Von HANS BENTZIEN
Geldmarktteilnehmer aus dem Euroraum haben die Europäische Zentralbank (EZB) davor gewarnt, ihren Satz für Bankeinlagen in den negativen Bereich zu senken. Wie aus dem erst jetzt veröffentlichten Sitzungsprotokoll der EZB-Geldmarktkontaktgruppe vom 18. September 2012 hervor geht, würden die Banken die aus negativen Einlagenzinsen resultierenden Einnahmeverluste über höhere Ausleihzinsen kompensieren. Damit würde die Absicht der EZB, für niedrigere Marktzinsen zu sorgen, konterkariert.
Der Hauptrefinanzierungssatz der EZB liegt derzeit auf dem Allzeittief von 0,75 Prozent, während der Satz für Bankeinlagen bei der EZB bereits Null ist. Eine Senkung aller Leitzinsen um 25 Basispunkte, wie manche Beobachter sie für kommendes Jahr erwarten, würde zu einem Einlagensatz von minus 0,25 Prozent führen. Das bedeutet, dass die Banken für Einlagen bei der EZB, die über ihre Mindestreservepflicht hinaus gehen, Zinsen zahlen müssten.
"Eine Weitergabe negativer Zinsen an Haushalts- und Unternehmenskunden wäre nur begrenzt möglich und würde die Profitabilität der Banken beeinflussen. Das müsste anderswo ausgeglichen werden, zum Beispiel über höhere Ausleihzinsen", heißt es in dem Protokoll wörtlich.
Betroffen wären von negativen Ausleihzinsen vor allem deutsche Institute, die derzeit in Liquidität schwimmen. Manche Beobachter hoffen, Banken über negative Einlagenzinsen zu einer höheren Kreditvergabe bewegen zu können. Aber dieser Hoffnung widersprachen einige Mitglieder der Geldmarktkontaktgruppe laut Protokoll ebenfalls. Im Protokoll heißt es dazu, diese Wirkung hätten negative Einlagenzinsen nur in einem weniger risiko-aversen Umfeld. Mit anderen Worten: An Adressen, denen sie nicht trauen, verleihen Banken auch dann kein Geld, wenn sie bei der Zentralbank Strafzinsen zahlen müssen.
Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com





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