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Obama führt weiter ein gespaltenes Land

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US-Präsident Barack Obama am Mittwochmorgen deutscher Zeit auf dem Weg zu seiner Siegesrede in Chicago.

Amerikas alter Präsident ist auch der neue. Um 5.16 Uhr verkündete Barack Obama auf Twitter "Four more years". Kurz darauf stand sein Erfolg auch offiziell fest, für viele Wahlbeobachter überraschend schnell. Nach einer spannenden Wahlnacht gab der Erfolg des demokratischen Amtsinhabers in Ohio den Ausschlag, der zum Schlüsselstaat für den Wahlausgang geworden war. Obamas republikanischer Herausforderer Mitt Romney konnte den Sieg nicht mehr holen.

„Four more years" schallte es dem wiedergewählten Präsidenten vor seiner Siegesrede im Veranstaltungszentrum McCormick Place in Chicago entgegen. Seinen Unterstützern in der Halle versprach Obama, er wolle „entschlossener und inspirierter ins Weiße Haus zurückkehren". Das Beste werde noch kommen. „Wir haben uns zurückgekämpft."

Obama räumte ein, dass die Wirtschaftskrise noch nicht überstanden sei und weiter für neue Jobs gekämpft werden müsse. „Trotz aller Widrigkeiten war ich nie hoffnungsvoller für die Zukunft", sagte der Präsident in einer überaus emotionalen Ansprache. Obama beschwor einmal mehr den amerikanischen Traum, dass es jeder in den USA zu etwas bringen könne: „Egal ob schwarz oder weiß, asiatisch oder lateinamerikanisch, arm oder reich, alt oder jung, ihr könnt es hier schaffen, wenn ihr nach Amerika kommt."

Pattsituation im Kongress bleibt bestehen

Den Dank an alle Wähler verband der Präsident mit einem Appell an die nationale Einheit der Vereinigten Staaten. Er werde sich in den nächsten Wochen mit Romney treffen. „Wir haben vielleicht erbittert gekämpft, doch nur deshalb, weil wir dieses Land so sehr lieben und uns so sehr um seine Zukunft sorgen", sagte er.

Da sich an der Sitzverteilung im Repräsentantenhaus wenig ändern wird, bleibt Obama auch nicht viel anderes übrig, als auf den politischen Gegner zuzugehen, um die zuletzt lähmende Blockade im Kongress zu überwinden. Nach den vorläufigen Ergebnissen halten die Republikaner wie gehabt im Repräsentantenhaus die Mehrheit, die Demokraten kontrollieren weiterhin den Senat.

Obama: Staatsmann, Stratege, Familienvater

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Die denkwürdigsten Momente aus der ersten Amtszeit des amerikanischen Präsidenten.

US-Präsidentschaftswahl

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Romney sagte vor seinen Anhängern: „Ich hatte mir so sehr gewünscht, dass ich Eure Hoffnungen erfüllen kann, das Land in eine andere Richtung zu führen. Doch die Nation hat einen anderen Anführer gewählt."

Obamas erneuter Wahlerfolg markiert einen neuen Meilenstein in der neueren Geschichte Amerikas. Seit Franklin D. Roosevelt im Jahr 1940 hat kein anderer amtierender Präsident mit einer so hohen Arbeitslosenquote – aktuell 7,9 Prozent - eine Wiederwahl geschafft.

Wie vor vier Jahren hat eine einzigartige Mischung von Wählern Obama zum Sieg getragen – eine, die auch die sich wandelnde Wählerschaft der USA insgesamt widerspiegelt; dazu zählt vor allem der schwindende Einfluss der weißen Bevölkerungsteile. So hat Romney Wählerumfragen zufolge 60 Prozent der Stimmen der weißen Wählerschaft erhalten, während Obama mit 38 Prozent fünf Prozentpunkte weniger als 2008 motivieren konnte. Der Anteil der hispanischen Wählerschaft wird hingegen immer größer; sie wählen eher die Demokraten.

Alle Blicke auf Florida und Ohio

In der Wahlnacht richteten sich die Blicke lange nach Florida. Im Jahr 2000 hatten sich George W. Bush und Al Gore dort ein so knappes Duell geliefert, dass der Sieger erst nach Wochen feststand. Auch in diesem Wahlkampf ging es erneut eng zu. Nach letztem Stand lag Obama heir mit 0,6 Prozent der Stimmen vorne.

