• The Wall Street Journal

Inselstreit vermiest Japans Unternehmern die Laune

TOKIO--Die Stimmung in den Chefetagen der großen japanischen Industrieunternehmen hat sich in den drei Monaten bis Dezember stark eingetrübt, was nicht zuletzt auf den Inselstreit mit China zurückgeht. Wie aus dem vierteljährlichen Tankan-Bericht der Bank of Japan (BoJ) hervorgeht, fiel der Index, der die Lagebeurteilung der Unternehmen abbildet, auf minus 12 Punkte. Der Rückgang war stärker als erwartet und drückte den Index auf den niedrigsten Stand seit März 2010. Bei Werten unter null zeigt sich die Mehrzahl der befragten Firmen pessimistisch.

Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf minus 10 Zähler gerechnet. Im September hatte das Stimmungsbarometer bei minus 3 Punkten notiert. Die Spekulationen, dass die BoJ in der nächsten Woche ihre Geldpolitik weiter lockert, dürften damit angeheizt werden. Trotz des insgesamt düsteren Bildes gab es aber auch einen Hoffnungsschimmer: So berichteten die Unternehmen von größeren Investitionsplänen als erwartet.

"Der Tankan-Bericht allein besiegelt noch keine Lockerung", sagte Masamichi Adachi, Ökonom bei J.P. Morgan Securities Japan. "Aber die BoJ wird wahrscheinlich kein Risiko eingehen wollen, dass der Yen wieder aufwertet. Bei einem Ausbleiben einer Lockerung dürfte das aber passieren."

Ein starker Druck der Politik hatte die BoJ in jüngster Zeit dazu gebracht, die Notenpresse noch schneller laufen zu lassen, was den Höhenflug des Yen beendete. Die stark exportabhängige Wirtschaft Japans profitiert von einem schwächeren Yen, weil die Gewinne der Unternehmen nach dem Umtausch in heimische Währung steigen und zugleich die Produkte im Ausland wettbewerbsfähiger werden.

dapd

Der Inselstreit mit China trübt den Unternehmern in Japan die Aussichten ein - hier wird ein Schiff in Tokio beladen.

Der Inselstreit mit China war im September eskaliert und hatte zu gewalttätigen Protesten und Boykottaufrufen gegen japanische Unternehmen geführt. In der vorigen Umfrage war der Inselstreit nur wenig abgebildet gewesen, da die Mehrzahl der Betriebe ihre Antworten schon vor dem Ausbruch der Proteste in China abgeschickt hatten.

Auch das Auslaufen der Subventionen für sparsame Automobile belastete die Stimmung in den Unternehmen. Der Unterindex für große Autofirmen brach auf minus 9 Punkte ein, der niedrigste Stand seit Juni 2011. Im September hatte der Subindex bei plus 19 Zählern gelegen.

Der Tankan-Bericht wies jedoch auch einen positiven Aspekt auf: Die Betriebe haben ihre Investitionspläne überraschend aufgestockt. Die großen Firmen der Industrie und des Dienstleistungsgewerbes wollen demnach ihre Sachwertanlagen im laufenden Fiskaljahr um 6,8 Prozent steigern. Zuvor war nur ein Plus von 6,4 Prozent genannt worden, Ökonomen hatten mit einer Abwärtskorrektur auf 4,9 Prozent gerechnet.

Trotz des jüngsten Yen-Rückgangs haben die Unternehmen überraschenderweise ihre Schätzungen zum Wechselkurs angehoben. Für das laufende Fiskaljahr, das im März endet, rechnen sie nun mit einem Kurs von 78,90 Yen pro US-Dollar, deutlich höher als der gegenwärtige Marktkurs. Im September war ein Kurs von 79,06 Yen veranschlagt worden.

Nach der Wahl am Sonntag dürfte der politische Druck auf die BoJ nochmals zunehmen, denn alle Umfragen deuten auf einen klaren Sieg der Liberaldemokratischen Partei Japans (LDP). "Der Tankan-Bericht und die politische Lage nach den Wahlen dürften ausreichen, um die BoJ in der nächsten Woche dazu zu bewegen, weitere geldpolitische Lockerungen zu beschließen", sagte Norio Miyagawa, Ökonomen bei Mizuho Securities Research.

Der Oppositionsführer Shinzo Abe, der als aussichtsreicher Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten gilt, hat für den Fall eines Wahlsiegs deutlich gemacht, dass er die BoJ zu einer massiven Ausweitung der Geldpolitik zwingen will. Es müsse eine unbegrenzte Lockerung und ein festes Inflationsziel von 2,0 oder 3,0 Prozent geben statt der bisher von der Notenbank angepeilten Jahresteuerung von lediglich 1,0 Prozent, erklärte Abe.

Hinzu kommt, dass die Federal Reserve in dieser Woche mit dem aggressiven Öffnen ihrer Geldschleusen eine neue Runde im Abwertungswettlauf zwischen Dollar und Yen eingeläutet hat. In der Vergangenheit hat es nie lange gedauert, bis die japanischen Währungshüter mit eigenen Aktionen dagegen gehalten haben.

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