2015 auf 40 Gigawatt zu verdoppeln, um heimische Hersteller von Solarzellen und –anlagen zu unterstützen.

Solarbranche leidet unter weltweiten Überkapazitäten

Auch die chinesische Solarbranche leidet unter den weltweiten Überkapazitäten und angesichts des Preiskampfes auch unter entsprechend schrumpfenden Gewinnmargen. Als zusätzliches Problem benannte es der chinesische Staatsrat, dass die Branche „sehr stark auf ausländische Märkte angewiesen ist und operative Schwierigkeiten" habe. Die Bruttomarge für Solarmodule ist nach Angaben der Investmentbank Maxim Group im weltweiten Durchschnitt seit 2010 von 30 Prozent auf weniger als zehn Prozent gefallen.

China hat weitere Gründe, mehr in Sonnenstrom zu investieren. Das Land hat sich konkrete Ziele gesetzt, den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids zu senken. Zwischen 2011 und 2015 soll er um 17 Prozent je BIP-Einheit zurückgeführt werden.

Es sei nicht klar gewesen, wie die Regierung diesen Plan finanzieren will, sagte Aaron Chew, Analyst für erneuerbare Energien bei der Maxim Group. Die chinesischen Solarunternehmen haben zwischen 2009 und 2011 erhebliche Schulden gemacht, um mehr Anlagen produzieren zu können. Doch als auf dem Markt der Abschwung einsetzte, hatten sie Probleme, ihre Zinsen zu bezahlen. Banken und lokale Regierungen halfen, die aufgehäufte Schuldenlast zu tragen.

Dass das Land seinen Solarunternehmen so stark unter die Arme greift, ist auch Ursache für den wohl größten Handelsstreit, den es zwischen China, den USA und Europa bisher gegeben hat. Die EU wirft China vor, Solarmodule im Volumen von knapp 21,5 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr zu Dumpingpreisen in EU-Ländern verkauft zu haben.

Chinas Staatsrat hat eine Reform für die Branche angekündigt, zum Beispiel will die Regierung in Peking Fusionen und Übernahmen vorantreiben. Es sollen weniger staatliche Gelder an die Unternehmen fließen, und lokale Regierungen sollen notleidenden Solarformen nicht mehr zur Seite springen dürfen. Außerdem will der Staatsrat die Expansion von Modulherstellern genau überwachen, eine Strompreisreform vorantreiben, und die Einspeisung von Solarstrom ins heimische Stromnetz vereinfachen.

„Es ist kein Zufall, dass China seine Ausbauziele für Solarenergie genau zu dem Zeitpunkt aggressiv vorantreibt, wenn die Hersteller ums Überleben kämpfen", schrieb Shyam Mehta, Analyst beim Marktforschungsunternehmen GTM Research, in einer Mitteilung aus dem vergangenen Jahr. „Derzeit gehen wir von einer installierten Kapazität von 22 Gigawatt bis 2014 aus. Es könnte aber sein, dass die Nachfrage in China 2013 und 2014 sogar noch schneller steigt, weil die angeschlagenen Unternehmen weiter unterstützt werden."

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