Von DANIEL INMAN
Aktien von chinesischen Unternehmen sind bei Anlegern wieder beliebt – aber nur außerhalb des chinesischen Festlandes. Ausländische Investoren greifen bei chinesischen Papieren an der Hongkonger Börse ordentlich zu und lassen die Kurse in den Himmel schießen. Doch auf dem chinesischen Festland geht es nach unten. Dort ist die Nachfrage der heimischen Anleger schwach, seitdem die Konjunktur in China Anzeichen der Schwäche zeigt.
Das Ergebnis: Zwischen der Börse in Hongkong, das zwar zu China zugehört, aber ein autonomes Regierungs- und Finanzsystem hat, und der Börse in Schanghai sind ungewöhnlich hohe Preisunterschiede für Anteile an ein- und demselben Unternehmen entstanden.
Es ist das erste Mal seit über einem Jahr, dass Aktien in Hongkong teurer sind als auf dem Festland. Vor wenigen Monaten waren chinesische Aktien laut dem Hang Seng China AH Premium Index noch zwölf Prozent teurer als in Hongkong.
Historisch gesehen waren chinesische Anteile meist teurer, da heimische Investoren nur wenige Anlagemöglichkeiten haben und es durch Beschränkungen schwieriger ist, im Ausland zu investieren. Einige Anleger versuchen, die Situation auszunutzen, indem sie Anteile in Schanghai kaufen und darauf hoffen, dass sich die Lücke wieder schließt.
Aktienfonds investierten im Oktober 2,8 Milliarden Dollar in Anteile, die auf dem chinesischen Festland gehandelt werden. Das ist der größte monatliche Zufluss seit Januar, berichtet der Fonds-Analysedienst EPFR Global.
Gigi Chan, Manager des 100 Millionen Dollar schweren China Opportunities Fund von Threadneedle Investments in Singapur, macht sich diesen Trend ebenfalls zunutze und erhöht seine Positionen in chinesischen A-Aktien, die in Yuan und hauptsächlich von chinesischen Investoren gehandelt werden. „Der Markt für A-Aktien hat sich lange schlecht entwickelt und sieht heute sehr interessant aus", sagt Chan.
Anleger sind sich bewusst, dass dieser Rabatt „schnell verschwinden könnte", sagt Gary Dugan, Chief Investment Officer für Asien und Nahost beim Vermögensverwalter Coutts & Co. Viele Anleger zählten darauf, dass „der einfache Mann auf der Straße in China wieder zuversichtlicher über chinesische Aktien denkt, so wie ausländische Anleger", wenn China in wenigen Wochen seine neue Führungsriege installiert hat, sagt Dugan.
Mehr zur chinesischen Wirtschaft
Ausländische Investoren sind China gegenüber wieder optimistischer, da sie zuversichtlich sind, dass sich die Wirtschaft positiv entwickelt und der Regierungswechsel problemlos über die Bühne gehen wird. Typischerweise kaufen sie ihre Aktien in Hongkong, da die Geldflüsse dort kaum kontrolliert werden. Auf dem Festland hingegen gibt es strikte Beschränkungen für ausländische Investoren. Der Markt in Schanghai hängt dadurch stärker von kleinen, heimischen Anlegern ab.
Der Hang Seng China Enterprises Index, der die Entwicklung von Festland-Unternehmen misst, die in Hongkong gehandelt werden, ist seit seinem Tiefpunkt am 5. September schon um 20 Prozent gestiegen. Der Shanghai Composite, der die Aktien unter sich vereint, die auf dem chinesischen Festland gehandelt werden, hat sich von allen Indizes in Asien dieses Jahr am schlechtesten entwickelt. 2012 ist er bisher um 4,3 Prozent gefallen.
An der Börse in Hongkong sind Aktien der Industrial and Commercial Bank of China seit Anfang September um 24 Prozent gestiegen und schlossen am Mittwoch bei 5,21 Hongkong-Dollar (etwa 4,2 Yuan). Die A-Aktien der ICBC, die an der Börse Schanghai gelistet sind, sind im gleichen Zeitraum um schwache 1,3 Prozent gestiegen und werden bei 3,88 Yuan gehandelt.
Anteile der Ping An Insurance sind in Hongkong seit Anfang September um zwölf Prozent gestiegen und schlossen am Mittwoch bei 62,60 Hongkong-Dollar (50,4 Yuan). Die A-Aktien haben seitdem stagniert und schlossen am Mittwoch bei 38,92 Yuan.
Richard Heyes, Leiter für den Bereich asiatische Aktien bei der Citigroup in Hongkong, sagt, es riefen ihn immer mehr Hedgefonds-Manager an, die Festland-Aktien aufkaufen wollen, seit diese billiger geworden sind als die Aktien in Hongkong.
Es bleiben Zweifel am Aufschwung
Ausländische Investoren können jedoch nicht ohne weiteres unbegrenzt Aktien in China kaufen, da diese Transaktionen streng reguliert sind. Außerdem sind einige Anleger skeptisch, dass der chinesische Markt den Pessimismus der heimischen Investoren überwinden kann. Der Shanghai Composite Index hat seit seinem Höhepunkt 2007 fast zwei Drittel seines Wertes verloren.
„Es bleiben Zweifel an dem Aufschwung, wodurch Anleger keine großen Positionen aufgebaut haben", sagt Zhang Suoqing, Analyst bei Shenzhen Zhongzheng Investment Consulting.
Adrian Zuercher, Senior Investment Strategist bei Credit Suisse Asset Management in Hongkong, glaubt ebenfalls, dass die Einstellung gegenüber chinesischen Aktien weiter negativ sei, doch die ersten Anzeichen einer Stabilisierung in China machten ihm Mut. Zuercher, der etwa 392 Milliarden Dollar verwaltet, hat sowohl chinesische Aktien auf dem Festland-Markt als auch in Hongkong gekauft.
Francis Cheung, leitender Stratege für den Bereich China-Hongkong beim Hongkonger Brokerhaus CLSA, ist optimistisch, dass Neuerungen am A-Aktienmarkt durch die Börsenaufsicht den Markt wiederbeleben werden. Zum Beispiel sollen die Kontingente für ausländische Anleger vergrößert werden, die Handelsgebühren sollen sinken und staatliche Pensionsfonds sollen ermutigt werden, stärker in Aktien zu investieren. „Sie werden so lange Reformen liefern, bis sie einen Wendepunkt erreichen und der Markt wieder anzieht", sagt Cheung. „An diesem Punkt sind wir noch nicht, aber nächstes Jahr werden wir ihn wahrscheinlich erreichen."
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de






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