• The Wall Street Journal

Goldman-Manager streichen Millionen ein

Das Geschäft bei der US-Investmentbank Goldman Sachs läuft nicht gerade berauschend. Doch die Gewinne der Vergangenheit zahlen sich für das Führungsteam immer noch aus. Mehr als 30 Manager, darunter Vorstandschef Lloyd C. Blankfein, haben vor Kurzem mit Aktienoptionen Kasse gemacht, die sie im Jahr 2002 erhielten. Alle Manager sind Partner des Unternehmens.

Wie aus Unterlagen für die Aufsichtsbehörden hervorgeht, haben die Manager insgesamt 21,8 Millionen Dollar eingesteckt, weil sie in den drei Tagen nach Bekanntgabe der Quartalszahlen Mitte Oktober Aktienoptionen zogen und die Anteile daraus verkauften. Die Optionen wären im November verfallen. Die Goldman-Aktie liegt derzeit 50 Prozent höher als noch 2002. „Indem sie diese zehn Jahre alten Optionen gezogen haben, haben die Manager etwas von dem Wert festgehalten, den sie für die Aktionäre geschaffen haben", erklärte ein Goldman-Sprecher.

Die Optionen vieler anderer Manager sind dagegen derzeit wertlos, weil sie zwischen 2005 und 2008 ausgegeben wurden. Die Aktie erreichte ihren Höhepunkt im Oktober 2007 bei etwa 239 Dollar; das sind 89 Prozent mehr als der Schlusskurs vom Dienstag.

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Goldman-Chef Lloyd Blankfein nahm mit den Aktienoptionen 3,1 Millionen ein.

Den größten Gewinn hat Michael S. Sherwood eingestrichen. Er leitet die Goldman-Geschäfte in Europa. Aus seinen 115.211 Aktien erhielt er 5,2 Millionen Dollar. CEO Blankfein erhielt 3,1 Millionen; der scheidende Finanzchef David A. Viniar 2,3 Millionen.

Die Summen sind zwar für Wall-Street-Verhältnisse nicht enorm, zeigen jedoch, wie gut sich Goldman seit dem Börsengang 1999 entwickelt hat. Einige Experten glauben trotzdem, dass die jüngsten Verkäufe auf jene Probleme hinweisen, die Goldmans Gewinne und den Aktienkurs gerade drücken. „Es wirkt wie das Ende einer Ära", sagt J. Robert Brown Jr, Jurist an der Universität Denver, der sich auf Managervergütung und Unternehmensführung spezialisiert hat. Der Aktienverkauf werfe die Frage auf, wie effektiv die Bemühungen bei Goldman und anderen sind, die Vergütung stärker an die Leistung zu koppeln und exzessive Risiken zu vermeiden.

Im Fahrwasser der Finanzkrise ersetzten Banken und Investmentfirmen üblicherweise die bar gezahlten Boni durch eingeschränkte Aktien, die erst nach einigen Jahren einlösbar sind. Aktienoptionen sind selten geworden, weil sei einerseits von der US-Politik kritisch gesehen werden, andererseits bei schwankenden Aktienkursen weniger attraktiv sind.

Goldman selbst gab zuletzt im Jahr 2008 Optionen aus. Während der Finanzkrise hatte der US-Kongress Unternehmen, die mit Steuergeldern gerettet werden mussten, verboten, Optionen anzubieten. Goldman und seine Rivalen waren davon zwar nicht betroffen, schafften die Praxis aber trotzdem ab. „Der Kompensationsausschuss traf diese Entscheidung utner der Abwägung getroffen, wie Talente am besten rekrutiert und zugleich der Wert für die Aktionäre maximiert werden kann."

Nach dem Börsengang 1999, bei dem der Ausgabepreis bei 53 Dollar lag, war der Kurs der Goldman-Aktien bis 2008 stetig gestiegen. In den guten Zeiten war es an der Tagesordnung, dass die Goldman-Partner ihre nach dem Börsengang erhaltenen Optionen zu Geld machten. Die Verkäufe erfolgten meist kurz vor dem Verfallsdatum. Die Finanzkrise machte diese Praxis jäh zunichte. Im November 2008 erreichte die Aktie einen Tiefpunkt von etwas über 50 Dollar. Damit hätten viele Partner mit ihren Optionen einen Verlust gemacht.

Die Optionen, welche die Manager im Oktober zu Geld machten, waren zum Zeitpunkt der Ausgabe 78,87 Dollar wert, zeigen die Unterlagen der Börsenaufsicht. Am Markt erhielten die Manager dafür zwischen 123,18 und 126,17 Dollar, machten als gut 45 Dollar Gewinn je Aktie. Sie handelten direkt an dem Tag, nachdem Goldman die Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt hatte. Das muss laut den geltenden Vorschriften gegen Insiderhandel so geschehen, da die Manager Zugang zu wichtigen, nicht-öffentlichen Informationen haben.

Experten glauben jedoch, dass sich ein derartiger Zahltag so schnell nicht wiederholt – es sei denn, der Aktienkurs stiege noch einmal deutlich. Das aber gilt als unwahrscheinlich. Goldman verzeichnete im dritten Quartal zwar ein Plus bei Gewinn und Umsatz, ging jedoch mit eigenem Geld weniger Risiken ein und berichtete, die Kunden seien in der gegenwärtig unsicheren Lage extrem vorsichtig. Die meisten Goldman-Manager halten jetzt noch Optionen mit einem Kurs von 131,64 bis 204,16 Dollar, der sie derzeit wertlos macht.

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