Von URSULA QUASS
Eisiger Wind schlug Antonis Samaras entgegen, als er sich am Sonntagabend im Schneesturm seinen Weg an einer Traube wartender Journalisten vorbei zu CSU-Chef Horst Seehofer bahnte. Der bayerische Ministerpräsident hatte den griechischen Ministerpräsidenten ins Münchener Prinz-Carl-Palais eingeladen, und Seehofer betonte gleich zu Beginn die historische Bedeutung dieses Ortes. „Der Prinz war bekanntlich ein Urenkel von Otto und damit des ersten Königs von Griechenland."
Was Seehofer nicht erwähnte: Seinerzeit schon war das Verhältnis zwischen Bayern und Griechen nicht unbelastet. Nachdem 1843 die letzten bayerischen Truppen aus Griechenland abgezogen worden waren, brach ein Militärputsch aus, der sich zu einem ersten Volksaufstand gegen König Otto ausweitete. 1862 musste Otto schließlich mit einem englischen Schiff außer Landes gebracht werden, da selbst auf die Besatzung des königlichen Schiffes kein Verlass mehr war.
Das ist wohl Geschichte. Nicht vergessen sind die jüngsten Misstöne zwischen München und Athen, und sie soll der Versuch vergessen machen. Es war vor allem die CSU, die öffentlich davon schwadroniert hatte, man müsse die hoch verschuldeten Griechen aus der Euro-Zone zu werfen. Von einem „Exempel" hatte Bayerns Finanzminister Markus Söder gesprochen, dass an den Griechen statuiert werden müsse, damit Athen Deutschland Nicht „mit in den Abgrund" reiße. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt hatte gar erklärt, die Eurozone sei kein „Hängematten-Club".
Nach dem Treffen mit dem CSU-Chef ist von den Vorwürfen nicht mehr die Rede. Seehofer will an sie nicht gerne erinnert werden. „Wir sind beide auf der gleichen Wellenlänge", sagt der bayerische Regierungschef nach dem Abendessen mit Samaras. Er sicherte Griechenland verstärkte Unterstüzung zu und äußerte sich sehr wohlwollend zu den Reformbemühungen der Regierungschefs. Samaras habe „sehr überzeugend geschildert, dass er mit aller Kraft das Blatt wenden will". Beide hätten „nur in die Zukunft geblickt" und mit der Begegnung „ein neues Kapitel aufgeschlagen". Vereinbart worden sei eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Regionen und Wirtschaftsbranchen.
Samaras seinerseits verzichtete nach dem Gespräch darauf, die derben Misstöne aus Bayern öffentlich anzusprechen. Vielmehr dankte er Seehofer für sein „Verständnis für unsere Lage" und sein Hilfsangebot. Er hoffe, dass auf diese Weise etwas gegen die Jugendarbeitslosigkeit unternommen werden könne. Seehofer lud er ein, im Mai oder Juni nach Athen zu kommen.
Optimistisch äußerte sich Samaras zum Schudenrückkauf seines Landes. Das am Freitag beendete Programm sei „gut verlaufen", das könne er „mit großer Sicherheit" sagen. Aus informierten Kreisen war am Sonntag verlautet, mit einem angedienten Anleihevolumen von knapp 30 Milliarden Euro habe Griechenland sein Ziel knapp verfehlt. Mit zehn Milliarden Euro EFSF-Mitteln wollte Athen etwa 30 Milliarden Altverbindlichkeiten aus dem Verkehr ziehen, um die Schuldenlast erheblich zu verringern. Vom Erfolg dieses Programms hängt die Bewilligung dringend benötigter weiterer Hilfsmilliarden durch die Troika ab
„Um die Wirtschaft zum Wachsen zu bringen, brauchen wir Liquidität", warb Samaras. „Sobald die Menschen feststellen, dass die Griechen mit großer Kraft weitermachen und dass Griechenland ein gleichberechtigtes Land in Europa sein kann, können wir große Investitionen nach Griechenland holen." Vielleicht ja auch weiß-blaue - schließlich sollen die bayerisch-griechischen Verstimmungen nun ja Schnee von gestern sein.
Kontakt zum Autor: ursula.quass@dowjones.com







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