• The Wall Street Journal

Umstrittener Millionär will Südafrikas Politik aufwirbeln

JOHANNESBURG – Die Streitereien in Südafrikas Regierungspartei ANC haben den Weg frei gemacht für das Comeback eines der erfahrensten, aber auch umstrittensten Politiker des Landes: Cyril Ramaphosa, der ehemalige Gewerkschaftsboss, der es in der Geschäftswelt zum Multimillionär gebracht hat.

Auf dem Parteitag des African National Congress wurde Ramaphosa am Dienstag zum stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt. Und wer den Vizeposten in Südafrikas mächtigster Partei inne hat, gilt auch als sicherer Kandidat als Stellvertreter des Präsidenten.

Reuters/Mike Hutchings

Cyril Ramaphosa (links) gemeinsam mit Präsident Jacob Zuma auf dem ANC-Parteitag in Bloemfontein-

Der Weg für den 60-jährigen Ramaphosa wurde frei, weil die aktuelle Nummer zwei des ANC, Kgalema Motlanthe, auf dem Parteitag gegen den Staatspräsidenten Jacob Zuma antrat. Auch wenn Zuma den Machtkampf deutlich für sich entschied und sich so auch wahrscheinlich eine weitere Amtszeit als Präsident gesichter hat, bleiben Partei und Land gespalten.

Einige ANC-Mitglieder werfen Zuma vor, dass unter seiner Herrschaft die Korruption grassiert habe und dass seine Wirtschaftspolitik ineffektiv sei. Zuma selbst weist jegliche Korruptionsvorwürfe zurück und erklärt, dass die Wirtschaftspolitik angesichts der globalen Verlangsamung mehr Zeit benötige, um Wirkung zu zeigen.

Cyril Ramaphosa weckt bei vielen Südafrikanern Erinnerungen an bessere Zeiten. Er war ein Protegé von Ex-Präsident Nelson Mandela, der aktuell schwer erkrankt ist. In den 1990er Jahren wechselte er aus der Politik in die Wirtschaft. Dort schaffte der ehemalige Gewerkschaftsführer den Aufstieg zu einem der reichsten Männer Südafrikas. Viele erhoffen sich von Ramaphosa, dass er zwischen Unternehmen, Regierung und Gewerkschaften vermittelt, denn die von massiver Gewalt begleiteten Bergarbeiterstreiks haben das Land traumatisiert und Anleger verschreckt.

„Er ist Anwalt und Geschäftsmann", sagt der 42-jährige Lehrer und ANC-Delegierte Shadracl Nephawe auf dem Parteitag über ihn. „Er ist die richtige Person, um die Wirtschaft unseres Landes aufzubauen."

„Der Patient Südafrika hat eine Reihe von Beschwerden", sagte Ramaphosa im Juli 2011 bei einer der seltenen Gelegenheit, bei denen er sich öffentlich Fragen stellte. „Er ist aber nicht dem Tode geweiht. Er kann geheilt werden. Wir benötigen nur die richtigen Medikamente."

Ramaphosas Karriere in der Geschäftswelt hat ihm allerdings einige Imageprobleme verschafft. Anfang der 1990er Jahre war er Generalsekretär des ANC und spielte eine entscheidende Rolle bei den Verhandlungen um eine neue Verfassung. Als jedoch 1994 ein Stellvertreter für Nelson Mandela gesucht wurde, überging die Partei Ramaphosa und wählte den späteren Präsidenten Thabo Mbeki.

18 Millionen Rand für eine Büffelkuh

Ramaphosa stieg daraufhin aus der Politik aus und gründete Unternehmen wie die Shanduka Group. Diese hilft heimischen und internationalen Unternehmen wie etwa McDonald's dabei, die in den südafrikanischen Gesetzen festgeschriebene Beteiligung von Schwarzen an der Inhaberschaft zu erreichen. Dazu ist er Chairman des größten Telekomanbieters des Landes, der MTN Group . Laut Forbes ist er mit einem Nettovermögen von 675 Millionen US-Dollar die Nummer 21 unter den Reichen in Südafrika.

Ramaphosa ist auch Großaktionär von Lonmin . Als es bei dem Platinförderer im August zu Streiks kam, wurden bei Auseinandersetzungen mit der Polizei 34 Bergleute erschossen. Ramaphosa, der in den 1980er Jahren selbst Streiks in der Bergbaubranche organisierte, hatte in E-Mails ein hartes Vorgehen des Unternehmens gegen die Streikenden gefordert. In den Mails, die bei einer offiziellen Untersuchungen der Vorfälle ans Licht kamen, nennt Ramaphosa den Streik eine „kriminelle Tat". Sein Sprecher erklärte allerdings, die Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen.

Kritiker werfen Ramaphosa vor, er habe durch Reichtum und Macht die Beziehung zu Südafrikas Wählerschaft verloren. Im April etwa ersteigerte er bei einer Viehauktion für stolze 18 Millionen Rand – etwa 1,6 Millionen Euro –eine Büffelkuh. In einem Radiointerview entschuldigte sich Ramaphosa dafür später.

Umstrittene Telekom-Geschäfte

Der Telekomanbieter MTN steht ebenfalls in der Kritik. Ein türkischer Wettbewerber wirft Ramaphosas Unternehmen vor, Bestechungsgelder gezahlt zu haben, um sich eine Lizenz im Iran zu sichern. Als die Vorwürfe im Februar öffentlich wurden, erklärte Ramaphosa: „MTN hat null Toleranz gegenüber korrupten und unethischen Geschäftspraktiken." Er kündigte an, einen unabhängigen Ausschuss zur Untersuchung des Vorgangs einzurichten. Laut MTN soll dieser Zum Jahresende sein Ergebnis vorstellen.

Doch das ist noch nicht alles. Im November kaufte Ramaphosas Shanduka Group Anteile des nigerianischen Mobilfunkgeschäfts von MTN. Schnell kam der Verdacht auf, dass Ramaphosa sich durch den Deal seiner beiden Unternehmen bereichert hätte. Laut MTN kamen die Nigeria-Anteile aber von einem Privatinvestor. Ramaphosa habe zudem an der entscheidenden Abstimmung im MTN-Verwaltungsrat nicht teilgenommen.

„All das macht Ramaphosa zu einem leichten Ziel für Angriffe von innen. Es ist unwahrscheinlich, dass er die Partei einen oder reformieren kann", sagt Mark Rosenburg, politischer Analyst bei der Eurasia Group in New York. Rosenburg hält es sogar für möglich, dass einige Zuma-Gegner den ANC verlassen und sich der Opposition anschließen könnten.

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