• The Wall Street Journal

Russland und Nato sehen Syriens Präsident am Ende

Die russische Regierung stellt sich offenbar auf eine Niederlage von Präsident Baschar al Assad im syrischen Bürgerkrieg ein. Der Staatschef verliere immer mehr die Kontrolle über sein Land, sagte der stellvertretende russische Außenminister Michail Bogdanow am Donnerstag laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Itar-Tass. Auch die Nato rechnet mit einem Sturz Assads und erklärte, dieser sei nur noch eine Frage der Zeit.

dapd

Syriens Außenminister Walid al-Muallim mit Russlands Außenminister Sergei Lawrow. Das Foto stammt aus dem April 2012.

«Ein Sieg der Opposition kann leider nicht ausgeschlossen werden», sagte Bogdanow im Kreml. Moskau bereite sich derzeit darauf vor, Tausende russische Bürger aus Syrien in Sicherheit zu bringen. Der stellvertretende Außenminister wiederholte den Aufruf Russlands zu einem Kompromiss. «Die Kämpfe werden sich verschärfen, man wird Zehntausende, vielleicht Hunderttausende Leben verlieren», erklärte er. «Wir betrachten das natürlich als absolut inakzeptabel.»

Russland, einer der wenigen verbliebenen Verbündeten Syriens, hat das Regime bisher vor möglichen Sanktionen des UN-Sicherheitsrates geschützt und weiter mit Waffen beliefert. Bogdanow signalisierte zwar keine Absicht, sich der Position des Westens gegenüber Syrien anzunähern und Sanktionen mitzutragen, seine Aussagen wurden von beobachtern aber als Zeichen gewertet, dass sich Russland auf einebevorstehende Niederlage Assads einstellt und von ihm abrücken könnte.

Auch Rasmussen rechnet mit Zusammenbruch der Regierung

Der Aktivist Abu Bilal Al Homsi aus Homs zeigte sich ermutigt von den Äußerungen Bogdanows. Russland kenne die Stärke der syrischen Truppen genau, sagte er. Einen Tag zuvor hatten bereits die USA und Europa die neu formierte Führung der syrischen Opposition anerkannt. Gleichzeitig wächst die internationale Kritik an Assads Truppen: Die USA und die Nato erklärten am Mittwoch, die Regierungssoldaten hätten Kurzstreckenraketen gegen die Rebellen eingesetzt. Syrien wies das zurück und sprach von einer Verschwörung.

Nato-Generalsekretär Rasmussen erklärte dagegen am Donnerstag, die Allianz habe den Abschuss mehrerer dieser Kurzstreckenraketen festgestellt. «Im Allgemeinen glaube ich, dass sich das Regime in Damaskus dem Zusammenbruch nähert», sagte Rasmussen. «Ich glaube, das ist nur noch eine Frage der Zeit.»

Frauen und Kinder getötet

dapd

Bild der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana vom Anschlag in Damaskus.

Bei einer Bombenexplosion nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus kamen nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Sana am Donnerstag mindestens 16 Menschen ums Leben. Unter den Opfern seien sieben Kinder und mehrere Frauen, meldete die Agentur unter Berufung auf Krankenhausangaben. Knapp zwei Dutzend Menschen seien verletzt worden. In der Nähe einer Schule in einer Wohngegend im Damaszener Vorort Katana sei ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug explodiert, hieß es.

Am Mittwoch hatten syrischen Behördenangaben zufolge mehrere Bombenexplosionen das Gebäude des Innenministeriums in Damaskus erschüttert. Dabei seien mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen.

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