Von BENJAMIN KRIEGER
Gold und Bundesanleihen kaufen und Aktien verkaufen: So könnte die Anlageempfehlung für die kommenden Wochen lauten. Die Schuldenkrise trifft Europas Wirtschaft härter als erwartet. In Frankreich ist die Produktion der Industrie im September fast doppelt so stark geschrumpft wie erwartet. In Deutschland ist sie sogar mehr als dreimal so stark gesunken wie prognostiziert. Die Botschaft: Die Schuldenkrise der Eurozone-Peripherie zieht immer stärker auch die Kernzone in Mitleidenschaft.
Das ist schlecht für Deutschland und für den Dax. Denn mit Frankreich, den Niederlanden und Österreich zählen drei der sieben größten Handelspartner Deutschlands zur Kernzone. Für knapp 230 Milliarden Euro exportierten deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr Güter und Dienstleistungen allein in diese drei Länder. "Die Zukunft sieht jetzt mehr als mau aus", sagt der Aktienstratege Heino Ruland. Die Unternehmen seien zwar noch gut ausgelastet, bauten aber immer mehr ihre Auftragsbücher ab.
Ausverkauf ist bereits in vollem Gange
Der Order-Capacity-Index, der das Verhältnis von Auftragseingängen zur Produktionskapazität misst, ist jüngst auf den niedrigsten Stand seit Ende 2009 gefallen. Sinkt erst einmal die Auslastung, dann kommt laut Ruland Druck auf die Margen und Gewinne. Und darauf reagieren die Börsen, wo bekanntlich die künftigen Gewinne der Unternehmen eingepreist werden, mit Kursverlusten. Der Ausverkauf ist schon in vollem Gange, seit Mittwoch hat der Dax fast 250 Punkte eingebüßt.
Was gegen Aktien spricht, spricht für Bundesanleihen. Der jüngste Aufwärtstrend ist beeindruckend: Der Bund-Future, ein Terminkontrakt auf Bundesanleihen, ist an 11 der vergangenen 16 Handelstage gestiegen. Am Freitag auf den höchsten Stand seit dem 23. Juli. Zwar werfen zehnjährige Bundespapiere mit 1,35 Prozent nur noch eine ausgesprochen magere Rendite ab. Allerdings lag der Zins im Rekordtief von 1,13 Prozent schon merklich tiefer. "Sodass noch erhebliches Potenzial nach unten besteht, ehe unbekanntes Terrain erreicht ist", sagt Markus Koch von der Commerzbank.
Anleger flüchten in den sicheren Hafen Bundesanleihe
Neben der Konjunkturmisere in der Eurozone sorgen die Hängepartien um Griechenland und Spanien für Käufe im sicheren Hafen der Bundesanleihen. Am Montag beraten die Finanzminister der EU über eine weitere Hilfstranche für Athen. Commerzbank-Analyst Koch rechnet damit, dass die Mittel freigegeben werden. Dann allerdings werde sich das Interesse an den Finanzmärkten rasch Spanien zuwenden. Hier geht es nicht mehr darum, ob das Land offiziell um Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds bittet, sondern wann.
Diese nach wie vor offenen Fragen belasten auch die Gemeinschaftswährung. In den vergangenen drei Wochen hat sie zum US-Dollar mehr als vier US-Cent eingebüßt auf ein Zweimonatstief. Nun aber droht dem Dollar Ungemach. Die USA müssen die Fiskalklippe umschiffen. Setzen die Republikaner die Blockade gegen Barack Obamas Haushaltspläne fort, dann werden zum 1. Januar 2013 automatisch Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen wirksam. Die würden die US-Wirtschaft mit rund 600 Milliarden Dollar belasten.
"Die Gefahr einer US-Rezession zu Jahresbeginn ist keinesfalls gebannt", meint Carsten Klude von M.M. Warburg. Das könnte den Dollar belasten. In diese Kerbe haut auch das Bankhaus Metzler: "Wir denken, dass die USA und damit auch der Dollar auf den Prüfstand gestellt werden." In Sachen Verschuldung erzielten die USA keine Fortschritte. Und mit der Wiederwahl Barack Obamas könnte auch die superlockere Geldpolitik in die nächste Runde gehen. "Wir sehen den Euro zum US-Dollar mittel- bis langfristig im Vorteil", lautet das Fazit der Metzler Bank.
Kontakt zum Autor: benjamin.krieger@dowjones.com







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