• The Wall Street Journal

Pro Sieben dürfte Skandinavien-Sparte loswerden

FRANKFURT - Der Medienkonzern Pro Sieben Sat.1 steht offenbar kurz vor dem Verkauf seiner skandinavischen Sendergruppe SBS an den US-Sender Discovery Communications für bis zu 1,2 Milliarden Euro.

Die Verhandlungen seien weit fortgeschritten, die Transaktion könnte daher noch vor dem Wochenende unterzeichnet werden, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen. Der andere verbliebene Bieter, der Finanzinvestor Providence Equity Partners, sei weiterhin interessiert. ProSiebenSat.1 verhandele aber exklusiv mit Discovery.

Mit dem bevorstehenden Verkauf wickeln die Münchener die Übernahme von SBS Broadcasting aus dem Jahr 2007 fast vollständig ab. Durch den seinerzeit 3,3 Milliarden Euro schweren Deal ist Pro Sieben Sat.1 zur zweitgrößten Senderkette Europas nach der von Bertelsmann kontrollierten RTL Group aufgestiegen. SBS Broadcasting brachte die Aktivitäten in Benelux und Skandinavien beim MDax-Konzern ein.

Nachdem die Benelux-Senderbeteiligungen bereits im vergangenen Jahr verkauft wurde, bleiben jetzt nur noch kleinere Geschäfte in Osteuropa. Diese gelten zurzeit wegen des unsicheren wirtschaftlichen Umfelds als schwer verkäuflich.

Pro Sieben hat das Skandinavien-Geschäft zum Verkauf gestellt, weil sich die erwarteten Synergien durch die Produktion von Sendungen für gleich mehrere Märkte nicht realisieren ließen. Zu unterschiedlich seien die Publikumsgeschmäcker, hieß es in München. Zudem sucht Pro Sieben sein Glück im stark wachsenden Markt für Internetdienste wie Online-Spiele und -Videos.

Die nordischen Sender hatten im dritten Quartal einmal mehr ordentliche Zahlen abgeliefert. Der Umsatz wuchs um 8,8 Prozent auf 134,1 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Insbesondere die Aktivitäten in Norwegen und Dänemark hätten die Werbeerlöse steigern können, hatte Pro Sieben mitgeteilt.

Der US-Sender Discovery will seine Präsenz in Europa ausbauen. Derzeit gebe es in Westeuropa Wachstum und sobald die Wirtschaft wieder anzieht, dürfte sich diese Entwicklung noch beschleunigen, hatte vergangene Woche Discovery-CEO David Zaslav gesagt.

Der US-Konzern befindet sich auch in Verhandlungen mit der französischen TF1 Group zum Kauf einer Minderheit an dem Sportsender Eurosport. Kreisen zufolge könnte ein Deal ein Volumen von mehreren hundert Millionen Dollar haben.

Kontakt zu den Autoren: eyk.henning@dowjones.com und archibald.preuschat@dowjones.com

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