Von SVEN GRUNDBERG und JUHANA ROSSI
HELSINKI — Nach Angry Birds kommt jetzt der nächste Spiele-Hit aus Finnland: Die Firma Supercell setzt mit ihren zwei kostenlosen App-Spielen „Clash of Clans" und „Hay Day" nach eigenen Angaben täglich eine halbe Million Dollar um.
Das zwei Jahre alte Start-Up ist jüngst mit seinen 80 Angestellten in einen riesigen Bürokomplex umgezogen, den der Handyhersteller Nokia zuvor geräumt hatte. Dieser Mieterwechsel zeigt, wie groß der Erfolg der neuen Generation von Unternehmen in Helsinki gerade ist. Auch „Angry Birds"-Anbieter Rovio Entertainment gehört zu der geschäftigen Start-Up-Szene der Stadt.
Die beiden Supercell-Spiele gibt es seit vergangenem Sommer. Heute steht „Clash of Clans" an erster Stelle, „Hay Day" an dritter Stelle der umsatzstärksten Apps im amerikanischen Apple-Store.
Das Start-Up spielt somit in einer Liga mit Unternehmen wie dem Spieleriesen Electronic Arts aus Silicon Valley, der im Apple-Store fast 1000 Spiele anbietet, und Zynga, dem Macher Dutzender Erfolgsspiele wie „FarmVille".
Viele finden keinen Nachfolge-Hit
Doch ob Supercell seinen Erfolg auch langfristig aufrecht erhalten kann, steht in den Sternen. Viele einst aufstrebende Spielehersteller wie Zynga finden keine Nachfolger für ihre ursprünglichen Erfolge.
Vertreter von Supercell berichten, dass das Unternehmen Flops bisher vermeiden konnte, weil Projekte mit schlechten Erfolgsaussichten schon früh in der Mülltonne landen.
„Es ist ja nicht so, als hätte Supercell mit zwei Versuchen gleich zwei Hits gelandet", sagt Ilkka Paananen, der 34-jährige Mitgründer und Geschäftsführer von Supercell. „Tatsächlich sind wir einfach sehr gut darin, Fehlschläge zu verarbeiten."
„Was uns wirklich erfolgreich gemacht hat, sind nicht die zwei Spiele, die zum Hit wurden, sondern die vier Spiele, die wir noch vor der Veröffentlichung wieder zurückgezogen haben", sagt er. Dieses Jahr werde Supercell wahrscheinlich neue Spiele auf den Markt bringen.
Wenig Bürokratie in der Spieleentwicklung
Zum Erfolgsrezept gehöre auch, dass Supercell die bürokratischen Seiten eines Unternehmens so weit wie möglich abschaffe. Spiele werden in kleinen Gruppen von höchstens zehn Mitarbeitern entwickelt, die sehr viel Freiheit haben und sich nicht jeden Schritt genehmigen lassen müssen.
„Mit diesem Ansatz schaffen wir es, mehr Arbeit zu erledigen", sagt Drussila Hollanda, eine brasilianische Software-Entwicklerin, die von Berlin nach Helsinki gezogen ist, um bei Supercell zu arbeiten. „Es gibt hier nur wenig Büropolitik."
Supercell hat es nicht leicht, die besten Talente für sich zu gewinnen. Die Abgelegenheit und das Klima in Finnland sind für viele hochqualifizierte Arbeitskräfte nicht attraktiv. Finnische Spielefirmen können zudem mit den Gehältern in den USA nicht mithalten, sagt Olli Sotamaa von der University of Tampere, der sich besonders gut mit der finnischen Spielebranche auskennt.
Hollanda sagt, die Gehälter bei Supercell seien „hoch", nannte jedoch keine genauen Zahlen. Finnland war für sie attraktiv, weil das Bildungs- und das Gesundheitssystem dort öffentlich finanziert werden. „Hier ist es sauber, sicher und unbürokratisch."
Supercell ist nicht das erste Unternehmen, das Paananen gegründet hat. 2004 verkaufte er seine erste Firma an den kalifornischen Spielehersteller Digital Chocolate.
Noch bevor Supercell überhaupt ein Produkt auf den Markt gebracht hatte, hatten sich mehrere Risikokapitalgeber wie Accel Partners und London Venture Partners an dem Unternehmen beteiligt.
Accel investierte auch in Rovio und Facebook
„Als ich Ilkka zum ersten Mal in unserem Londoner Büro traf, wusste ich innerhalb weniger Minuten, dass er ein erstklassiger Unternehmer ist", sagt Kevin Comolli, ein Accel-Investor, der Mitglied im Aufsichtsrat von Supercell ist. Im Mai 2011 überzeugte Comolli seine Partner bei Accel, acht Millionen Dollar in Supercell zu investieren.
Bisher hat sich die Wette ausgezahlt. Accel hat in der Vergangenheit bereits andere Erfolgsunternehmen wie Rovio und Facebook finanziert, jedoch sei noch nie eine Firma in ihrem Portfolio so schnell gewachsen wie Supercell, sagt Comolli.
„Hay Day", das erste Spiel von Supercell, ähnelt dem Zynga-Spiel FarmVille. Nutzer können virtuelle Felder bestellen und Vieh züchten. Beim Strategiespiel „Clash of Clans" können Nutzer Dörfer bauen, Truppen ausbilden und sich mit anderen Spielern verbünden.
Supercell berichtet, dass sich die Nutzer der beiden Spiele durchschnittlich zwölf Mal am Tag einloggen. Beide Spiele kann man kostenlos herunterladen, jedoch können Nutzer für Geld Spieleboni kaufen, um zum Beispiel schneller voranzukommen.
„Die zehn Prozent der Nutzer, die im Spiel Geld ausgeben, finanzieren es für alle anderen mit", sagt Paananen. „Wenn man es richtig macht, kann das ein sehr lukratives Modell sein."
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de










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