Von BENOÎT FAUCON
Dank dem Schieferöl-Boom sind die USA auf dem Weg zum größten Ölproduzenten der Welt. Bis 2020 werden sie Saudi-Arabien überholt haben. Das ist ein Ergebnis des Welt-Energie-Ausblicks, den die Internationalen Energieagentur am Montag vorgestellt hat. Die globale Energielandkarte „wird durch die Wiederauferstehung der Öl- und Gasproduktion in den USA neu gezeichnet", sagt die IEA, die Industrieländer in Energiefragen berät. Im vergangenen hatte die IEA noch Russland und Saudi-Arabien als Anwärter auf die Spitzenposition gesehen.
„Nach unseren Prognosen werden die USA bis 2020 der weltweit größte Ölproduzent sein" und Saudi-Arabien für eine gewisse Zeit überholen, heißt es bei der IEA. „Die Folge: Die USA werden immer weniger Öl importieren, so dass Nordamerika um 2030 zum Öl-Exporteur wird." Derzeit importieren die USA etwa 20 Prozent ihres Bedarfs.
Grund für diesen Wandel sind neue Fördermethoden wie das Fracking. Dabei presst man Wasser, Sand und Chemikalien mit hohem Druck in das Gestein, um Öl und Gas aus Schiefer- und anderen Gesteinsschichten an die Oberfläche zu befördern.
Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA ist die amerikanische Ölproduktion innerhalb eines Jahres um sieben Prozent auf 10,77 Millionen Barrel pro Tag gestiegen. Die Prognosen der IEA werden zum Teil von der Organisation erdölexportierender Länder Opec gestützt. Die hatte in der vergangenen Woche zum ersten Mal bestätigt, dass ihr Anteil am US-Markt durch den Schieferöl-Boom bedeutend sinken werde.
Die Opec geht davon aus, dass die USA im Jahr 2035 weniger als zwei Millionen Barrel Öl pro Tag importieren werden – das sind fast 75 Prozent weniger als heute. Das bedeutet aber nicht, dass die Opec weltweit unbedeutender wird. Ihr Anteil an der globalen Produktion wird laut IEA von heute 42 Prozent auf 50 Prozent im Jahr 2035 steigen. Ein großer Teil des Öls wird dann nach Asien fließen.
Die Energieunabhängigkeit der USA könnte dafür sorgen, dass neue militärische Bündnisse entstehen, deutete die IEA an. Dann könnten es die asiatischen Länder und nicht mehr die USA sein, die auf den Schifffahrtsstraßen für Sicherheit sorgen müssen.
„Der internationale Ölhandel geht immer mehr in Richtung Asien. Die Bedeutung der Sicherheit strategischer Routen, auf denen Öl aus dem Nahen Osten zu den asiatischen Märkten gebracht wird, steigt", heißt es bei der IEA. In den USA wird bereits darüber diskutiert, ob man weiterhin amerikanische Kriegsschiffe im Persischen Golf benötigt. „Es ist verrückt, dass die Fünfte Flotte der US-Marine dort stationiert ist, um Öl zu schützen, das in China und Europa landet", sagte T. Boone Pickens, Chef des auf Energie spezialisierten Hedgefonds BP Capital Management in der vergangenen Woche dem US-Magazin Parade.
Die IEA warnt aber davor, dass der Schiefergas-Boom auch Risiken mit sich bringt. So befeuere er den Wettstreit um Wasservorkommen, die für Energieprojekte benötigt werden. Beim Fracking wird beispielsweise sehr viel Wasser benötigt. Das werde für zusätzliche Kosten sorgen und könne einige Projekte gefährden.
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