• The Wall Street Journal

Affäre beendet die Karriere von CIA-Chef Petraeus

Mit seinem plötzlichen und unerwarteten Rücktritt als CIA-Direktor ist für Vier-Sterne-General David Petraeus eine viel versprechende politische Karriere zu Ende gegangen. Unter den Republikanern wurde er schon als möglicher Präsidentschaftskandidat gehandelt. Damit ist es nun vorbei, nachdem er eine außereheliche Beziehung einräumen musste und deshalb den Dienst quittierte. Präsident Barack Obama nahm den Rücktritt am Freitag an. Vorübergehend übernimmt nun der bisherige CIA-Vize Michael Morell den Auslandsgeheimdienst der USA.

Bei der Frau, mit der Petraeus eine Beziehung pflegte, soll es sich um seine Biografin Paula Broadwell handeln. Aufgedeckt hatten die Beziehung FBI-Beamte, die den E-Mail-Verkehr von Petraeus beobachteten, nachdem sie einen Hinweis erhalten hatten, dass Broadwell möglicherweise Zugang zum E-Mail-Konto von Petraeus haben könnte, wie es aus Kreisen der Ermittler hieß. Broadwell, die auch Reserveoffizierin ist, war zunächst nicht für einen Kommentar zu erreichen.

AFP/Getty Images

Der ehemalige CIA-Direktor David Petraeus

Das Weiße Haus wurde erstmals am Mittwoch über die Affäre unterrichtet, wie es aus Regierungskreisen hieß. Obama wurde dann am Donnerstag informiert.

Petraeus erklärte den CIA-Mitarbeitern, er habe mit der Affäre ein "extrem schlechtes Urteilsvermögen" an den Tag gelegt. Sein Verhalten sei als Ehemann und Direktor einer Organisation wie der CIA nicht hinnehmbar. Er habe die Arbeit beim CIA sehr geschätzt und werde immer die Umstände bedauern, die diese beendet hätten. Mit Ehefrau Holly, mit der sei fast vier Jahrzehnten verheiratet ist, hat Petraeus zwei Kinder. Sein Sohn führt in Afghanistan eine Infanterieeinheit.

Verstoß gegen die Sicherheitsvorschriften

Das Verhalten des CIA-Direktors war ein klarer Verstoß gegen die Sicherheitsvorschriften. Es hätte für die USA zum Sicherheitsrisiko werden können, wenn feindliche Mächte von der Affäre gewusst hätten. Selbst ein Verfahren vor einem Militärgericht ist bei so einem Fehlverhalten möglich.

Für Obama ist Petraeus aber "einer der herausragendsten Generäle seiner Generation". Petraeus habe die Soldaten im Irak und in Afghanistan durch eine bemerkenswerte Phase geführt und die USA sicherer und stärker gemacht. Auf die Gründe für den Rücktritt ging Obama indes nicht direkt ein. Seine Gedanken und Gebete seien nun bei David und Holly Petraeus, erklärte er nur.

Petraeus genoss wegen erfolgreicher Einsätze im Irak und Afghanistan in Washington über Parteigrenzen hinweg einen hervorragenden Ruf. Er habe seit Jahrzehnten außerordentliche Dienste für die USA geleistet, teilte Obama schriftlich mit.

60-Jähriger erst seit gut einem Jahr CIA-Direktor

Petraeus stand seit September vergangenen Jahres an der Spitze der CIA. Zuvor hatte er sich als General im Irakkrieg, insbesondere mit seiner Strategie zur Aufstandsbekämpfung, und als Kommandeur der US-Streitkräfte in Afghanistan einen Namen gemacht. Seine Frau Holly lernte er einst als Kadett an der Militärakademie West Point kennen.

In der vergangenen Woche war Petraeus nach Libyen und Jordanien gereist. Von dort hatte er die Reaktion der CIA auf den tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi koordiniert, der noch immer nicht restlos aufgeklärt werden konnte. Nun wird in Washington angenommen, dass bei nichtöffentlichen Sitzungen des Kongresses kommende Woche der vorläufige Nachfolger Morell zu dem Thema Stellung bezieht.

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