Von dapd und Jörgen Camrath
WASHINGTON--Der Direktor des CIA, David Petraeus, ist zurückgetreten. Als Grund nannte er in einem Schreiben eine außereheliche Beziehung. Er bat deshalb bereits am Donnerstag um seine Entlassung. Er habe durch diese Affäre ein "sehr schlechtes Urteilsvermögen" gezeigt, erklärte Petraeus. Obama nahm den Rücktritt am Freitag an.
Petraeus war seit September vergangenen Jahres Chef des Geheimdienstes CIA. Zuvor hatte er sich als General im Irakkrieg und als Kommandeur der US-Streitkräfte im Irak einen Namen gemacht. Sein Vorgänger, Leon Panetta, war an die Spitze des Verteidigungsministeriums gewechselt.
In der Mitteilung an CIA-Mitarbeiter, die dem Wall Street Journal vorliegt, schreibt Petraeus, er habe nach 37 Jahren in einer Ehe ein unentschuldbares Verhalten an den Tag gelegt - sowohl als Ehemann, aber auch als Leiter einer Organisation wie der CIA. Er habe darum den Präsidenten gebeten, seinen Rücktritt zu akzeptieren.
Petraeus bedankte sich bei seinen Mitarbeitern für ihre "herausragende Arbeit für unser Land" und wünschte ihnen viel Glück bei der Bewältigung zukünftiger Aufgaben.
Obama ließ mitteilen, er wünsche Petraeus und seiner Familie alles Gute für die "schwierige Zeit", die vor ihnen liege. David Petraeus sei ein hervorragender General gewesen, der Männer und Frauen in Uniform durch eine bemerkenswerte Zeit während ihres Dienstes im Irak und in Afghanistan geführt habe. Als Direktor der CIA habe er seine Arbeit genauso streng, aber mit Hingabe und Liebe zu seinem Vaterland ausgeführt. Auf jeden Fall habe Petraeus "unser Land sicherer und stärker" gemacht, schrieb Obama.
Lange Anwärter auf den Posten des Generalstabschefs
Vor seiner Ernennung zum Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes CIA im September 2011 galt David Petraeus lange als Anwärter auf den Posten des Generalstabschefs. Um CIA-Direktor zu werden, verabschiedete sich der ehemalige Vier-Sterne-General aus dem aktiven Militärdienst.
Durch seinen Einsatz im Irak 2007 und 2008 wurde Petraeus einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Zuvor hatte er mit dem General der Marineinfanterie James Mattis ein neues Handbuch zur Aufstandsbekämpfung, die Counter Insurgency Strategy, verfasst. Die Strategie stieß auch außerhalb der Streitkräfte auf großes Interesse, innerhalb weniger Wochen wurde sie 1,5 Millionen Mal aus dem Internet heruntergeladen.
Im Irak konnte Petraeus die Theorie dann in die Praxis umsetzen. Er befahl den US-Truppen, ihre schwer gesicherten Stützpunkte zu verlassen und mit kleinen Einheiten im ganzen Land auszuschwärmen. Sie sollten Tag und Nacht zusammen mit Soldaten der irakischen Streitkräfte Präsenz zeigen, Druck auf den Feind ausüben und gleichzeitig ein Vertrauensverhältnis zur Bevölkerung aufbauen. Als Petraeus seinen Posten im Irak verließ, waren sich die meisten Beobachter einig, dass die deutliche Stabilisierung des Landes vor allem auf seine neue Strategie zurückzuführen sei.
Leiter des Zentralkommandos der US-Streitkräfte
Nach seinem Erfolg im Irak ernannte ihn der damalige US-Präsident George W. Bush zum Leiter des Zentralkommandos der US-Streitkräfte, das für den Nahen und Mittleren Osten zuständig ist. Als General Stanley McChrystal im Juni 2010 wegen ungebührlicher Äußerungen in einem Artikel des Magazins "Rolling Stone" seinen Posten als Oberkommandierender in Afghanistan räumen musste, sprang Petraeus auf Bitten von US-Präsident Obama kurzfristig ein.
Petraeus wuchs in einem kleinen Ort in der Nähe der Militärakademie West Point im US-Staat New York auf. 1970 trat er in die Kaderschmiede ein und wurde zum Leutnant der Infanterie ausgebildet. Seinen ersten Auslandseinsatz absolvierte Petraeus bei einer Fallschirmjägereinheit in Italien. In den 1980er Jahren promovierte er an der angesehenen Princeton Universität und lehrte Internationale Beziehungen in West Point.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Associated Press




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