Von KRISTINA PETERSON und JON HILSENRATH
Barack Obama bleibt Präsident – das bedeutet, dass die US-Notenbank ihre lockere Geldpolitik beibehalten dürfte, bis die Wirtschaft sich erholt hat. Die Federal Reserve hat bereits angekündigt, dass sie die Zinsen für kurzfristige Anliehen voraussichtlich mindestens bis zum Jahr 2015 nahe Null lassen wird. Bei der Fed geht man nicht davon aus, dass Obama das ändern will.
Ein Präsident kann die politisch unabhängige Zentralbank zwar nicht direkt beeinflussen, er beruft aber – unter Zustimmung des Senats – die Mitglieder des siebenköpfigen Verwaltungsrats. Obama hat der Fed bereits seinen Stempel aufgedrückt, indem er Ben Bernanke als Präsidenten wieder berufen hat und fünf der sechs anderen Mitglieder bestimmt hat. Und Obama wird auch den Nachfolger von Bernanke ernennen. Der Fed-Chef wird voraussichtlich im Januar 2014 abtreten, wenn seine Amtszeit vorüber ist.
„Es ist schwer vorstellbar, dass Obama jemanden auswählt, der komplett mit der aktuellen Geldpolitik bricht", sagte Roberto Perli, ein ehemaliger Mitarbeiter der Fed, der nun Manager bei der International Strategy and Investment Group ist. Der Präsident werde wahrscheinlich jemanden auswählen, der auch glaubt, dass eine „lockere Geldpolitik zu diesem Zeitpunkt notwendig ist".
Vizepräsidentin ist Anwärterin auf den Chefposten
Seit September kauft die Fed jeden Monat zusätzliche Anleihen für 40 Milliarden US-Dollar. Das will die Notenbank so lange tun, bis sich der Arbeitsmarkt deutlich stabilisiert hat. Die Fed tauscht bereits monatlich kurzfristige Anleihen im Wert von 45 Milliarden Dollar gegen langfristige. Bei der Sitzung am 11. und 12. Dezember wird die Notenbank entscheiden, ob sie die beiden Programme fortsetzt.
Unter Obama als Präsident ist die derzeitige Vizepräsidentin der Fed eine heiße Anwärterin auf den Chefposten. Janet Yellen war Wirtschaftsprofessorin an der University of California in Berkeley und wurde 1990 Mitglied im Verwaltungsrat der Fed. Als Bill Clinton Präsident war, leitete sie den Rat der Wirtschaftsberater. Bevor sie 2010 als Vizepräsidenten zur Fed zurückkehrte, hatte sie der Notenbank von San Francisco vorgestanden. Yellen wäre die erste Frau, die die Notenbank anführt.
Ihre Philosophie in Sachen Geldpolitik ähnelt der von Bernanke. Wie er glaubt Yellen, dass die Niedrigzinspolitik der Fed dazu beitragen kann, den Arbeitsmarkt anzukurbeln. Damit stoßen die beiden durchaus auf Kritik aus der Notenbank und von außen. Die Politik der Fed könne die Probleme auf dem Arbeitsmarkt mit einer Arbeitslosenquote von 7,9 Prozent nicht lösen, sagen die Kritiker.
Der nächste Fed-Chef dürfte auch den gemeinsamen Entscheidungsprozess fördern, wie es Ben Bernanke tut. Die Präsidenten der regionalen Notenbanken haben sich inzwischen daran gewöhnt, dass sie einen größeren Einfluss auf geldpolitische Entscheidungen haben, als das bei ihren Vorgängern unter dem Ex-Fed-Chef Alan Greenspan der Fall war.
Er glaube nicht, dass Yellen die Notenbank so wie Greenspan führen würde, sagte Michael Feroli, US-Chefökonom bei J.P. Morgan Chase.
Zu den anderen potenziellen Kandidaten für den Posten gehören drei ehemalige Vizepräsidenten der Fed: Neben Donald Kohn, der nun als Wissenschaftler bei der Brookings Institution tätig ist, sind das Roger Ferguson, Chef der Pensionskasse TIAA-CREF, und Alan Blinder, Wirtschaftsprofessor an der Princeton University. Der ehemalige Finanzminister und Top-Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Lauwrence Summers, könnte auch nominiert werden. Derzeit ist Summers Professor in Harvard.
Der Auswahlprozess für den nächsten Fed-Chef wird wohl hinter dringlicheren Personalentscheidungen, die Obama zu Beginn seiner zweiten Amtszeit treffen muss, zurückstehen. Finanzminister Timothy Geithner will im Januar aufhören, ebenso wie Außenministerin Hillary Clinton. Gewöhnlich warten Präsidenten bis zum Sommer oder Herbst, ehe sie den Fed-Chef berufen.
Auswirkungen auf die Arbeit der Notenbank wird die Entscheidung des Weißen Hauses und des Kongresses haben, wie sie mit den im Januar auslaufenden Steuererleichterungen und den geplanten Ausgabenkürzungen verfahren. Die Republikaner haben weiterhin eine Mehrheit im Repräsentantenhaus, die Demokraten halten eine dünne Mehrheit im Senat – es sieht also ganz danach aus, dass Regierung und Abgeordnete wieder darüber aneinander geraten, wie das Haushaltsdefizit abgebaut werden soll, ohne die konjunkturelle Erholung abzuwürgen. Wenn es zu keiner Einigung kommt, könnte das die Wirtschaft trotz aller Bemühungen der Fed torpedieren.
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