Von JOSHUA MITNICK, EMRE PEKER und JOE PARKINSON
TEL AVIV--Israel hat am Montag den zweiten Tag in Folge Ziele in Syrien unter Beschuss genommen und dabei nach Angaben der Militärführung „direkte Treffer" auf ein syrisches Militärfahrzeug gelandet. Es ist das erste Mal in vier Jahrzehnten, dass Israel von den Golanhöhen aus Ziele in Syrien trifft. und das erste Mal überhaupt, dass das Land militärisch in den Krieg eines Nachbarstaates eingreift.
Damit drohen die Golanhöhen erneut zu einer gefährlichen Grenzzone zu werden. Auf dem strategischen Felsplateau haben sich Juden und Araber in den vergangenen 25 Jahren bereits drei Kriege geliefert. Zudem droht der syrische Bürgerkrieg über die Grenzen hinaus neue Pulverfässer zu entzünden.
Türkei in erhöhter Alarmbereitschaft
Am Montag bombardierten syrische Kampfjets die von Rebellen besetzte Stadt Ras al-Ain an der türkischen Grenze und versetzte die Türkei in erhöhte Alarmbereitschaft. Mindestens 16 Syrer kamen bei den Angriffen ums Leben, berichtet die staatliche türkische Nachrichtenagentur. Zahlreiche Verletzte flüchteten über die Grenze in die Türkei. Die Zahl der Flüchtlinge in den türkischen Hilfslagern ist inzwischen auf 120.000 gewachsen.
Jetzt patroullieren türkische Kampfjets die Grenze zum Nachbarland. Syrische Flugzeuge, die den türkischen Luftraum verletzten, würden abgeschossen, berichtet die private Nachrichtenagentur Dogan unter Bezug auf nicht namentlich genannte Militärvertreter.
Stunden nach dem Vorfall an der türkisch-syrischen Grenze betonte Nato-Generalsekretär Naders Fogh Rasmussen, das Verteidigungsbündnis würde die Türkei beschützen und sei bereit, Raketenabwehrsysteme zur Verfügung zu stellen. „Ich habe klar gesagt, dass sich die Türkei auf die Unterstützung der Nato verlassen kann", sagte Rasmussen.
Beim Angriff in den Golanhöhen nahmen syrische Artillerietruppen Rebellen in einem syrischen Dorf innerhalb der entmilitarisierten und von den Vereinten Nationen patroullierten Zone unter Beschuss. Das bestätigen auch Berichte der Nachrichtenagentur AP und des israelischen Fernsehsenders Channel 2. Nach Angaben der israelischen Armee flogen einige der Geschosse über ihr Ziel hinweg und landeten auf israelischem Boden in der Nähe eines Armee-Außenpostens in den Golanhöhen. Daraufhin ging Israel zu Vergeltungsschlägen über, bei denen laut Fernsehbericht syrische Soldaten verletzt wurden.
Zweifel an der Irrläufertheorie
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte in einer Rede vor Botschaftern in Jerusalem wenig später an, bisher als Querschläger hingenommene Granateinschläge auf israelischem Boden nicht länger zu dulden. „Wir beobachten genau, was passiert und werden entsprechend antworten. Wir werden keine Grenzverletzungen dulden und nicht zulassen, dass auf unsere Bürger geschossen wird", sagte er.
Bisher waren die Militäroberen und Experten der Ansicht, dass Einschläge aus Syrien nur zufällige Fehlschüsse waren. Diese Meinung ist nach wie vor die vorherrschende. Aber in den vergangenen beiden Wochen haben die Einschläge zugenommen und Panzer übertraten mehrfach die Grenze zur entmilitarisierten Zone, und jetzt fragen sich einige, ob der syrische Präsident Baschar al-Assad möglicherweise bewusst versucht, Israel in den Konflikt hineinzuziehen.
Am Montag erklärte ein hoher Regierungsbeamter, Israel zweifle allmählich an dieser Einschätzung: „Wir dachten, das sind Irrläufer, aber heute sind wir uns nicht sicher."
„Assad kämpft um sein Überleben. Der Feind ist zu diesem Zeitpunkt nicht Israel. Er hat weitaus größere Probleme", sagte Alon Liel, ein früherer israelischer Diplomat, der Israels Antwort auf die Grenzeinschläge für maßvoll hält. Im Süden Israels tobe der Konflikt und es stünden Wahlen an - warum sollte Israel einen Krieg mit Syrien brauchen, fragt er.
Eine direkte israelische Beteiligung an dem Konflikt könnte Auswirkungen auf die gesamte Region haben: Die Hisbollah im Südlibanon und militante Hamas-Gruppen im Gazastreifen könnten wieder auf Konfrontationskurs gehen. Im Gazastreifen haben in den letzten Tagen bereits die Kampfhandlungen wieder zugenommen.
—mit dapdKontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de











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