Von KATY BURNE, MATT DAY und TATYANA SHUMSKY
US-Regulierungsbehörden untersuchen, ob die Preise am weltgrößten Goldmarkt manipuliert wurden. Das berichten Personen, die mit der Situation vertraut sind. Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) überprüfe die Preissetzung in London, wo sich eine Hand voll Banken zweimal täglich trifft und den Spot-Preis für eine Unze physischen Goldes festlegt.
Die CFTC schaue sich genau an, ob die Preisfindung am Goldmarkt – und am kleineren Silbermarkt – transparent sei. Eine formale Untersuchung sei aber noch nicht eingeleitet worden, berichten die Insider.
Die Untersuchung ist eine Folge des Zinsmanipulationsskandals, in den zahlreiche Banken verwickelt sind. Nachdem dieser entdeckt wurde, haben die Regulierer auch die Prüfung anderer globaler Finanzmarkt-Richtgrößen ausgeweitet. In der Affäre um mögliche Manipulationen von richtungsweisenden Zinssätzen wie Libor und Euribor haben sich bisher drei Großbanken zu Strafzahlungen in Höhe von insgesamt 2,5 Milliarden Dollar bereit erklärt. Das Verhalten von mehr als ein Dutzend weiterer Finanzhäuser wird noch untersucht.
Der tägliche Goldpreis wird von einer Gruppe von Banken festgelegt. Er beeinflusst weltweit die Schmuckpreise und bestimmt darüber, wie viel Bergbauunternehmen mit dem Verkauf des Rohstoffs an weiter verarbeitende Fabriken verdienen.
Deutsche Bank spielt eine wichtige Rolle
Er bestimmt außerdem über den Wert von Derivaten, deren Kurse an die Metallpreise gebunden sind. Allein amerikanische Geschäftsbanken hatten Ende September 2012 Edelmetallkontrakte im Wert von 198 Milliarden Dollar ausstehen, wie Daten des Office of the Comptroller of the Currency, einer unabhängige Aufsichtsbehörde innerhalb des US-Finanzministeriums, zeigen.
Am Fixing des Goldpreises in London sind fünf Banken beteiligt: Barclays, Deutsche Bank, HSBC, Bank of Nova Scotia und Société Générale . Die Silberpreise legen Bank of Nova Scotia, Deutsche Bank und HSBC fest.
Sprecher von Barclays, HSBC und Deutscher Bank wollten sich auf Anfrage nicht äußern. Bei den anderen beiden Banken war zunächst niemand für einen Kommentar zu erreichen. Ein Sprecher der CFTC beantwortete eine Anfrage nicht.
Das Vorgehen der CFTC ist das jüngste Anzeichen dafür, wie der einst eher unbedeutende Regulierungsapparat im Nachgang der Finanzkrise die Muskeln spielen lässt. Die Behörde, die seit 2009 von dem Ex-Goldman-Banker Gary Gensler geleitet wird, hat in den weltweiten Ermittlungen im Zinsskandal eine bedeutende Rolle gespielt.
CFTC: "Man muss an anderen Größen zweifeln"
Gensler hat gefordert, den Libor und andere zentrale Richtgrößen des Finanzmarktes so zu reformieren, dass sie auf realen Handelsgeschäften und nicht auf Schätzungen beruhen, die von Finanzfirmen abgegeben werden. Er ist Co-Leiter einer Task Force internationaler Regulierer, die diese Richtwerte prüfen. Die Gruppe will in diesem Frühjahr neue Richtlinien vorlegen.
„Die Vorstellung, dass die Manipulation oder die versuchte Manipulation [von Zinssätzen] so verbreitet ist, sollte uns alle an der Richtigkeit anderer Schlüsselgrößen zweifeln lassen", sagte der CFTC-Bevollmächtigte Bart Chilton am 26. Februar bei einer Diskussionsrunde über Finanz-Benchmarks in Washington. „Was ist mit Energie, Swaps, dem Gold- und Silberfixing in London und was mit der ganzen Litanei an 'bors'", fragte er mit Blick auf Libor, Euribor und andere Schlüsselgrößen.
Beim Libor sollen Händler Daten manipuliert haben, die sie regelmäßig an die British Bankers Association übermittelt haben, um so profitable Handelsgeschäfte zu machen. Barclays, die Royal Bank of Scotland und die UBS haben sich mit den Behörden bereits geeinigt. Mehr als 1,2 Milliarden Dollar ihrer Strafen gehen an die CFTC.
Der CFTC-Vertreter hatte erklärt, dass seine Organisation durch eine Reihe von Fällen aus den Jahren 2003 bis 2005 auf den Libor aufmerksam geworden sei, in denen sie Banken und Händler wegen versuchter Manipulationen der Erdgaspreise bestraft hatten. In diesen Fällen wurden gefälschte Informationen an die Anbieter von Energieindizes übermittelt.
Im Jahr 2008 ging die CFTC erstmals Beschwerden über Fehlverhalten auf dem Silbermarkt nach. Einige Investoren hatten zuvor behauptet, dass ein rasanter Kursverfall im Sommer des Jahres auf Marktmanipulationen zurückzuführen gewesen sei. Die CFTC hat bis heute keine Ergebnisse dieser Untersuchung veröffentlicht, aber auch nicht bestätigt, dass das Verfahren beendet worden ist.
Spekulationen über Manipulationen sind nicht neu
Über die Anfälligkeit des Londoner Preisfixings für mögliche Manipulationen wird am Gold- und Silbermarkt schon lange spekuliert. „Diejenigen, die sich mit Verschwörungstheorien beschäftigen, hatten das immer im Kopf", sagte Kurt Pfafflin, ein leitender Metallhändler bei Daniels Trading in Chicago. Er glaubt nicht, dass die Spot-Preise manipuliert wurden.
Das Londoner Fixing gibt es für Silber seit 1897 und für Gold seit 1919. Es läuft heutzutage über Videokonferenzen. Um 10.30 und 15 Uhr telefonieren sich die Banken zusammen, um den Goldpreis festzulegen. Der Silberpreis wird einmal täglich am Mittag festgesetzt.
Während die fünf Banken das Fixing bei einer Telefonkonferenz erledigen, werden die Gold-Futures an den entsprechenden Märkten in London und New York weitergehandelt. Auch in dem Augenblick, in dem der Preis festgesetzt wird, gibt es keine Handelsaussetzung.
Das Fixing erfolge „sehr stark auf Basis von Angebot und Nachfrage, bis man auf einen Preis kommt. Es ist komplett transparent. Es ist nicht annähernd wie der Libor", sagte ein Sprecher der London Bullion Market Association, die die Standards für den Gold- und denSilberhandel in London festlegt. An der Preissetzung ist sie nicht beteiligt.
Mitarbeit: Jean Eaglesham
Berichtigung
In einer früheren Fassung dieses Artikels wurde der CFTC-Bevollmächtigte versehentlich Bart Clinton genannt. Der richtige Name ist Bart Chilton.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de









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