Von KIRSTEN BIENK
Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd bleibt in einem schwierigen Fahrwasser. Die Schuldenkrise in den südeuropäischen Ländern lähmt die Kauflust der Konsumenten. Handel und Industrie füllen ihre Lager deswegen nicht auf, sondern reduzieren ihre Bestände. So kommen in den kommenden Monaten weniger Waren mit dem Schiff von Fernost nach Europa.
Dieser Trend zeichnete sich bereits im dritten Quartal ab. Das Weihnachtsgeschäft, das ansonsten schon von Juli bis Ende September für volle Container sorgt, blieb für Hapag-Lloyd weiterhin aus. Dies hatte zwei Nachteile für die Reederei. Zum einen verhinderte es im dritten Quartal höhere Umsätze und Gewinne. Zum anderen setzte die Reederei bei ihren Kunden für die kommenden Monate keine weiteren Preissteigerungen durch. Der Wettbewerb war zu groß, andere Reeder boten Transportraum zu günstigeren Preisen an.
Trotz dieser konjunkturellen Einschränkungen und anhaltend hohen Treibstoffkosten zeigte sich der Vorstand auch zufrieden. Das Unternehmen profitierte nämlich im dritten Quartal noch von den Preiserhöhungen, die bereits im ersten Quartal angekündigt worden waren. Höhere Frachtraten wirken sich üblicherweise erst mit einer Verzögerung von ein paar Monaten aus, da Schiffstransporte meistens sehr lange im Voraus gebucht werden.
Im dritten Quartal stiegen die Preise im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich um acht Prozent und ließen den Umsatz um 15 Prozent auf knapp 1,8 Milliarden Euro steigen. Das Transportvolumen verringerte sich wegen der schleppenden Nachfrage allerdings um 4 Prozent. Von der Verdoppelung des bereinigten Betriebsergebnisses auf 87 Millionen Euro blieb unter dem Strich noch ein Gewinn von knapp 46 Millionen Euro, das waren 36 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.
Im laufenden Jahr strebt das Management unverändert ein positives operatives Ergebnis an. In den ersten Monaten des Jahres hatte Deutschlands größte Reederei wie viele ihrer internationalen Wettbewerber noch unter einem ruinösen Preiskampf der beiden Branchenriesen Maersk und MSC gelitten. Preiserhöhungen, die wegen der hohen Treibstoffkosten nötig gewesen wären, konnten damals nicht durchgesetzt werden. Hohe Verluste waren die Folge. Mittlerweile ist der Preiskampf beendet. Die meisten Reeder trachten wieder nach kostendeckenden Preisen.
Hapag-Lloyd gehört mehrheitlich einem Konsortium um den Industriellen Klaus-Michael Kühne und der Stadt Hamburg. TUI hält noch 22 Prozent der Anteile. Der Reiseriese plant seit geraumer Zeit den vollständigen Ausstieg aus dem Containergeschäft und will seine Beteiligung entweder an die Börse bringen oder an einen Dritten verkaufen.
Kontakt zum Autor: kirsten.bienk@dowjones.com





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