• The Wall Street Journal

Britischer Notenbankchef warnt vor Währungskrise

Der scheidende britische Notenbankgchef Mervyn King hat vor einem Abwertungswettlauf im kommenden Jahr gewarnt. Die schwache Wirtschaftsentwicklung und fehlende Alternativen könnten einige Länder auf die Idee bringen, ihre Wirtschaft über einen niedrigen Wechselkurs anzukurbeln. Ein niedriger Außenwert der Währung verbilligt die Exporte eines Landes und kann damit die Konjunktur beflügeln.

"In dem Bemühen, Wirtschaftswachstum zu erzielen, könnte das in den kommenden Monaten das Mittel der ersten Wahl werden", sagte der Gouverneur der Bank of England (BoE) im Economic Club von New York. Im anschließenden Interview mit dem Wall Street Journal führte er weiter aus: "Ich fürchte, 2013 könnte ein schwieriges Jahr werden, in dem einige Länder versuchen dürften, den Kurs ihrer Landeswährung zu drücken." Dies sei besorgniserregend. Man müsse sich die Frage stellen, wie andere Länder darauf reagieren werden. "Die aus nationalem Interesse in einigen Ländern verfolgte Politik führt zu kollektiven Spannungen", warnte King, der im Juli 2013 nach zehn Jahren im Amt vom gegenwärtigen kanadischen Notenbankgouverneur Mark Carney abgelöst werden wird.

dapd

Mervyn King, Gouverneur der Bank of England, hält die Möglichkeiten der Zinspolitik für ausgereizt.

Besorgt äußerte sich der britische Notenbankchef auch über die weiteren Erfolgschancen der als quantitative Lockerung bekannten Politik der Notenbanken, über den Ankauf von Wertpapieren die Märkte überreichlich mit Liquidität zu versorgen. Insgesamt zeichnete der scheidende Notenbankgouverneur das düstere Bild einer Weltwirtschaft, die die Balance verloren habe.

Länder mit hohen Handesbilanzüberschüssen wie Deutschland, die Niederlande oder China müssten eigentlich die Inlandsnachfrage ankurbeln, hätten aber wenig Anreiz, dies rasch zu tun. Länder mit hohen Defiziten im Außenhandel wiederum müssten rasch handeln, um die Konjunktur zu fördern, hätten aber kaum Möglichkeiten dazu, sagte King. Das üblicherweise von Notenbanken zum Ankurbeln des Wirtschaftswachstums eingesetzte Mittel - niedrige Zinsen - sei ausgereizt. In den USA, in Großbritannien, Europa und Japan liegen die Zinssätze bereits nahe null.

Anleiheverkäufe könnten die Märkte aufwühlen

"Es ist nicht leicht, eine weitere deutliche Lockerung der Geldpolitik zu erreichen", führte King weiter aus. Der Gouverneur bezweifelt, dass eine weitere Ausdehnung des Stimulierungsprogramms der Bank of England von Nutzen sein würde. Er schloss zwar nicht aus, dass das Kaufprogramm für Anleihen erneut aufgestockt werden könnte, zeigte sich aber skeptisch, ob damit viel erreicht werden könne. Mit dem Kauf von Anleihen am Sekundärmarkt versuchen Notenbanken, die langfristigen Zinsen zu drücken und damit Ausgaben und Investitionen zu fördern.

King warnte zudem vor den Grenzen und möglichen Folgen der Niedrigzinspolitik. Die niedrigen Zinssätze führten zwar dazu, dass private Haushalte und Unternehmen geplante Anschaffungen vorzögen, doch könne dies nicht unbefristet oder unbegrenzt fortgeführt werden. "Es gibt Grenzen dafür, wieweit Geldpolitik auf sehr lange Sicht effektiv sein kann, indem sie Ausgaben aus der Zukunft in die Gegenwart holt", sagte King.

Langfristig sieht er die Notenbanken vor dem Problem, die über das Ankaufprogramm angehäuften Wertpapiere wieder loszuwerden. "Ein Abbau der Bestände könnte die Märkte durcheinanderwirbeln", warnte King.

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