• The Wall Street Journal

Audi und BMW zeigen Mercedes weiter die Rücklichter

Lukas Barth/AP/dapd

Dank des Absatzes in Amerika und Asien ist der deutsche Autobauer Audi weiter auf Wachstumskurs.

Die deutschen Hersteller von Oberklassewagen lassen sich von der Konjunkturflaute nicht beeindrucken und bleiben auf Rekordkurs. Auch zum Start ins Schlussquartal legten die Verkäufe von BMW und seinen Mitbewerbern deutlich zu. Gute Nachrichten im schwierigen Umfeld also. Nur nicht für die Daimler -Marke Mercedes-Benz. Die momentane Nummer drei wuchs zwar auch, verliert gegenüber den Rivalen allerdings mehr und mehr an Boden.

Prozentual gesehen wuchsen die Verkäufe der Stuttgarter im Oktober gerade einmal etwa halb stark wie die von BMW und Audi: Gut 109.600 Autos mit dem traditionsreichen Stern auf der Kühlerhaube wurden weltweit an die Kunden gebracht, 6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Ganz anders die Zuwachszahlen von Audi: Die Volkswagen-Tochter brachte 123.600 Autos an die Kunden in aller Welt – ein Plus von knapp 14 Prozent. Vor allem in Amerika und Asien ging es für die Ingolstädter erneut deutlich bergauf.

Ampeln stehen weiter auf Grün

In China, dem mittlerweile größten Automobilmarkt der Welt, legte der Audi-Absatz um fast 30 Prozent zu. „China bleibt einer der stärksten Wachstumsmotoren für Audi: Bereits im Oktober haben wir dort den Rekordabsatz aus dem gesamten Vorjahr übertroffen und werden 2012 eine starke neue Bestmarke erreichen", sagt der neue Vertriebschef der Marke mit den vier Ringen, Luca de Meo.

Audi ist Marktführer in der Volksrepublik und verkauft mittlerweile mehr als ein Viertel aller Autos dort. In den vergangenen Monaten hatten jedoch immer mehr Experten skeptisch gezeigt, was den Zustand und die Aussichten des Automobilmarktes im Reichs der Mitte angeht.

Im Premiumsegment ist davon aber kaum etwas zu spüren, die Ampeln stehen weiter auf grün. Auch Branchenprimus BMW profitierte vor allem von der weiter intakten Nachfrage aus den USA und aus China. Laut jüngsten Hochrechnungen werden die weltweiten Verkäufe im Oktober um gut 12 Prozent zugelegt haben, wie Vorstandschef Norbert Reithofer am Dienstag bei Bekanntgabe der Neunmonatszahlen erklärte. Die endgültigen Vertriebszahlen sollen am Freitag veröffentlicht werden.

Bei Mercedes-Benz läuft es in China dagegen alles andere als rund: Wegen Lieferschwierigkeiten aufgrund von Modellwechseln bei wichtigen Produkten wie der A- und B-Klasse sowie ineffizienten Vertriebsstrukturen schrumpfte der dortige Absatz um 6 Prozent. Jetzt soll die kürzlich eingeführte kompakte B-Klasse für Rückenwind sorgen, hofft Vertriebsvorstand Joachim Schmidt.

Nur Luxusprobleme

Doch sind es auch die fehlenden Modelle, die Mercedes-Benz nicht nur in Sachen Rendite, sondern auch beim Absatz den Konkurrenten hinterherhinken lassen. „Zum Teil fehlen uns die Produkte", gestand Finanzchef Bodo Uebber kürzlich unumwunden ein. Beispielsweise ein kleines SUV wie den BMW X1 habe man nicht im Angebot.

Die schnellsten Autos der Welt

Trotz der Unzulänglichkeiten sprach Vertriebschef Schmidt von einem erfolgreichen Start ins vierte Quartal. Verständlich, denn auch wenn Mercedes-Benz schwächer wächst als die Konkurrenten, waren die ersten zehn Monate doch die bisher besten der Unternehmensgeschichte. „Auch für das Gesamtjahr rechnen wir weltweit mit einem neuen Verkaufsbestwert", sagte Schmidt. 2011 hatten die Schwaben gut 1,38 Millionen Pkw der Marken Mercedes-Benz, Smart, Maybach und AMG an die Kunden in aller Welt gebracht.

Auch BMW und Audi wollen dieses Jahr neue Absatzrekorde aufstellen. „Wir liegen auf Kurs", sagte BMW-Chef Reithofer erst am Montag. Die Münchener hatten im vergangenen Jahr rund 1,67 Millionen Autos losgeschlagen. Audi will 2012 erstmals die Marke von 1,4 Millionen Verkäufen knacken – das wären 100.000 mehr als 2011. Bis 2020 wollen die Ingolstädter die Spitze erklimmen, genauso wie Mercedes-Benz. BMW will die Pole-Position aber selbstverständlich verteidigen.

Zwar konnten sich auch die Premiumhersteller den konjunkturellen Schwierigkeiten in den vergangenen Monaten nicht mehr vollends entziehen und die Gewinne gerieten leicht unter Druck. Das ist im Branchenvergleich allerdings ein Luxusproblem, da die Geschäfte alles in allem nach wie vor rund liefen. Denn einerseits ist die Nachfrage nach Luxusautos weniger anfällig für Konjunkturschwankungen als die nach günstigeren Wagen, andererseits kann die schwierige Lage in Europa durch Zuwächse in anderen Weltregionen wettgemacht werden.

Kontakt zum Autor: nico.schmidt@dowjones.com

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