• The Wall Street Journal

Tauziehen um den Yuan

[image] Associated Press

Die chinesische Notenbank hält beim Wechselkurs zum Dollar wieder den Deckel auf dem Yuan. Sie will während des Machtwechsels in der Kommunistischen Partei keine Unruhe an der Währungsfront. Das sorgt aber für Verärgerung unter den Anlegern weltweit.

SCHANGHAI—Chinas Währungshüter versuchen mit aller Kraft, den Höhenflug des Yuan aufzuhalten und verärgern damit die Anleger. Der Wert der Devise ist zum US-Dollar seit Anfang des Jahres um 0,8 Prozent gestiegen und Investoren meinen, das sollte ruhig auch so weitergehen. Die chinesische Notenbank (PBOC) aber hat in den vergangenen zwei Wochen den weiteren Auftrieb der einheimischen Währung zunehmend gedeckelt.

Chinas Regierung hat einen starken Anreiz zu verhindern, dass der Yuan ausgerechnet während der heiklen Machtübergabe in der Kommunistischen Partei zu heftig steigt und die aufkeimende wirtschaftliche Erholung zunichte macht. Vor und nach einem wichtigen innenpolitischen Ereignis achtet die Regierung aus Angst vor wirtschaftlichen Turbulenzen und gesellschaftlichen Unruhen besonders genau darauf, dass die Lage in der Wirtschaft und auf den Finanzmärkten stabil ist.

„Stabilität scheint für die Regierung zurzeit die oberste Priorität zu sein", sagt He Weisheng, ein Stratege bei der Citibank China und verweist auf die Präsidentschaftswahl in den USA und den Machtwechsel in China – zwei politische Großereignisse, die nahezu zeitgleich stattfinden. Die PBOC habe die Preisbindung stabil gehalten, damit sich die Sicht der Märkte auf das Verhältnis von Yuan und Dollar nicht „exzessiv verzerrt", sagt He.

Chinesische Notenbank sieht Yuan im Gleichgewicht

Die chinesische Zentralbank meldete sich auf Anfrage nicht zurück, aber ihre Vertreter haben das Niveau des Yuans schon zuvor verteidigt. Bei einem Treffen von Spitzenkadern der Kommunistischen Partei am Donnerstag in Peking sagte der Vize-Gouverneur der PBOC, Yi Gang, dass sich der Wechselkurs der Währung fast im Gleichgewicht befinde.

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Während der Präsidentschaftswahl in den USA machten Politiker und Unternehmer den Wert des Yuan zum Streitthema. Sie warfen China vor, die Währung künstlich abzuwerten, um den Exporteuren im Land zu helfen, deren Waren bei einem schwachen Yuan in Amerika preiswerter werden. Der republikanische Wahlverlierer Mitt Romney kündigte gar vollmundig an, wenn er Präsident würde, würde er am ersten Tag im Amt China der Währungsmanipulation bezichtigen. Das hätte zwar keine direkten Folgen für den Handel oder Strafen nach sich gezogen, hätte Peking aber sicherlich verärgert.

Analysten sagen, die chinesische Notenbank habe in den vergangenen Monaten zugelassen, dass sich der Yuan zum US-Dollar erhöht, weil sie vor der Präsidentschaftswahl Spannungen mit den USA habe glätten wollen. Dass sie nun eingreife, „spiegelt das Verlangen wider, die handelslastige Aufwertung zu bremsen, die seit ein paar Wochen anhält und den Exporteuren das Leben schwer macht", sagt Dariusz Kowalczyk, ein Stratege der Bank Crédit Agricole CIB.

Anleger wollen Yuan steigen sehen

In China setzt die Zentralbank den Wechselkurs von Yuan und Dollar täglich fest. Im Devisenhandel darf der Yuan dann um ein Prozent nach oben oder unten von dieser so genannten Paritätsrate abweichen. In den vergangenen zwei Wochen aber ließ die Notenbank diese Rate nahezu unverändert. Am Donnerstag setzte sie den Wechselkurs auf 6,3060 Yuan je Dollar, was nur leicht unter den 6,3047 vom 25. Oktober lag.

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Peking will während des politischen Machtwechsels Stabilität. Im Bild Vizepräsident Xi Jinping hinter dem scheidenden Präsidenten Hu Jintao, vorne links, und dem früheren Präsidenten Jiang Zemin, auf dem Parteikongress.

Anleger aber glauben, der Yuan sollte weiter steigen. Zwar ist die sonst so starke Nachfrage nach chinesischen Gütern wegen der Wirtschaftsschwäche in der Eurozone und in den USA zurückgegangen. Aber die jüngsten Wirtschaftsdaten aus China waren vielversprechend, und Investoren finden weltweit gerade mehr Gefallen an renditestärkeren Anlagemöglichkeiten in Schwellenländern. Entsprechend hat sich die Nachfrage nach der chinesischen Währung in den vergangenen Wochen stark erhöht. Allein in den vergangenen acht Handelstagen drückten Investoren den Wert des Yuan ans obere Ende der festgelegten Kursspanne.

Seit dem 25. Oktober klebt der Yuan nun regelrecht an der Obergrenze der Skala; zum Dollar hat er sich nur um 0,02 Prozent abgeschwächt. Das ist außergewöhnlich, vergleicht man die Entwicklung des Dollars gegenüber anderen Währungen: So hat sich der Dollarindex des Wall Street Journal, der den Dollarkurs in Bezug zu einem Korb der wichtigsten Währungen setzt, im selben Zeitraum um 0,6 Prozent erhöht. Immerhin war der Yuan in den zwei Wochen vor dem 25. Oktober ebenfalls um 0,6 Prozent gestiegen.

Forderung nach einer größeren Bandbreite für Yuan

„Diese Episode war ein wenig überraschend für die chinesischen Behörden. Ich glaube nicht, dass sie sich darüber im Klaren waren, wie stark die Zuflüsse sein können", sagt Cliff Tan, Stratege bei der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ.

Anleger wundern sich über die Kluft zwischen den Erwartungen der Investoren und der tatsächlichen Paritätsrate. Schon wurden neue Rufe nach einer Entfesselung des Yuan laut. Er sollte sich in einer deutlich breiteren Spanne bewegen dürfen, heißt es.

China sollte den Handelskorridor des Yuan „erheblich" ausweiten, weil ein unflexibler Wechselkurs der Zentralbank die geldpolitische Steuerung erschwere, schrieb etwa Liu Yuhui, Leiter einer Finanzforschungsgruppe an der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, in der staatlichen Fachzeitschrift China Securities Journal am Mittwoch.

Aber auf die Frage, ob China darüber nachdenke, den tägliche Kurskorridor des Yuan zum Dollar zu erweitern, sagte Zentralbank-Vize Yi, die derzeitige Handelsspanne sei „angemessen".

Mitarbeit: Yajun Zhang und Lingling Wei

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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