• The Wall Street Journal

Junger Mann feuert auf Grundschüler – 28 Tote

NEWTOWN—Ein bewaffneter Mann hat im US-Bundesstaat Connecticut in einer US-Grundschule im kleinen Ort Newtown das Feuer auf Schüler und Lehrer eröffnet. 26 Menschen kamen in der Schule um, darunter 20 Kinder, sagten mit dem Vorfall vertraute Beamte dem Wall Street Journal. Der Todesschütze wurde in der Schule tot aufgefunden, eine andere Person außerhalb der Schule in Newtown. Insgesamt starben also 28 Menschen bei dem Amoklauf.

Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich um den schlimmsten je stattgefundenen Amoklauf an einer US-Schule, bei dem mehr Menschen starben als beim Massaker an der Columbine High School von 1999.

dapd

Ein Polizist eines Sondereinsatzkommandos und Eltern von Schülern nahe der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown.

Beamter bringt falschen Namen in Umlauf

Beamte identifizierten den mutmaßlichen Todesschützen als Adam Lanza. Die Beamten sagten, die Mutter des Schützen sei Lehrerin an der Schule gewesen und vermutlich unter den Opfern. Der junge Mann eröffnete das Feuer den Behördenangaben zufolge um 9:40 Uhr Ortszeit. Davor hatte der Beamte den Schützen zunächst fälschlicherweise als Lanzas Bruder Ryan identifiziert. Ein Motiv nannten die Behörden nicht.

Der Vorfall ereignete sich in Sandy Hook, eine Siedlung, die zu der Kleinstadt Newtown im US-Bundesstaat Connecticut gehört. Newtown hat rund 28.000 Einwohnern und befindet sich etwa 105 Kilometer nordöstlich von New York City. Der Killer nahm einen Klassenraum unter Beschuss, eine Schultoilette und einen Gang, sagte einer der Beamten.

Tot des Schützen bestätigt

Ein Sprecher der Polizei von Connecticut bestätigte den Tod des Schützen. Offizielle Angaben zur Zahl der Todesopfer wollte er nicht machen. Die Priorität liege darauf, die Familienangehörigen zu informieren.

Ein Beamter der Bundespolizei sagte, dass ein Gewehr der Marke Bushmaster mit dem Kaliber .223 auf der Rückband eines Autos in der Nähe des Tatorts gefunden wurde. Neben der Leiche des mutmaßlichen Todesschützen wurden zwei Handfeuerwaffen gefunden.

dapd

Das Foto der Connecticut State Police zeigt Kinder der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown nach der Evakuierung.

Drei Verletzte wurden in das Danbury-Krankenhaus in der Nähe eingeliefert, bestätigte die Krankenhausleitung. Ein Sprecher wollte den Zustand der Verletzten nicht kommentieren. „Wir erwarten keine weiteren Patienten mehr", sagte Patrick Borderick, Chef der Notaufnahme des Krankenhauses, drei Stunden nach dem Vorfall.

Der Destrikt hat alle Schulen in Newtown geschlossen, so das Büro des Schulleiters. Zur Sandy-Hook-Grundschule gehen 575 Schüler bis zur vierten Klassen, heißt es in offiziellen Daten der US-Bundesbehörden. Die Schule beschäftigt den Daten zufolge 42 Lehrer.

Eltern versammelten sich nahe der Schule

Vor der Schule spielten sich nach den ersten Berichten über den Vorfall chaotische Szenen ab. Joe Wasik, dessen Tochter Alexis in die dritte Klasse der Schule geht, sagt, seine Frau habe ihn kurz nach 10 Uhr angerufen, nachdem sie eine Nachricht des automatischen Alarm-Systems der Stadt auf ihr Handy gesendet bekommen hatte. Nachdem Wasik die Nachrichtenlage auf seinem Laptop gesichtet hatte, rannte er zu der Grundschule.

"Überall waren Autos", sagte er. Vor der Feuerwehrwache drängten sich dicht an dicht die Eltern, die dort ihre Kinder identifizieren sollten, die aus dem Gebäude evakuiert wurden.

Auch seine Tochter Alexis stand in der Menge, weinte, war "ein nervlichen Wrack", sagte er. Wasik sagte, seine Tochter habe sich während des Amoklaufs in Deckung gebracht und war nicht sicher, ob sie die Schüsse gehört habe.

