• The Wall Street Journal

Französische Modemarke Lacoste kommt in Schweizer Hände

Die bekannte Bekleidungsmarke mit dem Krokodil als Logo geht in Schweizer Hände über. Wichtige Familieneigner des französischen Traditionsunternehmens Lacoste verkaufen ihre Anteile an die Schweizer Gruppe Maus Frères. Damit endet die fast 80-jährige Inhaberschaft und Führung durch die Familie Lacoste. Das Bekleidungsunternehmen erlangte Weltruhm mit seinen Shirts und anderer Tennisbekleidung. Doch ein unversöhnlicher Streit führt nun zum Ende der Familientradition.

Die Chefin des Verwaltungsrats, Sophie Lacoste Dournel, und eine Gruppe von Familienanteilseignern kündigten "mit großes Trauer" den Verkauf ihres 28-Prozent-Pakets an die Schweizer Gruppe an. Der Schritt ist die jüngste Entwicklung in einem Streit, der zwischen den zwei Generationen der Gründerfamilie besteht. Lacoste Dournel war im September zur Verwaltungsratschefin der nicht börsennotierten Gesellschaft gewählt worden. Dabei verdrängte sie ihren eigenen Vater Michel Lacoste von der Top-Position in der Bekleidungsfirma. Lacoste hatte die Position seit 2005 innegehabt. Der Vater äußerte im Anschluss öffentlich Kritik an den Managementfähigkeiten seines Nachwuchses.

Agence France-Presse/Getty Images

Ein Lacoste-Geschäft in Frankreich - das französische Traditionsunternehmen kommt in Schweizer Hände.

Lacoste hielt die Situation in dem von seinem Vater René gegründeten Unternehmen für nicht mehr nachhaltig. Deswegen verkauften er und einige Familienmitglieder einen gut 30-prozentigen Anteil bereits vergangenen Monat an die Schweizer. Bereits zuvor hatte die Maus-Gruppe 35 Prozent an Lacoste besessen.

Dieser Deal bewertete Lacoste mit zwischen 1 Milliarde und 1,25 Milliarden Euro. Tochter Lacoste Dournel und ihre Gruppe hatten die Option, das Gesamtunternehmen von der Schweizer Firma aufzukaufen. Die Alternative wurde jetzt Wirklichkeit: Lacoste Dournel veräußerte nun auch ihren Anteil zu den gleichen Bedingungen, die für die Gruppe ihres Vaters galten.

Lacoste Dournel und ihre Gruppe hatten alle Möglichkeiten zur Finanzierung einer Übernahme geprüft. Allerdings: "Bei dieser hohen Bewertung wurde es sehr kompliziert." Die Tochter beklagte sich über den schweren persönlichen Konflikt, den sie nicht bewältigen konnte.

Die Entzweiung ist eine peinliche Wendung für die einstige französische Bekleidungsikone, die René Lacoste im Jahr 1933 gegründet hatte. Der legendäre Sportler trumpfte damals als einer der weltweit besten Tennisspieler auf und verdiente sich wegen seiner Zähigkeit und Ausdauer auf dem Platz den Spitznamen "das Krokodil". Der Erfolg der Marke hielt bis in die jüngste Vergangenheit an und profitiert nun von der Beliebtheit von Luxusgütern. Der Umsatz kletterte im Jahr 2011 um 14 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro.

Der Bruch zwischen den Familienmitgliedern Lacoste war öffentlich geworden, als Michel die Position des Verwaltungsratsvorsitzenden verlor. In einem Interview mit der französischen Tageszeitung Le Monde hatte der verbitterte Familienvater über seine Tochter gesagt: "Sie hat nicht einen Tag ihres Lebens im Unternehmen verbracht und verfügt nicht über die Fähigkeiten, es zu führen."

Seine Tochter lehnte jeglichen Kommentar zum Familienstreit ab. Auf einer Pressekonferenz hatte sie allerdings ihre Unzufriedenheit mit der Situation ausgedrückt. Nun glaubt sie an eine Zukunft der Marke Lacoste unter der Ägide von Maus. Der Verkauf fiel ihr allerdings nach eigenem Bekunden schwer: "Die Beteiligung stammt von unseren Großvätern. Wir sollten sie weiterreichen. Die Entscheidung, sie zu verkaufen, war sehr schwer."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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