Von BEN FRITZ
Als Alan Horn im Mai zum Vorsitzenden des Walt Disney Filmstudios ernannt wurde, war eine seiner ersten Amtshandlungen, einen fliegenden, sprechenden Affen in einen fast fertigen Film einzubauen.
Kaum jemand in Hollywood würde sich trauen, während seiner ersten Woche in einem neuen Job einen ohnehin schon 200 Millionen Dollar teuren Film für weitere 15 Millionen Dollar teilweise neu filmen zu lassen. Doch genau das tat Horn während der Produktion des Films „Die fantastische Welt von Oz", der diese Woche in Deutschland in die Kinos kam.
Trotz dieses gewagten Schritts hat sich der 70-jährige Horn bereits einen Ruf als sachlicher Filmemacher erarbeitet. Vor ihm hatte der Fernsehmanager Rich Ross den Posten des Studiovorsitzenden bekleidet – dieser hatte jedoch keinerlei Erfahrung mit der Filmindustrie. Ross räumte den Posten schon nach weniger als drei Jahren wieder.
„Es fühlt sich wieder stabiler an, und das ist genau das, was wir brauchen", sagt der Produzent Joe Roth, der von 1994 bis 2000 Studiovorsitzender war.
Grundverschiedene Manager
Horn und Ross sind zwei grundverschiedene Manager. Ross war zuvor Chef von Disney Channels Worldwide, einer Unternehmenssparte, zu der Dutzende von Fernsehkanälen für Kinder gehören. Als Ross das Filmstudio übernahm, tauschte er einen Großteil der Führungsriege aus und versuchte, etablierte Marketing- und Vertriebsstrategien zu ändern. Ross machte sich damit wenig Freunde. Filmemacher, Agenten und Produzenten fanden sein Vorgehen ungeschickt.
Horn hingegen hat die Führungsriege des Filmstudios beim Alten belassen. Seine Kollegen beschreiben ihn als vornehm. Von 1999 bis 2011 war Horn Vorsitzender von Warner Bros., wo er seinen Posten räumen musste, damit drei jüngere Führungskräfte eine Chance auf seine Stelle bekamen.
Disney-Studio Basis für den Erfolg des Konzerns
Das Disney-Studio, das vergangenes Jahr 5,8 Milliarden Dollar umgesetzt und einen Betriebsgewinn von 722 Millionen Dollar erzielt hat, ist deutlich kleiner als die Fernseh- und Vergnügungsparksparten von Disney. Jedoch kommt aus dem Filmstudio das Material, das die Parks, TV-Kanäle und Videospiele erfolgreich macht.
Durch diese Strategie ist es für Disney wichtig, die Filme komplett im eigenen Besitz zu behalten, anstatt wie andere Studios das Risiko auf verschiedene Finanzierungspartner zu verteilen. Durch den Flop „John Carter" aus dem vergangenen Jahr musste Disney 200 Millionen Dollar abschreiben.
„Oz" dürfte jedoch besser ankommen. Trotz mittelmäßiger Kritiken vor dem Kinostart zeigen Umfragen, dass der Film allein in den USA mit einem Umsatz von 80 Millionen Dollar starten dürfte, und dass in vielen anderen Ländern ein hohes Interesse besteht.
Zum Disney-Studio gehören auch Schwesterunternehmen wie Marvel Studios, Pixar Animation Studios, und seit der Übernahme vergangenes Jahr auch Lucasfilm, die Firma hinter der Star-Wars-Reihe. All diese Sparten unterstehen Horn, doch jede hat auch ihr eigenes Management-Team.
Mehr Realfilme von Disney
Horn will vor allem wieder mehr Realfilme drehen lassen. Als er das Studio übernahm, waren nur drei solcher Filme geplant: „Oz", „The Lone Ranger" mit Johnny Depp und „Maleficent" mit Angelina Jolie.
Horn hat seitdem zwei weitere Filme genehmigt, und beide mit einem saftigen Budget: „Tomorrowland", ein Film, der nach einem Bereich in Disneyland benannt ist, und einen fünften Teil der „Fluch der Karibik"-Reihe.
Außerdem will Horn ab 2015 jedes Jahr einen neuen „Star Wars"-Film auf den Markt bringen. Lucasfilm-Chefin Kathy Kennedy arbeitet derzeit mit drei Drehbuchautoren an Fortsetzungen. Den ersten Teil soll Regisseur J.J. Abrams drehen. Außerdem soll es Spin-Offs geben, die sich auf einzelne Figuren aus der Film-Reihe konzentrieren.
„Man sieht, wie viel aktiver das Studio seit dem vergangenen Jahr geworden ist", sagt Roth.
Mangelnde Erfahrung mit digitaler Technik
Horns wunder Punkt könnte seine mangelnde Erfahrung mit digitalen Technologien sein. Trotz der Herausforderungen, die durch neue Technologien und die sich wandelnden Verbrauchergewohnheiten entstehen, ist Horn als Traditionalist bekannt. Anders als seine Vorgänger will er zum Beispiel das Fenster zwischen dem Kinostart und dem DVD-Verkauf nicht verkleinern. Außerdem will er Werbung im Fernsehen nicht unbedingt mit Social-Media-Kampagnen ersetzen.
Disney ist außerdem das einzige große Studio, das keine Initiative unterstützt, Filme in der digitalen Cloud anzubieten, um die Online-Umsätze zu steigern. Eine eigene Initiative namens Disney Movies Anywhere ist seit drei Jahren geplant, hat bisher jedoch noch keinen Zeitplan für die Markteinführung.
Doch Horns Kollegen scheinen mit seiner Arbeit zufrieden zu sein. Marvel-Präsient Kevin Feige findet, dass Horns Arbeitsweise für mehr Zuversicht sorgt. „Alan kann jeden bei Disney mit sehr viel Sachkenntnis und Kompetenz beraten", sagt ein Produzent, der bei dem Studio arbeitet.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de









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