Von RICHARD BARLEY
Sind die Outright Monetary Transactions der Europäischen Zentralbank die erfolgreichsten geldpolitischen Eingriffe, die eine Zentralbank je angekündigt hat?
Als diese Notsicherung für den Staatsanleihemarkt im September vorgestellt wurde, hielten es alle Beobachter nur für eine Frage von Wochen, bis die spanische Regierung einen Hilfsantrag stellen würde. Sechs Monate später ist nicht ein Cent ausgegeben worden, und die Renditen zehnjähriger spanischer Staatsanleihen sind so niedrig wie seit einem Jahr nicht mehr. Und das, obwohl in großem Umfang neue Schuldtitel ausgegeben wurden, in Italien nach den Wahlen keine stabile Regierung in Sicht ist und sich die Rezession in der Eurozone eher noch verschärft hat.
Spanien ist es allen Zweifeln zum Trotz schon nach zwei Monaten gelungen, 29 Prozent seines Anleihekaufprogramms für das laufende Jahr über die Bühne zu bringen. Zuletzt hat sich Madrid 5 Milliarden Euro am Finanzmarkt besorgt, fast die Hälfte davon über Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit. Die durchschnittliche Rendite, die Investoren bei Neuemissionen verlangen, ist bis Ende Februar auf 2,85 Prozent gefallen - von 3,01 Prozent im vergangenen Jahr, wie das spanische Finanzministerium mitteilte. Spanien hat sogar Schuldtitel am Markt verkauft, die in Dollar denominiert waren.
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Um das Durcheinander komplett zu machen: Nicht wenige Investoren haben Zweifel, was die Funktionsfähigkeit des OMT in der Praxis angeht, sollte das Programm je aktiviert werden müssen. Mit den vorherigen Anleihekäufen über das Securities Markets Program gelang es der EZB zwar, die Spannungen am Anleihemarkt zu dämpfen, doch die Renditen kamen nicht auf ein Niveau zurück, das für die Krisenländer nachhaltig gewesen wäre, insbesondere nachdem sich die EZB weigerte, Verluste auf griechische Anleihen in Kauf zu nehmen.
Überdies hat EZB-Präsident Mario Draghi erklärt, Länder, die in den Genuss des OMT kommen wollten, müssten zunächst ein Hilfspaket mit dem Internationalen Währungsfonds und der Eurozone abschließen. Selbst dann jedoch gibt es keine Garantie, dass die EZB deren Anleihen tatsächlich erwirbt.
Von dem Effekt des nur angekündigten Programms profitiert sogar Italien. Dabei hat das Land derzeit keine glaubwürdige Regierung, die um Hilfe bitten könnte, und das Volumen der ausstehenden italienischen Staatsanleihen ist wahrscheinlich zu groß, um es mit Aufkäufen in den Griff zu bekommen, wenn der Markt ins Rutschen kommen sollte. Trotzdem gelang es dem Land wenige Tage nach dem unklaren Wahlausgang, 6,5 Milliarden Euro neue Schulden zu machen.
Tatsächlich sieht die Wahrheit wohl so aus: Niemand will gegen die EZB wetten – aus Angst vor den drohenden gigantischen Verlusten. Genau das ist das Ziel der Zentralbank. Sie setzt darauf, dass sie ihr Programm nie in Gang setzen muss. Es gibt allerdings einige, die dies für Wunschdenken halten. Die UBS etwa schreibt in einer Analyse, im zweiten Halbjahr werde Spanien um Unterstützung der Eurozone bitten.
Dennoch: Indem die EZB den Markt einfach mit dem Vertrauen geimpft hat, dass die Eurozone nicht zerbrechen wird, hat das OMT-Programm seine Magie bereits entfaltet.
So lange das Vertrauen trägt, wird die Notfallsicherung ihre kraftvolle, wenngleich rein theoretische Abschreckungswirkung wahrscheinlich behalten.
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