Ein achtjähriger Schüler, der sich im Gebäude befand, der Amokläufer schoss, sagte dem US-Sender NBC 4, dass er sich im Gang befand und von einem Lehrer in einen Klassenraum gezogen wurde. „Jeder hat die Patronen gehört und ist in Panik ausgebrochen" sagte der Schüler stockend.

Obama kämpft mit den Tränen

dapd

US-Präsident Barack Obama bei seiner Ansprache im Weißen Haus.

US-Präsident Barack Obama wurde um etwa 10:30 Uhr Ortszeit von seinem Sicherheitsberater Joh Brennan informiert, sagte Jay Carney, Sprecher des Weißen Hauses. Obama telefonierte mit FBI-Chef Robert Mueller und dem Gouverneur von Connecticut, Dan Malloy, um sich über die Entwicklung zu informieren und sein Mitgefühl auszudrücken, so der Sprecher weiter. Gouverneur Malloy war vor Ort.

Obama hielt am Freitagnachmittag Ortszeit eine emotionale Ansprache, die mehrfach durch Tränen unterbrochen wurde, als er von den getöteten Kindern sprach. "Sie hatten ihr gesamtes Leben vor sich - Geburtstage, Hochzeiten, ihre eigenen Kinder", sagte Obama, unterbrach seine Rede und wischte sich Tränen aus dem Gesicht.

Er reagiere als Vater zweier Töchter auf das, was er als "abscheuliches Verbrechen" bezeichnete. Er gelobte alles dafür zu tun, derartige Vorfälle in der Zukunft zu verhindern. "Wir haben zu viele dieser Tragödien in den vergangenen Jahren erlebt", sagte Obama. "Wir müssen zusammenkommen und sinnvolle Schritte unternehmen, um Tragödien wie diese zu verhindern, ohne auf politische Ansichten Rücksicht zu nehmen", forderte der US-Präsident.

Bislang schlimmster Amoklauf an einer US-Schule

Laut Schulsicherheitsexperten könnte das Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule der bisher schlimmste Amoklauf an einer US-Schule gewesen sein. Die Zahl der Opfer übersteigt nach bisherigem Kenntnisstand die Zahl der Opfer beim Amoklauf an der Columbine High School 1999, bei dem 12 Schüler und ein Lehrer erschossen wurden. Die beiden Amokläufer nahmen sich ebenfalls das Leben.

2007 wurden 33 Menschen inklusive des Schützen auf dem Campus der Universität Virginia Tech in Blacksburg erschossen.

In den gesamten USA haben Schulen ihre Sicherheitsmaßnahmen seit dem Amoklauf von Columbine verstärkt. Viele haben Metalldetektor eingeführt, Krisenpläne entwickelt und Türen eingeführt, die sich nur nach Knopfdruck öffnen lassen. Lehrer und Mitarbeiter wurden darin geschult, Gefahren zu erkennen und damit umzugehen.

Michael Dorn, Geschäftsführer von Safe Havens International, einer Nonprofit-Organisation, die gemeinsam mit Tausenden US-Schulen Sicherheitspläne entwickelt, sagte, dass es deutliche Verbesserungen bei der Schulsicherheit gegeben habe aber noch "so viel mehr" getan werden könne.

"Es gibt keine Strategie, die Gewalt mit Sicherheit verhindert aber wir müssen die Leute in die Lage versetzen, dass sie sich auf potenzielle Gefahren vorbereitet fühlen", sagt er.

Schule hatte Sicherheitsmaßnahmen schon drastisch verschärft

Ein Brief, der vor dem Vorfall in diesem Jahr an die Eltern der Sandy-Hook-Grundschule gesendet wurde, beschrieb neue Sicherheitsmaßnahmen, die in der Schule in Kraft gesetzt wurden. Demnach müssen sich die meisten Besucher identifizieren und eine Klingel drücken, um die Schule durch den Vordergang zu betreten, der nach 9:30 Uhr geschlossen wird.

"Wenn unsere Mitarbeiter Sie nicht erkennen, werden Sie aufgefordert Ausweispapiere mit Foto vorzuzeigen", heißt es in dem Brief.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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