Von ROBERT LEE HOTZ
Nach Norden ziehende Winde sorgen für rekordverdächtiges Wachstum beim winterlichen Eis auf dem Meer rund um die Antarktis. Das haben Wissenschaftler herausgefunden. Die Eisentwicklung am Südpol kontrastiert stark mit den Vorgängen in der Arktis: Dort schwindet das Eismeer seit Jahren deutlich.
Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie basieren auf Daten über Eisbewegungen in den vergangenen 19 Jahren. Informationen von vier Satelliten des U.S. Defense Meteorological Satellite Programms wurden ausgewertet. In der am Sonntag in Nature Geoscience veröffentlichten Untersuchung beschreiben die Wissenschaftler des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Kalifornien und der British Antarctic Survey, wie Geografie, Wetter und Klimamodelle die Polarregionen in unterschiedlicher Weise beeinflussen.
Die Analysen zeigen zum ersten Mal über einen längeren Zeitraum, welchen Einfluss Winde auf das jährliche Eiswachstum rund um die Antarktis haben. Die Zonen des Meeres, die von Eis bedeckt sind, wuchsen dort deutlich, wo der vorherrschende Wind die einzeln umhertreibenden Eisschollen weiter voneinander entfernte. Dort, wo der Wind die Eisstücke gegen die Küste drückte, sank die Fläche Meereseis hingegen.
"Der Wind bewegt das Eis"
„Wir haben nun Gewissheit, dass der Wind das Eis bewegt", sagte Studienleiter Ron Kwok von JPL. „Die Ausbreitung und die Schrumpfung des Eises rund um den Kontinent lässt sich überwiegend mit Windkräften erklären. Es gibt große Unterschiede zwischen Arktis und Antarktis." Im Klartext: Die Polarregionen der Erde unterscheiden sich spiegelbildlich.
Bilder: Eisdecken und Eisberge in Grönland
Der arktische Ozean ist zu großen Teilen von Land umgeben. Nordamerika, Grönland und Eurasien begrenzen die maximal mögliche Seefläche, die mit Eis überfroren sein kann – ganz unabhängig davon, wie die Wind wehen. Vor wenigen Monaten erschreckten Wissenschaftler die Öffentlichkeit mit der Feststellung, dass von Eis bedeckte Wasserfläche in der Arktis im Sommer so klein gewesen sei wie noch nie seit Beginn der Satellitenüberwachung 1979.
Im Gegensatz dazu ist die Antarktis von einer drei Kilometer dicken Eisschicht überzogen und umgeben vom Südlichen Ozean. Das jährliche Wachstum des Meereises rund um die Antarktis ist das größte jahreszeitliche Geschehen überhaupt auf der Erde.
Mit Beginn des Winters in der südlichen Hemisphäre wächst das Eis ab März um 57 Quadratkilometer pro Minute. Bevor in diesem Jahr der Frühling begann, erreichte das Meereis eine Ausdehnung von fast 20 Millionen Quadratkilometern.
Mit Eis bedeckte Meeresfläche wächst
Klimaforscher des Goddard Space Flight Center der NASA in Maryland hatten in einer weiteren Studie ermittelt, die schon im vergangenen Monat veröffentlicht worden ist, die von Eis bedeckte Meeresfläche rund um die Antarktis würde jährlich um 17.000 Quadratkilometer wachsen – ein Gebiet so groß wie Connecticut.
Welche Winde für das Wachstum verantwortlich sind, haben die Forscher nicht ermittelt. Studien haben jedoch gezeigt, dass das jährliche Ozonloch über der Antarktis das Windgeschehen in der südlichen Hemisphäre erheblich beeinflusst hat. Die Winde der Antarktis stehen auch unter dem Einfluss von größeren klimatischen Phänomenen wie El Nino.
„Die größere Verbindung zum globalen Klimawandel und der Aufwärmung der Erdatmosphäre ist schwieriger zu bestimmen", räumt deshalb Studienleiter Kwok ein. „Das verstehen wir bisher nicht."
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

British Antarctic Surve




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