• The Wall Street Journal

Apple und HTC unterzeichnen Lizenzabkommen

Apple und HTC haben ein Lizenzabkommen für die kommenden zehn Jahre unterzeichnet. Alle Klagen, die man weltweit gegeneinander geführt hat, sollen damit vom Tisch sein. Die Unternehmen erklärten am Samstag, unter die Vereinbarung fielen derzeitige aber auch zukünftige Patente beider Firmen. Weitere Details wurden nicht genannt.

„HTC ist glücklich darüber, den Streit mit Apple beigelegt zu haben und sich jetzt wieder auf Innovationen konzentrieren zu können", sagte eine Sprecherin des Konzerns. Zu weiteren Details wollte auch sie sich nicht äußern. Sie erklärte jedoch, man gehe nicht davon aus, dass das Abkommen nachteilig für HTC sei.

dapd

Wegen Smartphones wie dem HTC One X (Bild) standen sich Apple und HTC häufig vor Gericht gegenüber. Die Patentstreitigkeiten wurden jetzt jedoch beigelegt.

Die jetzt geschlossene Vereinbarung kommt zu einem Zeitpunkt, da HTC einige Rückschläge im Patentkrieg mit Apple einstecken musste. Kommissare der US International Trade Commission (ITC) hatten vor kurzem erklärt, Apple verletzte mit seinen iPhones und iPads keine Patente von HTC. Das taiwanesische Unternehmen hatte viele Anstrengungen unternommen, um sich vor Gericht durchzusetzen. Unter anderem hatte man für 300 Millionen US-Dollar die Firma S3 Graphics übernommen, um deren Patente in den anhaltenden Auseinandersetzungen gegen Apple und andere Firmen einsetzen zu können. In einem anderen Fall hatte die ITC dann jedoch erklärt, Telefone von HTC würden Patente von Apple verletzen. Im vergangenen Monat warnte HTC, man rechne mit einem Umsatz- und Gewinnrückgang im vierten Quartal.

„Das Lizenzabkommen ist gut für HTC. Denn die Auseinandersetzungen vor Gericht waren ein großer Unsicherheitsfaktor was den Aktienkurs der Firma betrifft", Birdy Lu, Analyst bei Daiwa. „Ich glaube, HTC wird etwas an Apple zahlen, auch wenn beide Firmen von einem wechselseitigen Abkommen sprechen. Aber das Patente-Portfolio von Apple ist viel stärker als das von HTC."

Mit dem Lizenzabkommen reiht sich HTC hinter Nokia ein. Der finnische Handyhersteller hatte bereits im vergangenen Sommer eine Vereinbarung mit Apple getroffen. Damals jedoch hatten die US-Amerikaner einen bestimmten Betrag nach Finnland überwiesen.

Die Beilegung der Auseinandersetzung mit HTC kommt zu einem Zeitpunkt, da sich Apple im Epizentrum eines weltweiten Patentkrieges mit Branchengrößen wie Samsung und Googles Motorola -Abteilung befindet. Während eines vielbeachteten Prozesses vor einem Gericht in Kalifornien wurde Apple mehrmals gebeten, eine außergerichtliche Einigung mit Samsung zu erzielen. Zwar trafen sich die Verantwortlichen beider Firmen, doch ein Deal kam nicht zustande. Apple gewann den Prozess, Samsung wurde zu Schadenersatzzahlungen in Milliardenhöhe verurteilt. Die Südkoreaner kündigten jedoch an, Berufung einlegen zu wollen.

Apple-Chef Tim Cook hatte sich in Telefonaten und Interviews mehrfach zu den Auseinandersetzungen geäußert und Bereitschaft signalisiert, auch bei diesen einen Kompromiss finden zu wollen. Doch bislang haben weder Apple noch die gegnerischen Parteien eine Einigung erzielen können.

„Ich glaube nicht, dass Apple nun ein vergleichbares Abkommen mit Samsung treffen wird", sagt RBS-Analyst Wanli Wang. Er fügt hinzu, Apple sei vermutlich eine Vereinbarung mit HTC eingegangen, weil man die Firma nicht länger als ernsthafte Bedrohung angesehen hätte. „Samsung ist jedoch noch immer ein großer und ernsthafter Konkurrent. Darum wird es Apple den Südkoreanern nicht so leicht machen."

—Mitarbeit: Aries Poon

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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