• The Wall Street Journal

Londons neue Dörfer

Grosvenor

Zwischen beschaulich und mondän: Die noble Mount Street in Mayfair.

Georgianische Laternen beleuchten eine Reihe von historischen Wohnhäusern am Bedford Place in der Londoner Innenstadt. Wie auch an vielen anderen Stellen wurden hier Straßenlampen aus den 1970er Jahren mit historischen Nachbildungen ersetzt, um die Stadt im Stil des 18. und 19. Jahrhunderts zu erneuern.

Viele Londoner Grundbesitzer – oft adlige Familien oder Stiftungen – wollen der Metropole an einigen Stellen wieder eine dörfliche Atmosphäre verleihen. Dafür ist es wichtig, dass Geschäftsimmobilien in Wohnhäuser verwandelt werden. Und da der Markt für Wohnimmobilien entgegen dem Wirtschaftsabschwung weiter steigt, steigen auch einige große Londoner Bauträger ein.

London bekommt einen neuen Look

Land Securities

Bedford Estates ist der größte private Grundbesitzer im Londoner Stadtteil Bloomsbury, wo auch das British Museum zu finden ist. „Heute haben wir deutlich mehr Wohnimmobilien", sagt Mark de Rivaz, Verwalter von Bedford Estates. „Ende des Jahres werden wir etwa 165 Wohneinheiten haben, verglichen mit 100 vor fünf Jahren."

Um Mieter und Besucher in die geplanten Läden und Büros zu locken, ist es wichtig, das Straßenbild zu erneuern. Neben den historischen Straßenlaternen, die jetzt Bedford Place zieren, will das Unternehmen außerdem die Store Street verschönern, wo individualistische Mieter einziehen und „der Straße wieder das Gefühl einer traditionellen Hauptstraße in Bloomsbury verleihen sollen", sagt de Rivaz. Bei dem sieben Millionen Pfund teuren Erneuerungsprogramm soll auch eine der ältesten Tankstellen von London aus dem Jahr 1926 wieder aufgebaut werden.

Aufwärtsdynamik schaffen

Auch Grosvenor, die Immobiliengruppe des Herzogs von Westminster, will die öffentliche Erscheinung ihrer Immobilien in Mayfair und Belgravia aufpolieren. Dort sind unter anderem die amerikanische Botschaft und Grosvenor Square zu finden.

„Wir schauen weniger darauf, mit welcher Verwendung eine Immobilie am meisten Geld einnehmen kann, und mehr darauf, was die Gegend langfristig lebhafter und erfolgreicher macht", sagt Will Bax, Mayfair-Portfolio-Chef bei Grosvenor

Das schafft eine Aufwärtsdynamik. Sieht das Viertel attraktiv aus, kommen mehr Bewohner, die wiederum mehr Ladenmieter und Bürokunden anziehen. „Wenn Menschen dort wohnen, einkaufen und ein Geschäft eröffnen wollen, steigert das langfristig den Wert", sagt Bax.

Grosvenor hat bereits die Mount Street erneuert, das Straßenbild verschönert und so viele Vertreter der Modebranche angezogen, darunter Marc Jacobs, Balenciaga und Christian Louboutin. An der Duke Street verwandelt die Gruppe Geschäftsimmobilien in 16 neue Apartments und baut in den Brown Hart Gardens ein Café und eine Veranstaltungsfläche.

Fragmentierter Grundbesitz ist großes Hindernis

Zumindest ein Teil der Büroflächen wurden aus purer Notwendigkeit in Wohnungen umgebaut. „Firmen verlangen heutzutage bestimmte Technologien und Klimaanlagen", sagt Brian Bickell, Geschäftsführer des Londoner Immobilienunternehmens Shaftesbury. Es sei schwer, die traditionellen Büroflächen in diesen Immobilien in moderne Arbeitsplätze zu verwandeln.

Bickell ist stolz auf den Spitznamen seiner Firma: „die Dorfleute". „Wir investieren sehr viel in das öffentliche Erscheinungsbild und denken lange über die richtige Mischung von Läden und Restaurants nach", sagt er.

Getty Images

Georgianischer Schick in Bloomsbury.

Oft sind die Londoner Immobilienunternehmer durch die historischen Strukturen der Straßen und Gebäude eingeschränkt. Im Victoria-Viertel kreuzen sich heute U-Bahn-, Zug- und Busstrecken zwischen Büroblöcken aus den Sechzigern. Die Firma Land Securities will eine 204.387 Quadratmeter große Fläche in Victoria erneuern, neue Büros, Wohnungen und Ladenflächen bauen und einige Büros auch in Wohnungen umwandeln. Das Projekt ist nur möglich, weil das Unternehmen dort so viele zusammenhängende Grundstücke besitzt. Ein fragmentierter Grundbesitz ist andernorts eines der größten Hindernisse für die Stadterneuerung.

„Land Securities hatte vor allem Büros im Portfolio, doch als sich der Wert von Wohnimmobilien veränderte, war auch die Rechnung hinter gemischten Immobilien eine andere", sagt Entwicklungsdirektorin Vicky Fairhall.

Der Bauträger will die Gegend wieder lebhafter gestalten, die Fußgängerzonen aufräumen und einen Zugang zum St. James's Park schaffen, der ganz in der Nähe ist.

Weiter westlich planen Bauunternehmer ähnliche Projekte. Capital & Counties hat die Erlaubnis bekommen, vier „urbane Dörfer" und eine Einkaufsstraße auf 31 Hektar zu entwickeln. Bei dem 20 Jahre umfassenden Projekt sollen ein Park, 15 Hektar offene Flächen, öffentliche Kunstwerke und ein Kulturzentrum entstehen, speziell für Besucher und Bewohner der 7.500 Wohneinheiten großen Gegend.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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