• The Wall Street Journal

Florida zählt und zählt und zählt ...

In Florida steht das Ergebnis der Präsidentschaftswahl auch Tage nach der großen Abstimmung immer noch aus. Während in sämtlichen anderen Bundesstaaten der USA der Sieger längst feststeht, zählen die Wahlhelfer in Florida immer noch Stimmzettel. Nach letztem Stand vom Donnerstagabend liegt Präsident Barack Obama in Florida mit 49,9 Prozent vor dem Republikaner Mitt Romney mit 49,2 Prozent – ein Plus von 58.070 Wählerstimmen.

Laut Gesetz müssten alle Wahlzettel erneut ausgezählt werden, wenn der Vorsprung bei 0,5 Prozent oder weniger liegen sollte. Der Verlierer kann aber darauf verzichten.

Associated Press

Mandy Montanez bei der Auswertung von Briefwahlzetteln in Doral, Florida. In einigen Bezirken des Bundesstaates zieht sich die Stimmauszählung der Präsidentschaftswahl weiter hin.

Obamas Wahlkampfmanager Jim Messina sagte am Donnerstag, dass sie sehr bald zum offiziellen Sieger in Florida ernannt werden. „Wir werden diesen Vorsprung halten." Auch Brett Doster, ein Romney-Berater, räumte gegenüber zwei örtlichen Zeitungen ein, dass die Republikaner in Florida wohl verloren haben. „Wir dachten, dass wir aufgrund unserer Umfragen und organisatorischen Reichweite alles Nötige getan haben, um zu siegen", sagte Doster den Zeitungen. „Offenbar haben wir das nicht getan." Mitarbeiter aus Romneys Wahlkampfteam waren nicht umgehend für eine direkte Stellungnahme zu erreichen.

Florida hat noch immer keinen Überblick

Dass in Florida immer noch kein Wahlsieger feststeht, liegt vor allem an der schleppenden Auszählung der Briefwahlzettel in vier Stimmbezirken. Bis zum Wahltag selbst durften Wähler in Florida diese Briefwahlstimmen persönlich einreichen. Bis Samstag wollen die Behörden bekanntgeben, um wie viele Zettel es sich dabei handelt.

Außerdem ist unklar, wie viele vorläufige Wahlzettel noch ausgewertet werden müssen und ob diese eventuell das Endergebnis beeinflussen könnten. Bürger können ihre Stimme unter Vorbehalt abgeben, wenn sie sich am Stichtag selbst nicht ausreichend ausweisen konnten oder sonstige Ungereimtheiten zu ihrer Wahlberechtigung bestanden.

In einem der problematischen Stimmbezirke seien in diesem Jahr mit 165.000 besonders viele Briefwahlstimmen angefallen, sagt eine Behördensprecherin. Deshalb verzögere sich die Auswertung. In anderen Bezirken aber waren sogar mehr als 249.000 Briefwahlstimmen angefallen und trotzdem war man dort am Mittwoch gegen 2 Uhr nachts mit der Auszählung fertig.

Wahlleitung sagt: "Wir sind gründlich"

Die Verantwortlichen mahnen zur Ruhe: „Wir machen keine Fehler", sagt Chris Cate, Sprecher des Wahlleiters in Florida. „Allen, die gerade auf Florida schauen, soll versichert sein, dass wir einen gründlichen Prozess durchlaufen."

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Anders als im Jahr 2000, als das Kopf-an-Kopf-Rennen der Kandidaten in Florida letztlich die Präsidentschaftswahl vor dem Obersten Gerichtshof entschied, geht es in diesem Jahr im Grunde nur noch darum, die letzte Gewissheit für einen bereits entschiedenen Kampf zu bekommen. Im ganzen Land hat Obama bereits genug Wahlmännerstimmen zusammenbekommen, um sich eine zweite Amtszeit zu sichern. Er zählte 303 Stimmen im Vergleich zu Romneys 206. Aber mit der nach wie vor offenen Situation in Florida, dem größten Schlüsselstaat für diese Wahl, haftet immer noch der Hauch des Unbestimmten am Gesamtergebnis.

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