• The Wall Street Journal

Ein Schreckgespenst namens Berlusconi

Die Märkte mögen die Vorstellung von noch mehr Berlusconi in Italien nicht, sie mögen sie überhaupt nicht.

Die Renditen italienischer Staatsanleihen sind zu Wochenbeginn nach oben geschossen, nachdem Italiens Ministerpräsident Mario Monti am Wochenende erklärt hatte, er werde früher als gedacht zurücktreten. Auslöser für seinen Rückzug ist die Partei von Silvio Berlusconi, die Monti die Unterstützung entzogen hat. Zugleich hat Berlusconi, das politische Enfant terrible Italiens seinen Hut nach 13 Monaten Monti wieder in den Ring geworfen.

Silvio Berlusconi und seine peinlichsten Patzer

Am Vormittag lag die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen in London bei 4,80 Prozent. Die Risikowahrnehmung ist damit deutlich gestiegen: 4,53 Prozent Rendite wurden zum Handelsschluss am Freitag verlangt. Die Renditen zweijähriger Staatspapiere schossen von 1,96 auf 2,28 Prozent nach oben, weil die Kurse entsprechend abgesackt waren. Ein weiteres Warnsignal kommt vom italienischen Aktienmarkt, wo der Leitindex, der FTSDE MIB-30, um 3,4 Prozent abrutscht.

Die Geschichte von Italien und den Märkten ist in weiten Teilen eine politische Geschichte. Das Land trägt zwar eine sehr hohe Schuldenlast, im Vergleich zu anderen Krisenstaaten in der Eurozone ist das Haushaltsdefizit aber relativ überschaubar. Der Schlüssel, um die Schulden unter Kontrolle zu halten, ist eine verlässliche Haushaltspolitik – und die Bereitschaft, Reformen anzugehen, die Italien die Chance eröffnet, langfristig wieder zu wachsen.

Mit dem Liquiditätsversprechen der EZB im Rücken waren die Märkte bereit, darauf zu wetten, dass Monti als Chef einer nicht von Parteien beherrschten Regierung derjenige ist, der dies erreichen könnte. Noch in der vergangenen Woche lagen die Renditen italienischer Staatsanleihen deswegen auf einem Niveau, das so niedrig war, wie im ganzen Jahr 2012 noch nicht. Das ist nach dem Querschuss von Berlusconi nun wieder Geschichte.

Das Risiko aus Sicht der Finanzmärkte besteht weniger darin, dass es dem schillernden Politiker Berlusconi gelingen könnte, an die Macht zurückzukehren: in Umfragen nämlich rangiert er deutlich hinter Pier Luigi Bersani vom sozialdemokratischen Partito Democratico. Die Anleger fürchten aber die Unsicherheit, die Berlusconis Kampfansage an Monti ausgelöst hat.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 19. Mai

    In Brasilien puderten sich Läufer mit Farbstaub ein, auf Sylt rangelten Reiter bei der Strandpolo-Weltmeisterschaft und beim Filmfestival in Cannes zupften Schauspieler ihre schwarzen Fliegen zurecht. Das und mehr waren die Foto-Highlights vom Wochenende - sehen Sie selbst!

  • [image]

    Otto – ein deutsches Einkaufsimperium

    Die Otto Gruppe besteht nicht nur aus dem gleichnamigen Versand. Gegründet 1946, ist Otto heute in mehr als 20 Ländern aktiv - mit 123 Konzerngesellschaften wie SportScheck, Manufactum, Mirapodo oder Hermes. Überrascht? Wir zeigen, was noch alles zum Imperium gehört.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 17. Mai

    Diesmal in den Bildern des Tages: Verhüllte Künstler in Hongkong, Vögel zählende Ranger in England, glückliche Studenten aus Maryland und mehr.

  • [image]

    Die neue S-Klasse

    Vor 62 Jahren fing alles mit dem Mercedes 220 an, dem Urahnen der heutigen S-Klasse. Daimler hat in Hamburg die zehnte Generation seiner Oberklasselimousine vorgestellt und sie soll Mercedes wieder auf den Thron der Luxusfahrzeuge bringen - unter anderem mit Parfum und Hot-Stone-Massageeffekt.

  • [image]

    Wie Weltraumbarde Chris Hadfield die Erde sieht

    150 Tage verbrachte der kanadische Astronaut Chris Hadfield auf der Internationalen Raumstation ISS. Wir zeigen wunderschöne Fotos aus dem All, die der Kanadier mit liebevollen Kommentaren getwittert hat.

  • [image]

    Argentiniens versunkene Stadt taucht wieder auf

    Eine kleine Stadt in der Nähe von Buenos Aires versank nach einem Dammbruch vor 27 Jahren im Meer. Mehr als ein Vierteljahrhundert später erblickt die argentinische Geisterstadt Epecuén wieder das Licht.