Von ALEXANDRA EDINGER
Die Commerzbank will nicht nur sparen, sie legt auch einen Wachstumsplan bis 2016 auf - für Branchenexperten ist das eine Überraschung. Insgesamt zwei Milliarden Euro will das Bankhaus investieren, um die Ertragskraft in den Kernbanksegmenten Privatkunden, Mittelstandsbank, Corporates & Markets sowie Central & Eastern Europe zu steigern. Insbesondere das Privatkundengeschäft wird dabei strategisch neu ausgerichtet, hier wollen die Frankfurter bis 2016 etwa eine Milliarde Euro investieren.
Wohin das Geld im Einzelnen fließen soll, teilte die Bank am Mittwochabend nicht mit. Nach Informationen des Wall Street Journal Deutschland soll damit zum einen die IT modernisiert werden. Hier hatte die Redaktion bereits berichtet, dass ein niedriger dreistelliger Millionenbetrag investiert werden soll. Zudem sollen neue Produkte aufgelegt werden und zusätzliche Mittel in die Werbung fließen, erfuhr die Redaktion von einer Person aus dem Umfeld der Bank.
Trotz der geplanten Investitionen will das Bankhaus bei den Kosten auf der Bremse bleiben - sie sollen durch Steigerung der Effizienz und eine Optimierung der Kapitalbasis stabil gehalten werden. Mit all diesen Maßnahmen zusammen soll bis 2016 in der Kernbank eine Eigenkapitalrendite nach Steuern (RoE) von mehr als zehn Prozent erreicht und die Aufwandsquote (CIR) auf rund 60 Prozent reduziert werden. Zudem sollen die Portfolios in der Bad Bank mit dem klangvollen Namen Non-Core Assets (NCA) bis 2016 "im Wesentlichen ohne Verkäufe und wertschonend um mehr als 40 Prozent verringert werden", teilte die Bank mit.
Entsprechend der Planungen der Commerzbank soll die Core-Tier-1-Quote des Konzerns dabei auch unter Berücksichtigung von Basel 3 in der Übergangsregelung bis Ende 2016 stets bei deutlich über neun Prozent liegen.
Auch das Kosten-Ertrags-Verhältnis will die Commerzbank verbessern. Es lag im Gesamtjahr 2011 im Konzern bei 80,8 Prozent und soll künftig auf 70 Prozent sinken. Um dieses Ziel zu erreichen, wolle die Bank unter anderem die Verwaltungskosten deckeln. Hier hat die Commerzbank für 2012 das Ziel ausgegeben, unter 7,6 Milliarden Euro zu bleiben. Wie das Wall Street Journal Deutschland bereits berichtete, wird mit bis zu 1.800 Stellenstreichungen im Privatkundengeschäft gerechnet. Einem aktuellen Bericht der Wochenzeitung Die Zeit zufolge könnten in der Bank insgesamt sogar bis zu 6.000 Stellen wegfallen. Aktuell beschäftigt der Konzern rund 56.000 Mitarbeiter.
Die Ausschüttung von Dividenden für die Geschäftsjahre 2012 und 2013 ist aus heutiger Sicht unwahrscheinlich. Commerzbank-Chef Martin Blessing hatte schon vor einiger Zeit angedeutet, dass die Zahlung einer Dividende für das Jahr 2013 unwahrscheinlich sein könnte.
Die im Dax notierte Bank legt am Donnerstag ihre neue Strategie gemeinsam mit den Zahlen für das dritte Quartal vor. Am Freitag soll die neue Produktstrategie erläutert werden.
Kontakt zum Autor: Alexandra.Edinger@dowjones.com







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