• The Wall Street Journal

Die Russen ziehen in den Smartphone-Krieg

Die bekannteste Errungenschaft Russlands in Sachen Technologie ist wahrscheinlich das Kalaschnikow-Gewehr. Das könnte sich aber bald ändern, wenn es nach einem Moskauer Unternehmen geht. Yota heißt es – und hofft, bald groß auf dem Smartphone-Markt mitzuspielen.

Das Gerät, das bald der Öffentlichkeit vorgestellt wird, hat zwei Bildschirme: Auf der einen Seite ein herkömmliches LCD-Display - auf der anderen eines, das mit E-Tinte funktioniert. Das zweite Display soll den Usern erlauben, pausenlos an neue Informationen zu kommen, ohne dabei die Batterie zu schnell zu leeren.

„Wir haben dieses Smartphone gemacht, um anders zu sein", sagt Wladislaw Martynow, der 43-jährige Chef der Firma. Sein schickes Moskauer Büro ist voll mit antiken Telefonen. „Die meisten Handys sind heutzutage langweilig - unser Produkt ist etwas für Leute, die etwas anderes wollen."

[image] Yota Devices

Das neue Smartphone von Yota hat zwei Bildschirme.

Seit Mai arbeiten 35 Ingenieure mit einem Budget von 25 Millionen US-Dollar daran, das Konzept zur Realität werden zu lassen, sagt Martynow. Das Unternehmen will das Telefon im Februar auf der Handy-Messe Mobile World Congress vorstellen. Im dritten Quartal des nächsten Jahres soll es in Russland in die Läden kommen. Zum Jahresende soll die Kooperation mit internationalen Mobilfunkbetreibern helfen, das Smartphone weltweit zu etablieren.

Einen Namen hat das Gerät noch nicht, das mit der Android-Software von Google läuft. Es soll etwa 500 US-Dollar kosten – weniger als das iPhone und etwa genau so viel wie andere Android-Smartphones am oberen Ende des Spektrums.

In den höchst umkämpften Smartphone-Markt einzusteigen, wird eine große Aufgabe für den kleinen Neuling. „Sie haben eine originelle Idee, aber es ist eine unbekannte Marke", sagt Carolina Milanesi, Analystin bei Gartner, einer Beratungsfirma für Technologiethemen. „Im Smartphone-Markt sind Marken und Trends sehr wichtig – es dürfte also schwer werden." Yota-Chef Martynow weiß um die Schwierigkeiten –hält aber dagegen, dass die Bauweise seines Smartphones eine Innovation bringe.

Milanesi glaubt auch, dass das die Stärke des Geräts ist. Denn das Display, das mit elektronischer Tinte funktioniert, erlaubt es den Nutzern, Daten in Echtzeit einzusehen – von Twitter-Feeds bis hin zu Aktienkursen – ohne das Handy ständig aus dem Ruhemodus zu holen und den Akku zu schnell zu leeren. Die Technologie, bisher vor allem bei E-Book-Readern wie dem Kindle von Amazon benutzt, ist batteriesparend – denn der Bildschirm zeigt das Bild ständig an, verbraucht aber nur Strom, wenn sich etwas ändert.

Martynow, der auf 20 Jahre Berufserfahrung bei Software- und IT-Unternehmen wie Microsoft zurückblickt, sagt, die Anwendungsmöglichkeiten für das Display seien unbegrenzt. Der Schwarzweiß-Bildschirm mache es den Nutzern möglich, Fotos, Bordkarten für das Flugzeug oder auch die Wetteraussichten anzuzeigen, ohne jemals den Bildschirm berühren zu müssen – die Bilder bleiben wo sie sind, selbst wenn dem Gerät der Saft ausgeht.

Ramon Llamas, Senioranalyst des weltweiten Smartphone-Markts für das Marktforschungsunternehmen IDC, sieht genau in der Innovation des Smartphones eine Gefahr: „Das Produktdesign ist vollkommen anders als bei allen anderen, also muss man viel Aufklärung betreiben. Bei so etwas radikalem besteht die Gefahr, dass man vom Markt an den Rand gedrängt wird, und sie müssen viel reinstecken, um das zu überwinden", sagt Llamas.

Wieviel Yota fürs Marketing ausgibt, ist indes noch offen, sagt Martynow. In Russland allerdings bekommt das Unternehmen etwas Aufmerksamkeit kostenlos: Vor zwei Jahren gehörte noch ein Viertel von Yotas Mutterfirma dem staatsbetriebenen Verteidigungsgiganten Rosteknologij. Dessen Chef Sergei Chemezow zeigte einen Prototypen des Smartphones dem damaligen Präsidenten Dimitri Medwedjew.

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