Von RICHARD BARLEY
Griechenland hat zuletzt nicht viele gute Tage gehabt, aber der Donnerstag war sicher einer davon. Die Finanzminister der Eurozone haben sich nun endlich darauf geeinigt, die dringend nötigen 34,4 Milliarden Euro Griechenlandhilfe zu überweisen. Weitere 14,8 Milliarden Euro folgen Ende März. Kurz zuvor war bereits der Anleiherückkauf über 31,9 Milliarden Euro erfolgreich verlaufen, womit sich die bei Privatinvestoren ausstehenden Staatsanleihen nochmals halbiert haben.
Spekulationen um einen Grexit, also den Austritt Griechenlands aus der Eurozone, haben sich damit vorerst erledigt. Stattdessen sagt Ministerpräsident Antonis Samaras, dass das Land jetzt die große Chance habe, die Krise zu überwinden. Und trotz der anhaltenden Rezession und der extrem hohen Arbeitslosigkeit könnte Samaras sogar Recht behalten.
Die neuen Kredite könnten helfen, die Liquiditätsprobleme in der Wirtschaft zu lösen. Im November hat Athen mitgeteilt, mit der Auszahlung ausstehender Rechnungen und Gehälter in Höhe von 9,3 Milliarden Euro beginnen zu wollen. Inzwischen hat sich auch die Haushaltssituation deutlich verbessert: Das Primärdefizit, also abzüglich des Schuldendienstes, belief sich von Januar bis November 2012 auf gerade mal 1,5 Milliarden Euro. Das Ziel lag bei höchstens 3,6 Milliarden Euro. Auch die Eurogruppe sagt, dass Griechenland sein strukturelles Defizit, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, seit 2009 um 13,9 Prozentpunkte gemindert habe. Um seine Defizitziele zu erreichen, sind Griechenland nun auch zwei Jahre mehr Zeit eingeräumt worden.
Entscheidend ist das starke Signal der Euroländer
Der allergrößte Teil der griechischen Staatsschulden wird jetzt von öffentlichen Gläubigern gehalten. Und das zu sehr günstigen Bedingungen angesichts langer Laufzeiten, Zinsen von gerade mal 0,5 Prozentpunkten über dem Euribor bei den bilateralen Krediten sowie einem zehnjährigen Zinsaufschub bei Krediten vom EFSF-Rettungsfonds. Vielleicht sind auch noch weitere Schuldenschnitte nötig, aber das ist kein akutes Problem.
Wichtiger als diese ganzen Details zu den griechischen Finanzen ist aber das Signal, das die Euroländer in den vergangenen Wochen an die Märkte ausgesandt haben: Dass sie fest entschlossen sind, Griechenland in der Eurozone zu halten. Deshalb zeigen sich nun erste schwache Signale für zunehmendes Vertrauen. Die Bankguthaben von griechischen Unternehmen und Privathaushalten sind seit dem Tiefstand im Juni von 155,2 Milliarden Euro um 5 Milliarden gestiegen. Damit ist der seit 2010 anhaltende Abwärtstrend erstmals wieder umgekehrt worden. Auch die bevorstehende Rekapitalisierung der griechischen Banken dürfte weiterhelfen.
Mit mehr Sicherheit kommen auch mehr Chancen. Deutschland sagte am Donnerstag, es werde Griechenland dabei helfen, mit Unterstützung der staatlichen KfW-Bank einen Entwicklungsfonds aufzubauen, mit dem private Investoren wieder zurück ins Land gelockt werden sollen. Die Rückkehr ausländischen Kapitals wäre ein noch viel besserer Tag für Griechenland. Und inzwischen liegt sie im Bereich des Möglichen.
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