Von PAUL MOZUR und LORRAINE LUK
SHENZEN – Der taiwanesische Auftragsfertiger Hon Hai Precision Industry kommt mit der geplanten Automatisierung seiner Produktion nur schleppend voran. Der Zulieferer, der unter anderem für große westliche Konzerne wie Apple zahlreiche Elektronikgüter herstellt, wollte eigentlich in ganz China verstärkt Roboter an seinen Fließbändern einsetzen. Aber hohe Kosten und die sich rasch wandelndende Technologie erschweren diesen Plan.
Hon Hai, auch unter seinem Börsennamen Foxconn bekannt, beschäftigt in China rund 1,5 Millionen Arbeiter und ist mehrfach wegen Verstößen gegen gängige Arbeitsstandards in die öffentliche Kritik geraten. Da waren Probleme mit minderjährigen Fließbandarbeitern, eine Selbstmordserie und erst im September tagelange Krawalle in einem Werk.
Pläne sind reines Wunschdenken
Der Zulieferer ist im vergangenen Jahrzehnt in China stark gewachsen und hat zahlreiche neue Werke eröffnet. Nicht immer aber fanden sich genug Arbeiter für die Knochenjobs in den neuen Fabriken.
Für Hon Hai könnte es deshalb ein Segen sein, wenn es die von westlichen Großkonzernen georderten Fernseher, Spielekonsolen und iPhones künftig stärker maschinell herstellen könnte. Das Unternehmen könnte dadurch effizienter werden - und sich gleichzeitig von den Selbstmorden und sonstigen Arbeitsplatzkonflikten distanzieren, für die es inzwischen berüchtigt ist.
Führungskräfte von Hon Hai aber haben jetzt zugegeben, dass die Roboterarme, die vor Kurzem in einigen Werken installiert wurden, bislang nur einfachste repetitive Aufgaben verrichten könnten. Sie könnten etwa ein Bauteil von hier nach dort bewegen. Viele kompliziertere Aufgaben aber – etwa das Polieren des iPhone-Metallgehäuses – müssten nach wie vor von Hand erledigt werden.
Im vergangenen Jahr hatte Hon Hais Aufsichtsrat Terry Gou noch verkündet, der Konzern wolle bis Ende dieses Jahres 300.000 Roboterarme installiert haben, bis 2014 sogar eine Million. Im Juni schraubte er dieses Ziel herunter und sagte, er hoffe, dass er in fünf bis zehn Jahren die ersten vollständig automatisierten Fabriken leiten könne. In „wenigen Jahren" sollten „monotone, repetitive Aufgaben" von Maschinen erledigt werden.
Die anvisierten eine Million Roboterarme seien reines Wunschdenken, sagt jetzt ein Manager von Hon Hai. „Wir laufen die ganze Zeit der Technologie hinterher."
Um sein Ziel zu erreichen, müsste Hon Hai je nach Roboter und Automatisierungsgrad zwischen 2,1 und mehr als 10 Milliarden US-Dollar investieren, sagt Alberto Moel, Analyst bei der Bank Sanford Bernstein. Normalerweise lägen die Kapitalausgaben des Unternehmens bei weniger als 3 Milliarden Dollar im Jahr - auch wenn im vergangenen Jahr mehr investiert wurde, um die Expansion ins Landesinnere von China zu stemmen, sagt Moel. Hon Hai selbst veröffentlicht keine Details zu seinen Investitionsplänen.
Gefährliche Jobs sollen an Roboter gehen
Die Gewinnmarge des Auftragsfertigers war wegen der steigenden Lohnkosten in China seit dem zweiten Quartal 2010 gesunken. Erst im dritten Quartal dieses Jahres legte sie wieder auf 3,4 Prozent zu. Im Vorjahresquartal lag sie bei nur 2,2 Prozent. Der Anstieg habe daran gelegen, dass Hon Hai die höheren Lohnkosten inzwischen auf seine Kunden abgewälzt habe, sagen Analysten.
Es sei ineffizient, Roboter in der Produktion von Unterhaltungselektronik einzusetzen, sagt Hon-Hai-Sprecher Louis Woo. Die Produktionszyklen seien einfach viel zu kurz: „Sobald man sich an den Prozess gewöhnt oder ihn stabilisiert hat, ist das Produkt schon am Ende [seiner Lebensdauer] angekommen. Dann kommt das nächste Produkt."
Video auf WSJ.com
Das Unternehmen versucht aber, zumindest die gefährlicheren Aufgaben an Roboter abzuschieben. Außerdem sollen Maschinen stärker bei langlebigeren Geräten zum Einsatz kommen. Wie viele Roboter bei Hon Hai bereits im Einsatz sind, wollte Woo nicht sagen. Einen genaueren Zeitplan für die geplante Vollautomatisierung der Fertigung wollte er ebenfalls nicht nennen.
Nach Aussage mehrerer Arbeiter in Hon Hais südchinesischen Fabriken an der Grenze zu Hongkong haben Maschinen allerdings schon jetzt in vielen Bereichen Einzug gehalten. Ein Arbeiter, der seinen Nachnamen als Zhang angibt und ansonsten anonym bleiben möchte, erzählt, dass einige Kollegen schon in andere Produktionsbereiche verlegt worden seien, um für Roboter Platz zu machen.
„Wir müssen den Abläufen einen Mehrwert geben"
„Früher arbeiteten hier 20 bis 30 Leute am Fließband. Aber seitdem sie die Roboter eingeführt haben, ist die Zahl runtergegangen auf fünf Leute, die jetzt nur noch Knöpfe drücken und die Maschinen laufen lassen", sagt Zhang.
Hon Hai wollte sich zur möglichen Verlagerung von Mitarbeitern nicht äußern.
Analysten sagen, der Plan des Unternehmens, künftig mehr Maschinen einzusetzen, ist in China höchst unpopulär. Hon Hai galt für viele Menschen dort bislang als sichere, wenn auch nicht besonders lukrative Beschäftigungsquelle.
Hon Hai selbst sagt, die Automatisierung soll dem Unternehmen helfen, ausgefeiltere Produkte herstellen zu können, und gleichzeitig die Fähigkeiten seiner Arbeiter zu erhöhen. Das wiederum helfe der Firma, neue Mitarbeiter zu finden und bestehende zu halten.
„Die jüngere Arbeitergeneration von heute will keine langweiligen, banalen, repetitiven Arbeiten mehr verrichten, vor allem im verarbeitenden Gewerbe", sagt Hon-Hai-Sprecher Woo. „Wir müssen den Abläufen einen Mehrwert geben, sonst wird es schwierig, eine junge Generation an Arbeitern anzuziehen."
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