Als feststand, dass der Präsident Ohio gewonnen hat, war das Ergebnis der beiden umkämpften Staaten aber nicht mehr entscheidend. Weitere wichtige Erfolge verbuchte Obama in New Hampshire, Iowa Pennsylvania und Michigan. Außerdem gewann er den größten Bundesstaat Kalifornien.

Fotos: Der Tag der Entscheidung

Associated Press

Die meisten Einzelergebnisse kamen nicht überraschend. Die meisten Bundesstaaten sind politisch so eindeutig festgelegt, dass die jeweiligen Lager fest auf sie zählen konnten. Die typischen Republikaner-Staaten Utah, Mississippi, Arkansas, Nebraska, Wyoming, Kansas, Louisiana, South Dakota, Texas, North Dakota, Tennessee, Kentucky, West Virginia, Indiana, South Carolina, Oklahoma, Alabama und Nebraska fielen denn auch Romney zu. Außerdem siegte er in den umkämpfteren Staaten Idaho, North Carolina und Missouri.

Dafür war Barack Obama in New York, New Jersey, Vermont, Illinois, Connecticut, Maine, the District of Columbia, Delaware, Rhode Island, Maryland, Massachusetts und Maine erfolgreich. Außerdem setzte er sich in Washington, Hawaii und in New Mexico durch.

Als einer der Schlüsselstaaten für Obama erwies sich New Hampshire. Hier hatte Romney seine Kampagne in im Juni 2011 gestartet, und hierhin war er am Montag für seine Abschlusskundgebung zurückgekehrt. Auch in der Zwischenzeit war der konservativste Bundesstaat Neuenglands immer wieder Teil seines Reiseplans. Doch die Mühe zahlte sich nicht aus. Auch hier gewann Obama.

Späte Aufmerksamkeit für Pennsylvania

Schauplatz eines entscheidenden Duells war auch Pennsylvania. Erst in der heißen Phase des Wahlkampfs entdeckten die Republikaner den von Montanindustrie und Landwirtschaft gleichermaßen geprägten Bundesstaat und investierten hier viel Zeit und Geld. Doch änderte die Partei ihre Taktik, da sie hier plötzlich Chancen auf einen Erfolg witterte.

Bis zur letzten Minute kämpfte Mitt Romney in dem nordöstlichen Bundesstaat um Stimmen. Noch am Dienstagnachmittag legte er einen Zwischenstopp in Pittsburgh ein, danach kehrte er für die Wahlnacht nach Boston zurück. Auch hier setzte sich der Präsident durch.

Barack Obama gewann auch in Michigan. Obwohl der Bundesstaat nicht als hart umkämpft galt, investierten die Republikaner viel in dem Staat, in dem Romney geboren wurde. Zwar gaben sich die republikanischen Wahlkämpfer bis zuletzt zuversichtlich, dass ihr Kandidat durchaus Chancen habe, doch nur wenige Minuten nach der Schließung der Wahllokale und Beginn der Stimmauszählung war klar, dass Präsident Obama diesen Kampf für sich entschieden hatte.

Der Bauch wählt mit - was Obama und Romney essen (mussten)

Damit Romney noch hätte gewinnen können, hätte er seinen Vorsprung in Virginia halten müssen und zudem Florida sowie einige weitere Swing States gewinnen müssen – der wichtigste davon wäre Ohio gewesen.

Das Fazit der Wahlnacht, die auch in Europa mit Spannung verfolgt wurde: In Washington bleibt die politische Kräfteverteilung genauso wie vor dem 7. November. Der Aufwand für dieses Ergebnis war immens: Rund 6 Milliarden Dollar Spendengelder sammelten die Kandidaten ein, verpulvert wurden sie unter anderem, um 1,2 Millionen Wahlwerbespots zu schalten.

Wenig Zeit für Siegesfeiern

Obama wird wenig Zeit haben, um seinen Sieg auszukosten. Schon bald droht die sogenannte "Fiskalklippe", eine Reihe von Steuererhöhungen und Ausgabekürzungen, die automatisch am 1. Januar in Kraft tirtt, sollten Kongress und Regierung keinen Kompromiss bei der Haushaltspolitik finden. Dies könnte die auf wackligen Füßen stehende, leichte Erholung wieder zum Einstürzen bringen. In den kommenden Monaten wird auch wieder einmal die Schuldenobergrenze erreicht werden - angesichts der neuen alten Pattsituation im Kongress könnte es auch hier wie im vergangenen Jahr zu keiner Einigung kommen. Damals wurde die Kreditwürdigkeit der USA herabgestuft.

—MItarbeit: Colleen McCain Nelson, Marion Schalk

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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