Von LIAM MOLONEY und MANUELA MESCO
Die Herabstufung der Bonität Italiens durch zwei Ratingagenturen hat ein Nachspiel. Sieben Vertreter der Bonitätswächter von Standard & Poor's (S&P) und Fitch müssen sich wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation vor Gericht verantworten.
Die Ermittlungsbehörde in der italienischen Stadt Trani hatte nach eigenen Angaben untersucht, ob die Herunterstufungen der Schulden Italiens zu einer Flucht aus dieser Anlageklasse beigetragen haben. Die Behörde wirft den Agenturen vor, die Herunterstufungen in einer irreführenden Art und Weise kommuniziert zu haben.
Als Ergebnis ihrer Untersuchung reichte die Behörde nun eine Klage gegen fünf Mitarbeiter von S&P und gegen zwei von Fitch ein. Der dritten großen Ratingagentur Moody's konnten die Ermittler kein Fehlverhalten vorwerfen. Das Gericht muss nun entscheiden, ob es die Klage annimmt und ein Verfahren eröffnet.
S&P wies die Anschuldigungen zurück. Die Klage entbehrt nach Einschätzung der Agentur jeder Grundlage. Fitch hielt sich mit einer Stellungnahme zunächst bedeckt.
Anklage: Schwerer Angriff auf den Staat Italien
Italiens Schulden liegen bei dem 1,2-fachen des Bruttoinlandsprodukts. Das Land ist damit in Europa nach Griechenland die Nation mit der höchsten Verschuldung. Dies hatten auch die Ratingagenturen kritisiert und Italien mehrfach heruntergestuft.
Die Ermittlungsbehörde in Italien stößt sich insbesondere daran, dass S&P am 20. Mai 2011 zunächst den Ausblick für das Land heruntergenommen hat. Die Begründung dafür habe die Ratingagentur erst drei Tage später nachgeliefert. Diese Zeitverzögerung habe an den Kapitalmärkten zu Kursschwankungen und Unsicherheit geführt. Fitch habe ähnlich gehandelt und die bevorstehende Abstufung bereits im Vorfeld angekündigt. Das Vorgehen beider Agenturen stelle einen schweren Angriff auf den Staat Italien dar und habe dem Land wegen der gestiegenen Zinsen hohe Kosten verursacht.
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dapd



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