• The Wall Street Journal

Anleger bleiben HSBC vorerst treu

Wie gewonnen, so zerronnen: Gerade erst hat die Londoner Großbank HSBC verkündet, dass sie durch den Verkauf eines Anteils am Versicherungsunternehmen Ping An einen Gewinn von 2,6 Milliarden Dollar verbuchen werde. Doch weniger als eine Woche später musste die Bank bestätigen, dass sie in Verbindung mit Geldwäschevergehen ein Bußgeld von 1,9 Milliarden Dollar an US-Aufseher zahlen muss.

Die Strafzahlung könnte die HSBC etwa elf Prozent ihres Bilanzgewinns im Jahr 2012 kosten. Trotzdem bewegten sich die Aktien des Unternehmens an der Börse in Hongkong am Dienstag kaum.

Die Hiobsbotschaft war keine große Überraschung. Anfang November hatte die Bank ihre Anleger gewarnt, dass die Strafe wegen Geldwäsche 1,5 Milliarden Dollar oder mehr betragen könnte. Zumindest kann die HSBC das Thema damit abhaken, während die Anleger sich sicher sein können, dass nicht noch Schlimmeres kommt.

Die Bank hat erklärt, dass sie ihre Compliance-Regeln verschärft habe. Zudem seien zusätzliche Rechtsexperten eingestellt und die Anti-Geldwäscheabteilung ausgebaut worden. Doch ein solcher Schritt ist teuer. Laut Vertretern von HSBC werde man mindestens 990 Millionen Dollar ausgeben, um die Probleme zu beheben.

Die Frage ist jetzt, wie sich das alles auf die Reputation der Bank auswirken wird. CEO Stuart Gulliver muss beweisen, dass er die Kapitalrendite auf zwölf Prozent anheben und das Verhältnis zwischen Verwaltungsaufwand und Erträgen von 57,5 auf 52 Prozent senken kann – beides bis Ende nächsten Jahres.

Laut Nomura seien die Ziele der Bank nur schwer zu erreichen. In den Schwellenmärkten muss die Bank mit steigenden Löhnen fertig werden, die Kosten für Restrukturierung und Compliance sind hoch, und es gibt nur wenige Möglichkeiten, im aktuell schwachen Konjunkturumfeld die Einkünfte zu erhöhen.

Der Aktienkurs von HSBC steht derzeit trotz alledem nahe seinem Jahreshoch. Das Unternehmen wird zu etwa 1,3 Mal seinem materiellen Buchwert gehandelt, berichtet Factset, was mit dem Niveau seiner direkten Wettbewerber vergleichbar sei. Anleger hoffen womöglich auf erfreuliche Nachrichten über die anstehende Dividende. Doch bei einer so hohen Bewertung kann sich HSBC keine Fehltritte mehr leisten.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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