• The Wall Street Journal

Der Yen ist der neue Lieblingsfeind der Zocker

Reuters

Der japanische Yen hat in den letzten Wochen gegenüber dem Dollar an Wert verloren.

Der japanische Yen überholt den Euro als die am wenigsten geliebte Währung der Welt.

Zum ersten Mal seit drei Jahren setzen institutionelle Anleger mehr Geld auf den Verfall des Yen als auf einen Absturz des Euro. Nach aktuellen Daten der Commodity Futures Trading Commission, der Aufsichtsbehörde für die Future- und Optionsmärkte in den USA, hat es der Yen in diesem Monat erstmals geschafft, zur Nummer eins bei den Short-Positionen zu werden, mit denen Anleger auf fallende Kurse setzen. Investoren setzen verstärkt darauf, dass die Regierung in Tokio ihre Anstrengungen verstärkt, den Außenwert der eigenen Währung zu schwächen, um das Land aus der wirtschaftlichen Abwärtsspirale zu führen.

Wetten gegen den Yen waren in den vergangenen Jahren stets riskant. Trotz der Bemühungen der japanischen Notenbank, den Yen niedrig zu halten und damit der Exportwirtschaft des Landes zu helfen, stützte ihn immer wieder sein Status als Sicherer Hafen in Zeiten der Finanzkrise.

Jetzt sehen viele Anleger eine Trendwende voraus. Die jüngsten Schritte der Notenbank seien wesentlich effektiver gewesen als in der Vergangenheit. Und mit den Parlamentswahlen am Sonntag dürfte eine neue Ära aggressiver Zentralbank-Maßnahmen eingeleitet werden. Zudem dürfte der Yen angesichts der abklingenden Finanzkrise in Europa etwas von seinem Status als sicherer Hafen verlieren. Trifft die Analyse der Yen-Bären zu, so wird die japanische Währung daher das gesamte nächste Jahr an Wert verlieren.

"Das ist das Geschäft des Jahres 2013"

Bisher sind diese Wetten aufgegangen. Die Währung hat seit Mitte November fast 5 Prozent zum Dollar verloren. Am Mittwoch kostete ein Dollar zum ersten Mal seit April wieder mehr als 83 Yen.

"Das ist das Geschäft des Jahres 2013", sagt John Netto von M3 Capital mit Blick auf die Bären-Wetten gegen den Yen: "Das ist die Art von Trade, in die jeder Milliarden-Dollar-Hedge-Fonds auf der Welt hineinzugehen versucht".

Sein New Yorker Fonds habe die bestehenden bärischen Yen-Positionen im vergangenen Monat erneut aufgestockt, fügt Netto hinzu. Grund war die Erwartung, die Bank of Japan werde ihre Wertpapier-Käufe aufstocken. Damit werde effektiv Geld gedruckt, und zwar schneller, als es die US-Notenbank tue. Diese hatte am Mittwoch angekündigt, sie werde ihr eigenes Anleihe-Kaufprogramm verlängern, um die langfristigen Zinsen niedrig zu halten.

Andere Anleger folgen dem Beispiel von Netto. Investoren haben bereits 13,8 Milliarden Dollar auf eine Abschwächung des Yen gesetzt, wie aus den Daten der CFTC zum 4. Dezember hervorgeht. Das ist fast eine Verdreifachung innerhalb von zwei Wochen und die größte bärische Position zumindest seit 2007, als die CFTC begann, entsprechende Trader-Daten zu erheben. Die Daten zu den Future-Märkten, an denen Anleger bestehende Wertpapierbestände gegen Kursveränderungen absichern oder auf Kursgewinne und –verluste spekulieren, sind relevant: Futures-Geschäfte machen zwar nur einen kleinen Teil aller Devisen-Transaktionen aus, spiegeln aber oft die vorherrschenden Trends an den Märkten wider.

Mit den Neuwahlen in Japan am kommenden Wochenende könnten die Yen-Bären weiteren Auftrieb erhalten. Der Favorit für den Posten des japanischen Ministerpräsidenten, Oppositionsführer Shinzo Abe von der Liberaldemokratischen Partei, hat bereits Schritte vorgeschlagen, um Japan aus seiner deflationären Spirale zu reißen. Dazu gehören unlimitiertes Gelddrucken und negative Zinssätze. Diese Maßnahmen würden den Markt mit Yen überfluten und in seinen Wert gegenüber anderen Währungen senken.

Schlechte Erfahrungen der Vergangenheit

Die japanische Notenbank stellt sich schon einmal auf weitere politische Einflussnahmen ein. Vize-Gouverneur Kiyohiko Nishimura sagte vergangene Woche, die Zentralbank sei bereit, zusätzliche geldpolitische Erleichterungen vorzunehmen, falls Japans Wirtschaft weiter abrutschen sollte. Die japanische Notenbank trifft sich am 19. Dezember zu ihrer nächsten monatlichen Sitzung.

"Die Rahmenbedingungen in Japan ändern sich", sagt auch Richard Benson, Geschäftsführer beim 14 Milliarden Dollar schweren Fonds Millennium Global Investments, der sich auf Währungsanlagen für institutionelle Anleger spezialisiert. Benson setzt seit September auf einen fallenden Yen. Er geht davon aus, dass die Regierung ihren Druck auf die Zentralbank noch weiter erhöhen wird.

Manche Anleger stehen Wetten gegen den Yen aber skeptisch gegenüber. Sie haben schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht und zweifeln daran, ob die Bank of Japan ihre Kollegen in Washington übertreffen kann. „Auch wenn die BOJ jetzt die Gelpolitik aggressiver lockert, ist noch lange nicht klar, ob sie damit auch die Fed übertreffen kann. Die versucht ihr Bestes, um die Geldpolitik so locker wie möglich zu halten", sagt Thomas Stolper, Chef-Devisenstratege von Goldman Sachs. Bis 2014 erwartet Stolper sogar einen leicht anziehenden Yen, der bis dahin auf etwa 80 Yen pro Dollar steigen sollte.

Doch mit seiner Meinung steht er weitgehend alleine. Andere Analysten gehen davon aus, dass sich die Yen-Schwäche über 2013 hinaus ausdehnt -- zumindest solange die Euro-Krise nicht wieder aufflackert. Morgan Stanley, Deutsche Bank und die Royal Bank of Scotland sehen den Yen auf rund 90 Yen pro Dollar fallen.

"Europa ist vom Tisch, was Katastrophen angeht, und Japan füllt nun dieses Loch in der Aufmerksamkeit", sagt Michael Mata, Portfolio-Manager des 807 Millionen Dollar schweren ING Global Bond Fund. Matas Fonds setzt bereits seit Sommer auf einen Kursrückgang im Yen.

Er macht als Belastungsgründe zusätzlich Japans Handelsbilanzdefizit und die hohe Verschuldung des Landes aus. Nächstes Jahr „beginnt der Anfang vom Ende" der ehemaligen Yen-Stärke, schließt Mata.

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