• The Wall Street Journal

Commerzbank bleibt Details zum Umbau schuldig

Reuters

Commerzbank-Chef Martin Blessing will viel Geld in die Hand nehmen und gleichzeitig sparen, um sein Haus zukunftsfähig zu machen. Bei dem aktuell niedrigen Zinsniveau ist das ein schwieriges Unterfangen.

Mit Investitionen in Technik, Filialen und neue Produkte will die Commerzbank zukunftsfest machen. Doch außer Lippenbekenntnissen hat das Frankfurter Geldhaus wenig Konkretes geliefert. Sparen und investieren will man, insgesamt zwei Milliarden nimmt sie dafür in die Hand. Statt konkreter Ansagen, ob Stellen gestrichen und Filialen abgebaut werden, wie das angekündigt war, begnügt sich das Bankhaus mit vollmundigen Formulierungen. Eine „moderne Multikanalbank" will die Commerzbank aufbauen. Angesichts der Krise im Finanzgeschäft wollen die Frankfurter zurück zur „neuen Normalität" in ihrer Branche.

Größtes Sorgenkind der Commerzbank ist das Privatkundengeschäft. Hier hat die Bank derzeit 11 Millionen Kunden. Bis 2016 will Vorstandschef Martin Blessing eine Million Kunden dazugewinnen, um ein operatives Ergebnis von 500 Millionen Euro zu schaffen. Auf den ersten Blick erscheint das als ein ambitioniertes Ziel. In den ersten neun Monaten verbuchte die Commerzbank gerade einmal 215 Millionen Euro Gewinn. Auch davon stammt ein guter Teil von der Onlinebank comdirect, an der die Commerzbank rund 80 Prozent hält.

Was vor dem Hintergrund der aktuellen Zahlen ehrgeizig klingt, wirkt beim Blick zurück eher bescheiden. 2008 hatte die Commerzbank nach der Fusion mit der Dresdner Bank noch mehr als 4 Milliarden Euro operativen Gewinn in der Kernbank angepeilt. Rund 800 Millionen Euro verbuchte sie damals im Privatkundengeschäft. Die neuen Ziele liegen also deutlich unter den Erfolgen der Vergangenheit. Allerdings war das allgemeine Zinsniveau nicht so niedrig wie heute. Keine Erfolge seit damals gab es bei den Kunden. Ihre Zahl lag schon zu Zeiten der Fusion bei 11 Millionen.

Ziel: "Aufbau einer Multikanalbank"

Das weiß auch Blessing, der die strategische Neuausrichtung des Segments plant. Eine Milliarde Euro will er jetzt in das Privatkundengeschäft investieren. „Ziel ist der Aufbau einer Multikanalbank, die moderne Technologien mit traditionellen Werten verbindet", heißt es in der Strategiemitteilung der Bank.

Das dürfte bedeuten, dass Kunden nicht nur in der Filiale, sondern vermehrt online versorgt werden sollen. Blessing hat bereits häufiger angedeutet, er würde seine Kunden künftig am liebsten über das Internet und nicht mehr in allen Angelegenheiten in den aktuell noch rund 1.200 Filialen begrüßen.

Deshalb fürchten Mitarbeiter auch einen massiven Abbau von Stellen. In Medienberichten war bereits von bis zu 6.000 Jobs die Rede, die konzernweit wegfallen könnten. Dazu verliert die Commerzbank in ihrer Strategievorstellung allerdings kein Wort.

Neben den Privatkunden setzt die Commerzbank auch künftig auf das Geschäft mit dem Mittelstand, wo sie schon eine führende Position am Markt hat. Hier will Blessing bis 2016 weiter ausbauen – vornehmlich mit neuen Kunden. In vier Jahren soll das Geschäft mit dem Mittelstand eine Verzinsung von mehr als 20 Prozent bringen.

Wieder hilft ein Blick in die Vergangenheit: 2008 lag die Eigenkapitalrendite bereits bei 21 Prozent. Auch die Ziele für das Investmentbanking und das Osteuropa-Geschäft - die zwei anderen Kernbereiche der Commerzbank - klingen eher bescheiden.

Aus Sicht der Analysten der Berenberg Bank ist die neue Strategie "eine Enttäuschung". Was die Commerzbank als eine Anpassung an die "neue Normalität" an den Finanzmärkten bezeichne, geht aus Sicht der Analysten genau daran vorbei. "Die neue Strategie adressiert nicht die strukturellen Probleme, die Ursache für die Krise waren", heißt es in der Berenberg-Studie. Aus Sicht der Analysten wäre es wichtig, sich dem Abbaubereich zu widmen und sich auf zehn bis 20 Jahre schwaches Wachstum einzustellen. Dazu wäre eine fundamentale Umstrukturierung der Bilanz, der Kosten und Risiken notwendig. Stattdessen verfolge die Commerzbank das Ziel, die Kosten stabil zu halten und mit höheren Einnahmen das Kosten-Ertragsverhältnis zu verbessern. "Das kann man im aktuellen Marktumfeld nicht umsetzen, deswegen wird sie scheitern", erklären die Analysten.

Die Bad Bank bleibt ein schweres Erbe

Eine Dauerbaustelle wird die Commerzbank mit dem Umbau ihrer Kerngeschäfte nicht los: Belastend wird sich auch in den nächsten Jahren die Bad Bank auswirken. Sie ist derzeit 160 Milliarden Euro schwer und soll in den kommenden Jahren um mindestens 40 Prozent abgebaut werden - ohne Verkäufe. Wie die Bank das genau bewerkstelligen will? Nein, auch dazu äußert sie sich nicht weiter.

Klar ist derzeit eigentlich nur eines: Die großen Träume der Commerzbank, ein zweiter „nationaler Champion" neben der Deutschen Bank zu werden, sind inzwischen ausgeträumt. Die anhaltende Krise der Finanzbranche hat das Geldhaus mit Katerstimmung aufwachen lassen.

Kontakt zum Autor: Alexandra.Edinger@dowjones.com

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