• The Wall Street Journal

Qualcomm-Chef sagt Mobilfunkmast fürs Wohnzimmer voraus

Nur wenige Unternehmen haben so erfolgreich auf die mobile Revolution gewettet wie der US-Chiphersteller Qualcomm. Für die Zukunft will Unternehmenslenker Paul Jacobs noch weitere Wetten eingehen.

Der Chiphersteller aus San Diego in Kalifornien verdient durch Patentlizenzen an jedem verkauften Mobiltelefon, das mit einer Breitbandverbindung der dritten Generation aufwärts ausgestattet ist. Apples iPhone 5 nutzt beispielsweise die Qualcomm-Chips für den Mobilfunk – wie auch die meisten anderen Smartphones, die auf den schnellen Funkstandard LTE der vierten Generation setzen.

Qualcomm hat so einen Betrag von 26,8 Milliarden US-Dollar in Bargeld und Wertpapieren angehäuft. Bei der Markkapitalisierung überholte Qualcomm mit einer Bewertung von 105 Milliarden Dollar kürzlich Intel als größten Halbleiterhersteller der Welt.

Nicht alle Wetten haben sich ausgezahlt. Eine mobile Rundfunk-Technik namens Media-Flo und Morasol, ein Bildschirm, der darauf ausgelegt ist, auch bei direktem Sonnenlicht gut lesbar zu sein, sind gefloppt. Und während Apple die Mobilfunk-Chips von Qualcomm einsetzt, setzt es beim mobilen Prozessor auf eine Eigenentwicklung.

Sam Hodgson for The Wall Street Journal

Hat weiter viel vor: Paul Jacobs, Chef von Qualcomm.

Jetzt plant Qualcomm-Chef Jacobs neue mobile Technologien – darunter kleine Mobilfunkzellen für den Hausgebrauch, um die überstrapazierten Netze der Provider zu entlasten. Außerdem sind Smartphones geplant, die sich mit Sensoren zu Hause, in Autos, Läden und medizinischen Geräten verbinden.

Der 50-jährige Jacobs, der in Elektrotechnik promoviert hat, ist der Sohn des Mitgründers Irwin Jacobs. Mit dem Wall Street Journal sprach Paul Jacobs kürzlich in einem Büro der Firma in San Diego über die Zukunft des mobilen Marktes.

Qualcomms Patentlizenzierungsgeschäft ist einzigartig. Gibt es für dieses Geschäftsmodell irgendwelche Gefahren?

Paul Jacobs: Es gibt eine Menge Diskussionen um die Smartphone-Patentkriege. Doch die Diskussion ist hochgespielt. Wenn Sie in die Weltgeschichte blicken, gab es auch Nähmaschinen-Kriege, Telefon-Kriege und alle möglichen anderen Arten von Kriegen. Aber man weiß ja nie, es kann immer was passieren. Wir sind auf alles vorbereitet.

Was sind Ihre vielversprechendsten Forschungsinvestitionen?

Natürlich investieren wir weiter eine Menge Geld in den Smartphone-Bereich und neue Funktechniken, denn das ist heute sozusagen der Mindesteinsatz. Wir bauen noch schnellere Prozessoren mit immer besseren Grafiken und stellen dabei sicher, dass das Gerät die Funktechnik besitzt, die gewollt wird und dennoch wenig Strom verbraucht. Außerdem sehen wir Chancen im Bereich Netzwerktechnik, weil der Bedarf an Bandbreite im mobilen Netz so groß ist. Deshalb haben wir ein Projekt, um die Kapazität drahtloser Netzwerke um das Tausendfache zu steigern.

Sie sprachen darüber, den Datentransfer auf kleine Mobilfunkstationen zu Hause auszulagern.

Basisstationen, die einst diese riesigen Dinger am Straßenrand waren, werden auf Kartenspielgröße oder noch kleiner schrumpfen. Sie stöpseln es Ihr lokales Netzwerk ein oder verbinden es mit Ihrem WLAN-Netzwerk, und es ermöglicht Ihnen sehr hohe Geschwindigkeiten für alles, was Sie mit dem Smartphone anstellen wollen.

Und Kunden, die vorbeifahren, können die Verbindung ebenfalls nutzen?

Genau. In einigen Fällen gebrauchen Sie das große Mobilfunknetz, weil Sie sich zum Beispiel in Ihrem Auto befinden und zu schnell fahren, um das eigene Netzwerk zu nutzen. Das große Netzwerk wird immer bleiben. Doch mehr und mehr vom Datenverkehr wird auf die kleinen Mobilfunknetze ausgelagert.

Verraten Sie uns etwas über andere neue Entwicklungen.

Wenn Sie in Ihr Auto steigen, können Sie jetzt den Verkehr um sich herum sehen. Wenn sich die Autos auch noch untereinander austauschen können, wird das sogar noch besser. Wenn die Information erst zum Austausch in die Cloud geschickt wird, um dann verarbeitet wieder zurückgeschickt zu werden, veraltet sie. Dann sprechen wir über Dinge wie soziale Netzwerke. Heute funktioniert das so, dass Sie Ihr Gerät einschalten und die Nachrichten sehen, die neu sind. Was wirklich cool wäre: Sie gehen in einen Raum und kennen gewissermaßen um Sie herum und teilen mit Ihnen alle Informationen, die Sie teilen wollen. In Kontext eines Geschäftstreffens wäre das wunderbar.

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Das Telefon könnte außerdem besser wissen, wo man sich befindet.

Einige Leute haben sich immer folgendes Szenario vorgestellt: Man geht mit einem GPS-Handy an einer McDonald's-Filiale vorbei. McDonald's weiß, dass man vorbeigeht und schickt einem ein Angebot zu. Ich habe immer gesagt, dass ich nicht will, dass McDonald's mich die ganze Zeit beobachtet, um das tun zu können. Was in Zukunft passieren wird: McDonald's sendet die Informationen einfach immer aus und wenn Sie vorbeigehen, entscheiden Sie, ob die Information für Sie interessant ist.

Nicht alle Ihre Wetten sind aufgegangen. Sie haben sich mittlerweile dazu entschieden, die Mirasol-Technologie an andere Unternehmen zu lizenzieren, anstatt die Bildschirme herzustellen.

Wir sind in die Produktion gegangen, um den Markt für die Technologie in Gang zu bringen. Aber wir wollten immer zu einem Lizenzmodell wechseln. Noch ist die Technologie nicht bereit, um der Hauptbildschirm eines Smartphones oder Tablets zu werden. Wir entwickeln sie – in ein paar Jahren wird es soweit sein.

Heißt das, dass Sie ihre Fabrik verkaufen könnten?

Wir könnten sie verkaufen oder uns einen Partner suchen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten.

Ihre Snapdragon-Chips, die einen Prozessor mit einem Mobilfunk-Chip kombinieren, waren bisher erfolgreich. Hoffen Sie, dass auch die beiden größten Smartphone-Hersteller – Apple und Samsung – früher oder später Ihre Chips benutzen? Noch bauen beide ihre eigenen.

Klar, das hoffen wir. Wenn das nicht passiert, wäre das schlecht für uns. Aber der Rest der Industrie investiert nicht in eigene Prozessoren – alle anderen Unternehmen brauchen Chips von außerhalb.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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