• The Wall Street Journal

Syriens Oppositionelle bilden neue Front

DOHA--Nach tagelangen Verhandlungen und unter dem Druck der internationalen Gemeinschaft haben sich Vertreter der syrischen Opposition auf die Gründung einer neuen Führungsgruppe geeinigt. Die neue Gruppe solle den Namen Syrische Nationalkoalition für Opposition und Revolutionäre Kräfte tragen, sagte Ali Sadr el Din Bajanuni, der an den Verhandlungen beteiligt war, am Sonntag. Die Initiative werde ohne Ausnahme von allen Oppositionsparteien unterstützt. Indes hat sich die Gewalt an der syrisch-israelischen Grenze verschärft: Israel hat am Sonntag erstmals Syrien gezielt beschossen.

[image] dapd

Bombeneinschlag in der syrischen Stadt Douma: Die syrische Opposition, die Assad stürzen will, hat sich zu einer neuen Front zusammengeschlossen. Sie hofft vor allem auf mehr Waffen aus dem Ausland.

Die neue Führungsgruppe wird auch Vertreter der derzeit größten Oppositionsgruppe, dem Syrischen Nationalrat (SNC), enthalten. Der SNC hatte sich zuvor gegen die Gründung eines neuen Führungsgremiums gewehrt, da er darin seinen eigenen Einfluss gefährdet sah. Im neuen Gremium soll der SNC 22 von insgesamt 60 Sitzen erhalten. Auch Aktivisten aus Syrien und Rebellenkommandeure sollen in der Gruppe vertreten sein. Präsident der neuen Vereinigung wird der islamische Prediger Maath al Chatib. Die Oppositionsführer Riad Seif und Suheir Atassi wurden am Sonntag zu den Vizepräsidenten bestimmt.

Zuvor hatten die unterschiedlichen Oppositionsgruppen tagelang in der katarischen Hauptstadt Doha verhandelt. Die Einigung könnte die Bemühungen der Opposition um internationale Unterstützung im Kampf gegen das Regime von Präsident Baschar Assad vorantreiben. Die Gewalt in Syrien dauert inzwischen seit 20 Monaten an und kostete nach Angaben von Aktivisten bislang mehr als 36.000 Menschen das Leben. Die Opposition hofft auf Waffen aus dem Ausland.

Die USA und andere westliche Staaten hatten zuletzt eine neue Struktur der syrischen Opposition gefordert, die als zutiefst zerspalten galt. Der SNC, der zuletzt hauptsächlich aus Exilsyrern und Akademikern bestand, wurde als ineffektiv kritisiert.

Associated Press

Provisorische Müllhalde in der syrischen Stadt Aleppo, wo die Müllabfuhr wegen der anhaltenden Kämpfe schon seit Wochen nicht mehr fährt.

Die neue Führungsgruppe werde bereits unter anderem von Saudi-Arabien, Ägypten und der Türkei unterstützt, sagte Wael Mersa vom Syrischen Nationalrat. Dies könne "neue Kanäle für die Finanzierung" öffnen. Der SNC werde zwar an seiner Unabhängigkeit als Gruppe festhalten, wolle aber die neue Nationalkoalition aus Oppositionskräften ohne Vorbehalte unterstützen, sagte Mersa.

Die am Sonntag erzielte Einigung sieht auch die Bildung einer Übergangsregierung vor. Zudem sei eine Konferenz auf nationaler Ebene geplant, sobald das Assad-Regime entmachtet sei, heißt es in einem Entwurf, welcher der Einigung zugrunde liegt.

An der israelisch-syrischen Grenze ist unterdessen die Lage eskaliert: Nach dem Einschlag einer Mörsergranate auf einem israelischen Militärposten auf den annektierten Golanhöhen nahm Israel am Sonntag erstmals Ziele in Syrien unter Beschuss. Eine Rakete sei als Warnschuss abgefeuert worden, erklärten die Streitkräfte. Bei zwei Selbstmordanschlägen in der südsyrischen Stadt Daraa wurden nach Angaben von Aktivisten am Samstag mindestens 20 Angehörige der Sicherheitskräfte getötet.

Auch an der Grenze zur Türkei dauern die Kämpfe an. Nach Angaben von Aktivisten feuerten syrische Regierungstruppen mit Hubschraubern und Artillerie auf ein Gebiet um einen Grenzübergang, den Aufständische zuvor unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Die Gegend um den Übergang Ras al Ain sei im Belagerungszustand, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Dutzende Aufständische versuchten, den Übergang zu halten.

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