• The Wall Street Journal

Singende Soldatin wird künftige First Lady in China

As China prepares for a transition in leadership, many are wondering if Xi Jinping's wife will steal the spotlight. Here's a look at a few of her popular folk song performances.

Sie ist eine glamouröse Sängerin, die von Millionen Fans verehrt wird, und eine Generalmajorin der Volksbefreiungsarmee. Er ist ein steifer Politiker, ein langweiliger Anzugträger wie die meisten chinesischen Führer. Vizepräsident Xi Jinping wird auf dem derzeit stattfindenden Parteitag der KP aller Voraussicht nach zum Generalsekretär der Kommunisten ernannt. Im kommenden Frühjahr soll er Hu Jintao dann ins Präsidentenamt folgen. Doch wie wird Peking mit einer First Lady umgehen, die weitaus populärer ist als ihr Ehemann?

Während die frühere französische Präsidenten-Gattin Carla Bruni und die amerikanische First Lady Michelle Obama regelmäßig die Aufmerksamkeit der Medien auf sich ziehen, wissen die Chinesen kaum etwas über die Familien ihres politischen Führungspersonals. So tritt Liu Yongqing, die Ehefrau des chinesischen Präsidenten Hu Jintao, lediglich beim Damenprogramm von offiziellen Staatsbesuchen in Erscheinung. Die zurückhaltende First Lady spiegelt so den technokratischen Führungsstil wider, mit dem die Kommunistische Partei die aufstrebende Weltmacht regiert. Seit Jiang Qing, die Ehefrau von Mao Tsetung, sich in die Politik einschaltete und schließlich nach der Macht griff, werden engagierte Politiker-Frauen in China misstrauisch beobachtet. Nach Maos Tod im Jahr 1976 wurde Jiang verhaftet und zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

[image] Associated Press

Peng Liyuan bei einem Auftritt im April 2007.

Viele Chinesen kennen Peng Liyuan von ihren Auftritten beim Frühlingsfestival im staatlichen Fernsehen. Auf einer in Kunstnebelschwaden getauchten Bühne, gehüllt in ein elegantes Abendkleid, sang sie dort vor bis zu 800 Millionen Zuschauern patriotische Lieder. Seit 2007, als Xi in den ständigen Ausschuss des Politbüros der Kommunistischen Partei einzog, ist Peng jedoch nicht mehr bei der Gala aufgetreten. Um sie von der Öffentlichkeit abzuschirmen, wurde ihr in der Gesangs- und Tanztruppe der Streitkräfte ein Schreibtischjob zugewiesen. Peng und Xi lernten sich 1986 über einen gemeinsamen Freund kennen. Xi war damals stellvertretender Bürgermeister in der aufstrebenden Küstenstadt Xiamen, Peng bereits eine bekannte Sängerin. "Nach dem Treffen war sie enttäuscht. Sie hielt ihn für einen Bauerntölpel", hieß es 2007 in einem Bericht der Zeitung "Zhanjiang Evening News" über das erste Rendezvous.

Doch Xi habe seine künftige Ehefrau umworben, sie mit seinem Wissen über Musiktheorie beeindruckt. "Ich war sehr bewegt", sagte Peng laut dem Artikel. "Er ist nicht kultiviert, aber sehr intelligent." Peng und Xi sind nun seit 25 Jahren verheiratet und haben eine Tochter. Der Artikel erschien auf zahlreichen Internetseiten und wurde sogar von der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua und der offiziellen Tageszeitung der Kommunistischen Partei verbreitet. Seit Xi jedoch auf der Karriereleiter immer höher steigt, wurden die meisten Berichte über sein Privatleben von den Webseiten gelöscht.

Dabei wären viele Chinesen wohl stolz auf eine First Lady, die wegen ihrer eigenen Karriere bekannt ist. "Unsere Führer umgeben sich mit einer mysteriösen Aura. So funktioniert das System. Abgesehen von ihrer offiziellen Biografie weiß man nichts über sie", sagte Xu, ein 26-jähriger Immobilien-Berater aus Peking. "Chinesische Führer werden niemals zulassen, dass ihre Frauen ein eigenes öffentliches Profil entwickeln", erklärte Li Datong, ein ehemaliger Redakteur einer staatlichen Zeitung, der wegen seiner Berichterstattung über heikle Themen entlassen wurde. "Vielleicht nehmen sie ihre Frauen manchmal zu Staatsbesuchen mit. Aber selbst wenn sie Händchenhalten sehen sie einfach nur verkrampft aus."

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