Von PETER WONACOTT
JOHANNESBURG—Der ehemalige südafrikanische Präsident und Friedenskämpfer Nelson Mandela liegt nach Regierungsangaben mit einer Lungeninfektion im Krankenhaus. Der 94-Jährige sei am Wochenende aus seinem Heimatdorf Qunu in ärztliche Obhut in der Hauptstadt Pretoria gebracht worden, hieß es in einer kurzen Erklärung aus dem Büro von Südafrikas Präsident Jacob Zuma ohne genauere Angaben zu Mandelas Gesundheitszustand. Die Erkrankung sei bei ärztlichen Tests bestätigt werden und die Behandlung schlage an.
Spekulationen um Gesundheit wachsen
Am Samstag hatte Zuma bereits mitteilen lassen, dass es Mandela gut gehe und es keinen Grund für Alarm gebe. Die Spekulationen über die Gesundheit des ehemaligen politischen Gefangenen, der als einer der wichtigsten Kämpfer gegen die Unterdrückung der Schwarzen gilt, haben aber zuletzt deutlich zugenommen. Mandela steht unter regelmäßiger ärztlicher Beobachtung. Im Februar war er schon einmal wegen Magenproblemen ins Krankenhaus gekommen.
Vor 18 Jahren war er zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt worden, was das lange Regime der Rassentrennung – die sogenannte Apartheid – beendete. Zuvor saß Mandela 27 Jahre im Gefängnis, weil er sich gegen die weiße Minderheitsregierung aufgelehnt hatte. Als Präsident arbeitete Mandela maßgeblich an der Aussöhnung zwischen Schwarzen und Weißen in dem Land. 1993 erhielt er den Friedensnobelpreis.
Seinen Nachfolgern aber gelang es weniger, das von ihm geprägte Bild Südafrikas als „Regenbogennation" aufrecht zu erhalten. Spannungen entluden sich über der hohen Arbeitslosigkeit, weitverbreiteter Korruption und lahmem Wirtschaftswachstum. Seine Partei, der regierende African National Congress (ANC) leidet zudem unter internen Querelen. Es mangelt an einer charismatischen Führungsfigur vom Format Mandelas.
Am Sonntag will die ANC über die Zukunft ihrer Parteispitze sprechen. Zuma will eine weitere Amtszeit als Parteichef übernehmen, was ihm im Falle eines Wahlsiegs automatisch das Amt des Präsidenten Südafrikas sichern würde – die ANC hält im Parlament die Mehrheit. Aber viele ANC-Mitglieder wollen lieber den Vizepräsidenten Kgalema Motlanthe unterstützen.
Obwohl Zuma an der Spitze der Partei bleiben dürfte, fürchten einige Parteimitglieder, dass ein heftiger politischer Kampf die ANC schwächen wird.
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